Auf diesem freien Grundstück im Gewerbegebiet Schammach will ein Investor eine Asylbewerberunterkunft errichten. Foto: Stefan Rossmann

135 Asylbewerber für Schammach

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Grafing - Privater Investor will Gemeinschaftsunterkunft im Grafinger Gewerbegebiet bauen - die Stadt wird zustimmen.

Letzte Lösung Turnhalle: Immer öfter muss der Landkreis auf diese Möglichkeit zurückgreifen, um Asylbewerber unterzubringen. Doch jetzt zeichnet sich überraschend Abhilfe ab.

In der Sitzung des Grafinger Bauausschusses am kommenden Dienstag werden sich die Stadträte mit einem Antrag im Schammacher Gewerbegebiet befassen, dessen Inhalt der Bau eines neuen Asylbewerberheimes ist. 135 Flüchtlinge sollen hier unterkommen, informierte Bürgermeisterin Angelika Obermayr (Grüne) am Dienstag.

Der Ausgang der Sitzung steht vorher schon fest: „Dieser Bauantrag muss - aufgrund der gesetzlichen Grundlage - positiv beschieden werden“, sagt Obermayr.

Die ersten Reaktionen auf diese Entwicklung sind gemischt. Während Landrat Robert Niedergesäß (CSU) vermutlich froh ist über diese zusätzliche Unterbringungsmöglichkeit - wenn denn die neue Anzahl von Flüchtlingen auf das Kontingent des Landkreises angerechnet wird - sieht der Grafinger Stadtrat und Landtagsabgeordnete Thomas Huber (CSU) durchaus auch Schattenseiten. „Ich halte das nicht für ganz spannungsfrei“, sagt er mit Verweis darauf, dass die Neuaufnahme von 135 Flüchtlingen in Grafing die Stadt an die Spitze derjenigen Orte im Landkreis katapultieren würde, die in nennenswertem Umfang Asylbewerber aufnehmen.

Spitzenreiter ist momentan Ebersberg mit 161 Personen gefolgt von Grafing mit 119 (Stand Montagabend). In Grafing würde die Zahl der Flüchtlinge auf einen Schlag „um mehr als 100 Prozent wachsen“, auf dann 250 Personen, sagt Huber. „Das ist eine Riesenaufgabe für Ehrenamtliche, die Kommune und die Helfer.“

Wohnbebauung in einem Gewerbegebiet war in der Vergangenheit immer wieder mal Thema im Grafinger Stadtrat. Kein Wunder: Der Quadratmeter Baugrund ist hier viel billiger, als für Grundstücke zur Wohnbebauung auf dem freien Markt bezahlt werden müsste. Allerdings hat der Gesetzgeber dem bisher einen Riegel vorgeschoben - mit Ausnahme von Betriebsleiterwohnungen. Hintergrund ist der, dass damit Konflikte zwischen Wohnnutzung und Gewerbeimmissionen vermieden werden sollten.

Im November 2015 wurde dann das Baugesetzbuch geändert. Danach sind Unterkünfte für Asylbewerber auch in Gewerbegebieten zulässig - wenn das im Bebauungsplan nicht verboten wurde. Die Stadt Grafing hat aber „Bauten für soziale Zwecke explizit nicht ausgeschlossen“, informiert Obermayr.

Die Immissionen könnten trotzdem ein Problem werden. Denn in unmittelbarer Nähe führt die viel frequentierte Bahnlinie München-Rosenheim vorbei. Der von ihr ausgehende Krach liegt deutlich über dem, was für Wohnbebauung in der Nacht zulässig ist.

In Anbetracht der Tatsache aber, dass Asylbewerber in der Regel keine Dauergäste in dem Wohngebäude sein werden, wird die Stadtverwaltung das vermutlich als weniger hinderlich beurteilen.

Über den privaten Investor ist bislang wenig bekannt. „Er ist nicht vom Ort“, berichtet Obermayr. Die Unterkunft, die er plant, hat eine Größenordnung, ab der sie von der Regierung von Oberbayern selbst betreut werden müsste. „Die Planungen wurden meines Wissens noch nicht mit der Regierung von Oberbayern oder dem Landratsamt abgesprochen“, teilt Obermayr ihren Wissenstand mit. Mögliche Lösung: Die Regierung würde die Unterkunft mieten.

Die 119 in der Stadt Grafing derzeit untergebrachten Flüchtlinge sind in Unterkünften über den ganzen Ort verstreut. „Betreut werden sie von den Sozialpädagogen des Landkreises Ebersberg und von einer engagierten Gruppe ehrenamtlicher Helfer unter der Leitung von Elisabeth Kajnath.

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