Asylbewerber sollen ruhig schlafen

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Grafing - Grafinger Bauausschuss verweigert Flüchtlingsheim in Schammach aus Lärmschutzgründen die Zustimmung.

Faustdicke Überraschung: Das Asylbewerberheim für 135 Flüchtlinge in Schammach ist vom Grafinger Bauausschuss abgelehnt worden. „Zu viel Bahnlärm an der Stelle“, war das Argument. Vollkommen überrumpelt von diesem Resultat waren die beiden Investoren Sepp Schwarzenbach und Korbinian Haberlander, der Geschäftsführer der Lago GmbH aus Bad Wiessee. Die beiden waren bei der Sitzung im Rathaus anwesend und verfolgten die Diskussion.

„Die Bürgermeisterin hat uns am Freitag noch versichert, dass das genehmigt wird“, wunderte sich Schwarzenbach. Und tatsächlich war in einem ersten Beschlussvorschlag dem Bauausschuss empfohlen worden, dem Bauvorhaben an dieser Stelle zuzustimmen, weil das Vorhaben rechtlich zulässig ist - vorbehaltlich dem, die Bahnlärmproblematik könne gelöst werden. In einer Absprache vor der Sitzung kippte dann die Meinung. „Wir haben uns entschlossen, das Bauvorhaben nicht zu genehmigen“, teilte Rathauschefin Angelika Obermayr (Grüne) in einer vorbereiteten Erklärung den zahlreichen Zuhörern mit, die wegen dieses Tagesordnungspunktes gekommen und erleichtert waren.

Die Diskussion darüber, was einem Asylbewerber an nächtlichem Bahnlärm zugemutet werden kann, hatte viele Facetten, wovon eine durch den SPD-Stadtrat Franz Frey thematisiert wurde. Er fürchtete, die Leute könnten sich jetzt fragen: „Ist das nicht eine Finte?“ Denn auch in den Vorverhandlungen mit dem Landratsamt wurde deutlich, dass die Genehmigungsbehörde die Rechtsmeinung teilte, hier sei der Bau eines Asylbewerberheimes zulässig. Und so entstand tatsächlich der Eindruck in der Sitzung, dass der eine oder andere Stadtrat froh über das Lärmschutzargument war, weil er das Bauvorhaben aus ganz anderen Gründen für kritikwürdig hielt, die Frey ehrlicherweise so formulierte: „Wir wollen kein Ghetto in Schammach.“

Bauamtsleiter Josef Niedermaier wies darauf hin, dass damit ein Asylbewerberheim in Schammach nicht vom Tisch sei, „nur eben an dieser Stelle ist es nicht genehmigungsfähig“. Es sei denn, der Bauwerber würde anhand eines schalltechnischen Gutachtens belegen, dass die Lärmproblematik in den Griff zu bekommen ist. „Dieses schalltechnische Gutachten hätten wir sowieso im Genehmigungsverfahren machen müssen“, sagt Investor Schwarzenbach auf Nachfrage der Ebersberger Zeitung. Er und Haberlander wollen jetzt die schriftliche Stellungnahme der Stadt abwarten und dann entscheiden, wie es weitergeht. Das Projekt sei deswegen nicht automatisch gestorben, alle Optionen würden offen stehen, sagte Schwarzenbach sinngemäß.

„Wenn die ein schalltechnisches Gutachten machen lassen, hänge ich mich da dran“, sagt Unternehmer Martin Bodenburg, der in Schammach bereits ein Unternehmen betreibt und auf einer Grundstückreserve in unmittelbarer Nachbarschaft des jetzt abgelehnten Wohnheimvorhabens ebenfalls ein Asylbewerberheim errichten möchte, allerdings nur für 50 Flüchtlinge.

Schwarzenbach sagt: „Ich verstehe die Ängste der Leute, aber die Flüchtlinge kommen so oder so. Ein Flüchtlingsheim ist eigentlich eine gute Sache.“ Er glaubt, dass die Situation in drei oder vier Monaten sich weiter verschärfen werde. „Ab Genehmigung durch das Landratsamt brauchen wir nur drei bis vier Monate Bauzeit“, meint er.

Michael Seeholzer

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