Wilfried Seidelmann, Mediziner und FW-Kreisrat. Foto: jro

Asyl: Kreisräte kritisieren "völliges Chaos"

Landkreis - „Da herrscht völliges Chaos“, kritisierte Kreisrat Winfried Seidelmann (FW) in der Sitzung des Kreis-Jugendausschusses. Der Mediziner mit einer Praxis in Kirchseeon hatte Hintergrunddienst, als er am Freitagabend vor zwei Wochen angerufen wurde.

Er sollte die fast 60 in der Gemeinde Zorneding angekommenen jugendlichen Flüchtlinge untersuchen. Da gehe es auch um mögliche Infektionskrankheiten, „die ich bisher nur aus dem Lehrbuch kenne“, berichtete Seidelmann. Die niedergelassenen Ärzte seien bereit, mitzuhelfen, betonte der Mediziner. Aber da müsse „mehr Ordnung rein“.

Stefanie Geisler, zuständige Abteilungleiterin im Landratsamt, betonte in der Sitzung, die Untersuchungen seien inzwischen abgeschlossen. Auch der Leiter des Gesundheitsamtes, Hermann Büchner, sei eingebunden gewesen. „Seit Montag arbeiten wir mit der Kreisklinik an einer Pool-Lösung, damit im Notfall Untersuchungen durchgeführt werden können“, erklärte die Juristin.

Sowohl die Gemeinde Zorneding als auch das Landratsamt wurden von der Ankunft der jugendlichen Flüchtlinge in Zorneding überrumpelt. „Der Eschenhof wurde vom Stadtjugendamt München angemietet, um 9.30 Uhr ging die Meldung an den Jugendamtsleiter, um 12 Uhr waren die ersten da“, erinnert sich Florian Robida vom Jugendamt. Das Landratsamt Ebersberg mache so etwas nicht. „Weil wir Anstand haben.“ Vize-Landrat Walter Brilmayer (CSU) der die Sitzung leitete, zeigte Verständnis für die Nöte der Stadt München bei der Suche nach Unterkünften. Trotzdem gehe ihm bei einem derartigen Verhalten „der Hut hoch“. Für Ausschussmitglied Ulrike Bittner (Arbeiterwohlfahrt) drängte sich die Vermutung auf, es sei Absicht, die Behörden vor Ort erst so spät zu informieren. Reaktion von Brilmayer: „Das würde ich sofort vermuten.“ Der Konflikt zieht weitere Kreise. Robida: „Wir haben das bei der Heimaufsicht bei der Regierung in Oberbayern angezeigt. Die Einrichtung hat unserer Ansicht nach auch keine Betriebserlaubnis.“ Schwester Christophera Eckl, Leiterin der Jugendhilfeeinrichtung Zinneberg, riet dazu, „bei aller Not einen kühlen Kopf behalten.“ In Zinneberg lernen seit dem Sommer junge Flüchtlinge intensiv Deutsch und werden auf eine Schulabschluss vorbereitet.

Auch in St. Zeno in Kirchseeon sind unbegleitete Flüchtlinge. Dort habe man bereits mit der beruflichen Ausbildung begonnen, wie St.- Zeno-Ausbildungsleiter Manfred Krumpholz erklärte.

Robert Langer

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