Etwa 350 Poinger waren zur Informationsveranstaltung mit Landrat Robert Niedergesäß (re.) gekommen. Foto: rm

Asyl-Info: Vereinzelt Angst, viel Sachlichkeit

Poing - Gegen Asylbewerber per se hat niemand etwas, allerdings haben manche Mütter Angst davor, dass ausschließlich Männer in der Turnhalle der Poinger Seerosenschule untergebracht werden könnten. Am heutigen Freitag werden die ersten 20 Flüchtlinge hier einquartiert.

Gut zwei Stunden dauerte am Mittwochabend die Diskussion in der Aula der Realschule um die Unterbringung von Asylbewerbern in Poing. Etwa 350 Besucher ließen sich zunächst von Landrat Robert Niedergesäß und seinen Mitarbeitern im Landratsamt über allgemeine Regeln und Gesetze in Bezug auf Asylbewerber und deren Unterkünfte informieren, danach stand die Notunterkunft in der Turnhalle des Sonderpädagogischen Förderzentrums (= Seerosenschule) im Fokus.

Gleich zu Beginn meldete sich eine besorgte Anwohnerin des Schulzentrums Poing-Nord (neben der Seerosenschule befinden sich hier die Grund- und Mittelschule, die Realschule sowie zwei Kindertagesstätten) zu Wort. „Warum sollen nur Männer hier untergebracht werden? Familien wären mir lieber, denn bei 40 Männern ist bestimmt einer dabei, der einen Hau hat“, sagte sie.

Niedergesäß antwortete, dass die Unterbringung von Flüchtlingen „kein Wunschkonzert“ sei, sondern die Landkreise die Asylbewerber von der Regierung von Oberbayern zugewiesen bekommen. „Heute (am Mittwoch, die Red.) haben wir erfahren, dass am Freitag 20 Personen kommen.“ Die würden nun in der Turnhalle der Seerosenschule untergebracht. Hier seien Betten für maximal 40 Flüchtlinge aufgestellt.

Warum ausgerechnet hier, mitten im Schulzentrum, wollte eine andere Mutter wissen. Wieder antwortete der Landrat: „Nachdem wir am Gymnasium Grafing und in der Realschule Ebersberg Flüchtlinge untergebracht haben, haben wir geschaut, welche Halle als nächstes in Frage kommt.“ Weil die Turnhalle der Seerosenschule erstens räumlich vom Schulbetrieb getrennt sei und weil der Schulsport aufgrund der Notunterkunft nicht beeinträchtigt werde (die Schüler weichen insbesondere in die benachbarte Dreifachhalle der Realschule aus), sei die Wahl auf Poing gefallen. „Für uns ist dies die Ultima Ratio“, die lediglich übergangsweise genutzt werden solle. Weil der Landkreis aufgrund des bundesweiten Verteilungsschlüssel bis zum Jahresende 550 Flüchtlinge aufnehmen müsse, bis dato aber lediglich 387 beherberge, müssten weitere Unterkünfte zur Verfügung gestellt werden. Gelingt dies nicht in privaten, kirchlichen oder kommunalen Einrichtungen, müsse der Landkreis selbst tätig werden. Der ist Träger und Eigentümer des Sonderpädagogischen Förderzentrums, weshalb deren Turnhalle jetzt als weitere Notunterkunft genutzt wird.

Nachdem eine weitere Mutter geschildert hatte, sie habe „Angst um meine Tochter“, weil sie auf dem Schulweg von männlichen Flüchtlingen angegriffen werden könnte („in München ist es schon passiert, dass ein Asylant einem Mädchen an den Busen gelangt hat“), meldeten sich zahlreiche Frauen und Männer zu Wort, die betonten, dass man vor Asylbewerbern, auch wenn es Männer sind, keine Furcht haben müsse. „Die Flüchtlinge haben mehr Angst vor uns“, sagte beispielsweise Carolina Philipps, die in Poing ehrenamtlich Sprachkurse für Asylbewerber organisiert und durchführt.

Auch Klaus Halbeck, Koordinator des „Unterstützerkreis Asylbewerber“, erzählte, dass es bislang keine Probleme gegeben habe.

Dies bestätigte Helmut Hintereder, Leiter der Poinger Polizeiinspektion: „Es gibt bislang keine Auffälligkeiten; wenn, dann streiten die Asylbewerber untereinander. Und die Wahrscheinlichkeit, dass ein Asylbewerber ein Kind angreift, sehe ich nicht höher als durch einen Deutschen.“ Für diese Aussage bekam der Polizeichef starken Beifall.

Derzeit sind in Poing 22 Asylbewerber untergebracht, vier Pakistani in der gemeindlichen Obdachlosenunterkunft, drei Familien (darunter eine Familie mit acht Kindern) aus Syrien im ehemaligen Wohnhaus des Mesners der katholischen Pfarrgemeinde (Anzinger Straße). In deren Nachbarschaft wohnt Anton Blieninger, der von netten Erfahrungen und Treffen mit den Flüchtlingen berichtete.

Zum Thema Sicherheit teilten die Mitarbeiter der Ausländerbehörde im Landratsamt mit, dass für die Notunterkunft in der Seerosenschule ein Sicherheitsdienst engagiert werde, der 24 Stunden vor Ort sei. Die Frage einer Frau, ob die Flüchtlinge abends zu einer bestimmten Zeit in der Unterkunft sein müssten, verneinte das Landratsamt. Marion Wolinski, Leiterin des Sozialamtes, wies darauf hin, dass es wichtig sei, die Neuankömmlinge schnellstmöglich zu integrieren. Dies geschehe am besten mit Sprachkursen, später mit gemeinnütziger Arbeit. Klaus Halbeck und Carolina Phillips kündigten an, für die neuen Flüchtlinge ebenfalls Aktionen und Sprachkurse auf die Beine zu stellen.

Die Schulleiter der Seerosenschule, der Grund- und Mittelschule sowie der Realschule merkten am Ende der Diskussion an, dass man die neue Situation als Chance begreife, das Thema Migration im Unterricht aufzugreifen und zu beleuchten. Jörn Bülck, Rektor der Seerosenschule, berichtete, dass seine Schüler sich die umgestaltete Turnhalle bereits angesehen haben. „Viele Schüler waren entsetzt darüber, wie die Flüchtlinge hier hausen müssen“, sagte er über die Eindrücke der Schüler.

Armin Rösl

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