Internetversorgung per Glasfaser. Ein Glasfaserkabel
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Internetversorgung per Glasfaser: Daran basteln derzeit viele Gemeinden im Landkreis. Nicht überall läuft das so reibungslos wie erhofft.

Telekom-Fehler in Hohenlinden

Breitband-Ausbau nicht gut gelaufen

  • Friedbert Holz
    vonFriedbert Holz
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Beim Breitbandausbau wurden Fehler gemacht. Ein Beispiel aus der Gemeinde Hohenlinden.

Hohenlinden – Glasfaserkabel gelten im Vergleich zu herkömmlichen Kabeln aus Kupferdraht als modernes Medium: Sie schaffen weitaus höhere Reichweiten und Übertragungsraten, vor allem aber liefern sie Datenübermittlung mit Lichtgeschwindigkeit.

Leider gilt das nur für ihre Technik. Der flächendeckende Ausbau mit Glasfaserkabel, vor allem in der Provinz, ist eher vergleichbar mit Schneckentempo. Ein mittlerweile jahrelanger Missstand, dargestellt am Beispiel Hohenlinden.

„Wir haben uns schon vor vielen Monaten angemeldet, um für unseren Betrieb eine schnellere Internet-Verbindung mit Glasfaserkabeln zu bekommen. Denn die bisherigen 16 mBit-Leistung reichen bei weitem nicht aus, um professionell arbeiten zu können. Wir drehen schon seit 2018 Warteschleifen mit der Deutschen Telekom, die uns jedes Mal wieder neue Montage-Termine verspricht - aber es geschieht gar nichts“. Diesem Ärger macht sich, stellvertretend für viele in der Gemeinde Hohenlinden, Ilona Wimmer vom gleichnamigen Gartenbau-Betrieb in Neupullach Luft. Sie hat zusammen mit anderen bereits mehrfach bei der Gemeindeverwaltung vorgesprochen, hat ihren Ärger dort sozusagen deponiert.

Betriebe waren seit Jahren

Auch Geschäftsleiterin Martina Baumann ist nicht glücklich über die Situation: „Die enormen Verzögerungen sind für uns als Gemeinde, ebenso wie für die betroffenen Bürgerinnen und Bürger, natürlich sehr ärgerlich. Wir sind bemüht, unsere Einwohner bestmöglich im Kontakt mit den Firmen und der Deutschen Telekom zu unterstützen und zu beraten“.

Trotz allem möchte die Gemeinde erwähnen, dass die ausführende Firma alle Arbeiten stets sorgfältig und gewissenhaft erledigt habe, obwohl es dabei „zusätzlich notwendige Tätigkeiten“ gegeben habe. Diese zusätzlichen Tätigkeiten resultieren offensichtlich daraus, dass die Deutsche Telekom, als sie mit der Gemeinde den Vertrag zum Breitbandausbau mit Glasfaserkabeln abschloss, in Bayern schon sehr weit vorgeprescht war und daher kaum mehr eigene Kapazitäten zur Verfügung hatte.

Manche wurden immer wieder vertröstet

Also delegierte sie dieses Bauvorhaben an die Kollegen in Hessen. Durch die letztlich ausführenden Firmen, teilweise aus Litauen, wurde jedoch festgestellt, dass vor Ort weitaus größere Tiefbau- und Oberleitungsmaßnahmen erforderlich sind und waren, wie zuvor vermutet.

Josef Ledermann, Inhaber des gleichnamigen Ingenieurbüros aus Freising, weiß dazu mehr: „Wir haben die Koordination des eigentlichen Ausbaus in Händen, haben die Bauprobleme im Ort selbst hautnah erlebt. So ist es beispielsweise geschehen, dass die jeweilige Baufirma, die lediglich einen Plan über die verlegten Leerrohre in der Gemeinde hatte, nichts über deren wirklichen Verlauf wusste. Erst in dem Moment, in dem sie Glasfaserkabel in diese Rohre einbringen wollte, hat sie beispielsweise bemerkt, dass ein solches Rohr an einem Baum plötzlich geendet hat. Das führte natürlich zu unliebsamen Verzögerungen“.

Auch würden, so Ledermann weiter, einige der angemeldeten 50 bis 100 Anschlussstellen sehr zerstreut liegen, benötigten also einen teilweise langen Kabelweg bis zum Endabnehmer. „Wir als Planungsbüro haben und hatten jedoch auf solche Gegebenheiten keinen Einfluss. Wir können nur das gesamte Projekt überschauen und müssen die Endkunden immer bitten, sich bei Problemen direkt an die Deutsche Telekom zu wenden“ - so wie Ilona Wimmer.

Telekom räumt Fehler ein

Was sagt die Deutsche Telekom dazu? Ihr Pressesprecher Markus Jodl aus München: „Die Kunden in Hohenlinden sind zu Recht enttäuscht, der Ausbau hier ist nicht gut gelaufen. Dafür können wir nur um Entschuldigung bitten. Aufgrund von sehr knappen Tiefbaukapazitäten 2018 kam es in ganz Bayern zu Bauverzögerungen. Nachdem die Tiefbauarbeiten abgeschlossen waren, konnten aufgrund eines Planungsfehlers unsererseits die Montagearbeiten nicht wie geplant abgeschlossen werden. Und nun hat Corona die Situation zusätzlich verschärft“.

Er hat aber auch eine hoffentlich tröstende Auskunft parat: „Wir werden diese Montagearbeiten sobald wie möglich zu Ende führen. Immer mit dem Vorbehalt, dass sich die generelle Lage nach dem 10. Januar entspannt, sollten alle Anschlüsse bis Ende März 2021 buchbar sein“, so Jodl. Dann wird auch Ilona Wimmer endlich so arbeiten können, wie sie es von einem modernen Kommunikations-Medium zu Recht erwarten darf.

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