+
Eis-Bahn Ebersberg. Die Eisschicht zieht sich nahezu über den gesamten Bahnsteig. 

Fahrgäste eilen zur Hilfe

Bahnsteig verschneit und vereist: Rollstuhlfahrerin stürzt auf Bahnsteig - So reagiert die Bahn

  • schließen

Die S-Bahnhöfe im Landkreis sind teils voller Schnee. Die Bahn kommt mit dem Räumen nicht hinterher. Eine Rollstuhlfahrerin ist nun gestürzt und dabei nur knapp dem Schlimmsten entkommen.

Als Camilla K. (29) am Montagmorgen die lange Rampe am S- Bahnhof in Zorneding mit ihrem Rollstuhl nach oben zum Bahnsteig schiebt, rechnet sie noch nicht damit, was ihr in wenigen Sekunden passieren wird. Die Rampe ist geräumt und gestreut – verantwortlich ist die Gemeinde. Doch der Bahnsteig ist voller Schnee und Eis. Für die 29-Jährige ist es ein Kampf. 

Eine S-Bahn in Richtung Ebersberg fährt ein. Sie schiebt zum Eingang, will in den Zug, rutscht mit ihren Reifen im Schnee ab. Der Rollstuhl kippt um. Camilla K. stürzt auf die Seite und mit dem Kopf fast in den Spalt zwischen Zug und Bahnsteigkante.

Fahrgäste eilen Camilla zur Hilfe

Sie fängt sich mit den Händen ab, kann so Schlimmeres verhindern und schürft sich dabei auf, wie sie dem Münchner Merkur erzählt. Sie schnauft, sagt, dass es knapp gewesen sei. Gott sei Dank seien schnell Bahnreisende gekommen, die geholfen hätten.

Dass die Bahn den Bahnsteig nicht geräumt habe und dieser höchst gefährlich sei, ärgert die 29-Jährige. Hier müsse etwas passieren, sagt sie. „Ich hasse den Winter“, meint sie traurig.

Camilla K. stürzte auf dem verschneiten und vereisten Bahnsteig mit ihrem Rollstuhl in Zorneding und fiel fast in das Gleisbett, wie sie selbst sagt. 

Lebensgefahr für Menschen mir Behinderung

Zornedings Behindertenbeauftragter Gregor Schlicksbier kennt den Vorfall und warnt: „Die Bahn muss ihrer gesetzlichen Pflicht nachkommen und die Bahnsteige räumen.“ Dass zum Teil nicht oder nur schmale Wege am Bahnsteigrand geräumt seien, sei höchst gefährlich für Rollstuhlfahrer, gehbehinderte und ältere Menschen. 

Zum Teil sei nur der Sicherheitsstreifen von Schnee und Eis befreit worden, erzählt Schlicksbier. Dort mit dem Rollstuhl zu fahren, sei lebensgefährlich, weil man Gefahr laufe, in das Gleisbett zu stürzen. Die Bahn scheine das nicht zu interessieren, so Schlicksbier.

Er ist ein Held der Straße: Franz Weiherer (25) steht auf, wenn andere ins Bett gehen. Straßenwärter im Schnee-Einsatz

Neben Zorneding sind noch andere Bahnhöfe im Landkreis Ebersberg betroffen. In Grafing-Bahnhof wurde der Bahnsteig lange nicht geräumt. Der Sicherheitsstreifen verwandelte sich in eine Eisschicht, die dazu führte, dass Bahnreisende ausrutschten. 

Der Bahnsteig in Ebersberg ist bis Dienstag auf nahezu der gesamten Länge (siehe Bild) vereist. Kein Streugut, kein Salz. Für viele Kunden ist der Weg über den Eissteig ein riskantes Unterfangen. Es sei bereits zu Stürzen gekommen, erzählt am Dienstagvormittag eine Frau. Eine andere Frau mit Krücken muss geführt werden, weil sie es nicht über den Bahnsteig schafft.

Das sagt die Bahn 

Christian Stöhr, Leiter des Bauamtes in Ebersberg, sagt: „Vielleicht muss die Stadt der Bahn schreiben und appellieren, ihre Pflicht zu erledigen.“ Die Stadt sei für das Räumen nicht zuständig. Dass Kommunen die Bahnsteige dennoch räumen und es der Bahn in Rechnung stellen, wie Schlicksbier vorschlägt, davon hält Stöhr nichts: Dürften Kommunen nicht, da es nicht deren Grund sei. Zudem würde es Haftungsprobleme geben, so Stöhr. 

Ein Bahnsprecher sagt: „Der Sturz der Frau tut uns sehr leid. Ja, wir haben die Verkehrssicherungspflicht.“ Aktuell habe die Bahn jedoch mit der „extremen Wetterlage“ zu kämpfen. Es könne vorkommen, dass nicht alle Bahnsteige sofort erreicht werden. Bis zu 700 Mitarbeiter würden sich um die S-Bahngäste kümmern. „Wir kämpfen mit den Widrigkeiten des Winters.“ Wenn Bahnmitarbeiter und externes Personal nachts um ein Uhr die Bahnsteige räumen, könne es sein, dass am Morgen alles wieder vereist sei.

Lesen Sie auch bei merkur.de*

Von Baum erschlagen: Drama um den kleinen Simon in Aying

Der neunjährige Simon wurde vergangene Woche von einem Baum erschlagen. Familienmitglieder fanden ihn. Nun wurde der Bub beerdigt.

Vermisst! Ana (16) aus Oberammergau seit Wochen verschwunden - Polizei rätselt

Seit Wochen fehlt von der 16-jährigen Ana jede Spur. Die Polizei steht nach wie vor vor einem Rätsel.

Zwei Jobs und trotzdem obdachlos - Warum Astrid Lenz (55) leider kein Einzelfall ist

Astrid Lenz ist seit knapp fünf Monaten obdachlos. Dabei hat sie zwei Jobs. Wie kann sowas in Deutschland passieren.

merkur.de ist Teil des deutschlandweiten Ippen-Digital-Zentralredaktion

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Markt Schwaben wird „Klimaschutzzone“
Markt Schwaben wird zur „Klimaschutzzone“ erklärt. Das hat der Gemeinderat beschlossen - mit knapper Mehrheit.
Markt Schwaben wird „Klimaschutzzone“
Weniger Verpackung, mehr Fahrrad fahren
Zum zweiten Mal war Poings Bürgermeister Albert Hingerl zum Klima-Dialog in einer Schule. Dieses Mal sprach er mit Zehntklässlern der Anni-Pickert-Mittelschule.
Weniger Verpackung, mehr Fahrrad fahren
Auch wenn Kosten steigen:  Kreispolitiker und Schulleitung sehr zufrieden über Anbau-Plan am Gymnasium Vaterstetten
Bildung ist teuer. Der Landkreis investiert in diesem Bereich erheblich. Eines der Projekte ist das Gymnasium Vaterstetten. Dort sollen die Übergangs-Container nun …
Auch wenn Kosten steigen:  Kreispolitiker und Schulleitung sehr zufrieden über Anbau-Plan am Gymnasium Vaterstetten
Aßling: Wasser günstiger, Abwasser teurer
Gute und schlechte Nachricht für die Aßlinger: Zum Jahreswechsel werden die Gebühren für Wasser nochmals günstiger, das Abwasser aber teurer. 
Aßling: Wasser günstiger, Abwasser teurer

Kommentare