Totales Bahn-Chaos am Montagmorgen: Pendler nehmen ihre Autos - die Straßen sind dicht

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Überführungsfahrt von Kirchseeon nach Heilbronn (v.l.): Georg Kahlenberger, Emil Heidrich und Otto Eck um 1955.

Auto-Ort Kirchseeon

Kirchseeon - Der Weltkonzern Fiat hat die Marktgemeinde Kirchseeon über Jahrzehnte seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges entscheidend geprägt. Eigenartiger Weise fehlen aber Urkunden und anderes schriftliche Material, um diese wichtige Epoche zu belegen.

Um sie nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, hat sich die Heimatforscherin Dagmar Kramer bemüht, die ortsgeschichtliche Lücke zu schließen.

„Mit dem Wissen, dass sich Nachforschungen sehr schwierig gestalten würden, wagte ich mich an die Arbeit“, schreibt sie im Vorwort des Bandes „Fiat - Auto-Ort Kirchseeon“. Zustatten kam Kramer, dass noch immer viele ehemalige Mitarbeiter kontaktiert werden konnten, die Notizen und Zeitungsartikel aufbewahrt hatten. Und es ging um zahlreiche Fotos, die Kramer sichten konnte.

Bemerkenswert: Vor allem die Flüchtlinge und Heimatvertriebenen, die in Kirchseeon eine zweite Heimat gefunden hatten, fanden bei Fiat Arbeit und nicht selten eine berufliche Karriere. Im Buch von Kramer sind die Namen erwähnt von vielen Bürgern, die in Erinnerung geblieben sind.

Die Geschichte beginnt mit der Chronologie der Niederlassung, sprich der Umwandlung des Heereslager der deutschen Wehrmacht an der so genannten Waldbahn, wo das Fiat-Reparatur- und Auslieferungslager eingerichtet wurde. Die Verwaltung befand sich in Heilbronn.

Da sich das Gelände an der Waldbahn bald als zu klein erwies, war ein Ortswechsel unumgänglich. Die 1953 beschlossene Auflösung des DB-Schwellenwerkes war der Schlüssel für die Fortentwicklung. Fiat kaufte von der Bundesbahn das Gelände mit 170 000 Quadratmeter. Von nun an konnten die aus Italien kommenden Fahrzeuge auf Doppelstockwaggons angeliefert und in alle Richtungen in die Bundesrepublik ausgeliefert werden.

Um sich ein Bild vom Ausmaß dieser Vorgänge zu verschaffen: Zeitweise, vor allem über das Wochenende, standen die zur Entladung ankommenden doppelstöckigen Züge im Stau, der von Rosenheim bis Baldham reichte.

Ein Meilenstein war nach dem Zusammenschluss der Fiat mit Unic, Lancia und Magirus Deutz. Und gleichzeitig war dies der Anfang vom Ende, die Verlegung des Zentrallager nach Kippenheim im Breisgau.

Abseits solcher betriebstechnischen Vorgänge ging die Autorin den Erzählungen der einst bei Fiat Kirchseeon Beschäftigten nach. Je nach Verkaufslage waren es zwischen 190 und 210 Arbeiter und Angestellte. Es scheint nach der Recherche Kramers auch nicht zu hoch gegriffen, dass sich bei den „Fiatianern“ ein Gefühl der Zusammengehörigkeit entwickelte, das nicht nur zum Ausdruck kam bei den Weihnachtsfeiern beim Mairsamer in Pöring, in der ATSV-Turnhalle oder in der Werkskantine. Noch einmal kam es 1982 dazu. Es war n ein Abschiednehmen, ehe Lorenz Wagner für immer das Werkstor abschloss.

Von Werner Hubert

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