Asylbewerber-Streit endet vor Amtsgericht

Ebersberg - Er hatte mit einem Stuhl zugeschlagen: Wegen gefährlicher Körperverletzung musste sich deshalb ein 26-Jähriger vor dem Amtsgericht Ebersberg verantworten.

Der Syrer hatte in der Asylbewerberunterkunft in Ebersberg laut Radio gehört. Seinen Mitbewohner, der gerade beten wollte, störte das. Da der Angeklagte trotz Aufforderung seines Bekannten die Lautstärke nicht veränderte, drehte dieser selbst das Radio aus. „Ich wollte, dass es leise ist, bis ich mit meinem Gebet fertig bin“, erzählte der Geschädigte, ein 23-Jähriger, ebenfalls aus Syrien, vor Gericht. Es gab eine verbale Auseinandersetzung zwischen den beiden. Da nahm der Angeklagte einen Stuhl und schlug seinen Mitbewohner damit. Die Polizei wurde gerufen und das Opfer kam ins Krankenhaus gebracht, wo ihm die Ärzte eine kleine Wunde am linken Ohr nähten.

„Wissen sie was in Syrien passiert?“, spielte der Angeklagte auf den islamistischen Terror des IS in seiner Heimat an. „Ich kann es einfach nicht mehr hören, wenn jemand aus dem Koran vorsingt.“ Aus diesem Grund habe er das Radio so laut gestellt und wollte es auch nicht leiser machen.

Die beiden Männer haben sich anschließend wieder vertragen. Sie bewohnten sogar fünf Monate lang gemeinsam ein Zimmer in einer Asylunterkunft in Steinhöring. „Ich wollte auch keine Strafanzeige gegen ihn stellen“, erklärte das Opfer. Er habe aber weder Nachwirkungen noch besonders große Schmerzen gehabt. Die Staatsanwaltschaft und die Richterin sahen die gefährliche Körperverletzung als bestätigt. Der Fall war für Richterin Vera Hörauf jedoch minderschwer, da sich die beiden Männer bereits wieder versöhnt hatten und auch die Verletzungen nicht erheblich waren. Der Angeklagte hatte jedoch bereits eine Vorstrafe wegen des Erschleichens von Leistungen. Die Richterin verurteilte den 26-Jährigen zu einer Geldstrafe von 900 Euro, womit sie unter der Forderung der Staatsanwältin blieb.

Von Julia Tremmel

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