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Alexander Müller (59) aus der Gemeinde Baiern muss nicht auf Biegen und Brechen in den Bayerischen Landtag so wie Thomas Huber von der CSU und Doris Rauscher von der SPD, wie er sagt. 

Alexander Müller (FDP) will in den Landtag

Der liberale Bairer

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Am Sonntag, 14. Oktober wird in Bayern ein neuer Landtag gewählt. Im Stimmkreis Ebersberg bewerben sich zehn Kandidaten für das Direktmandat. In einer losen Folge stellen wir einige Kandidaten vor. Heute: Alexander Müller, FDP.

Baiern – Alexander Müller ist einer, der sich selbst beschreiben kann, wenn ihn jemand fragt. Ein weltoffener Bayer aus Baiern sei er. „Da ist alles drin“, sagt er, lacht, grübelt, nickt. Müller, groß, schlank, schwarzgraue Igelhaare, 59. Er sagt, er ist kein FDP-Politiker aus dem harten Wirtschaftslager. Und kein neuer Konservativer. Sein Motto: Liberalitas Bavariae. Für die Liberalen im Landkreis Ebersberg will er in den Landtag.

Müller steht in Grafing-Bahnhof am Bahnsteig vor einem grauroten DB-Ticketautomaten, der Bildschirm ist so dunkel, dass er nur wenig sieht. Er ist schier am Verzweifeln, weiß gar nicht, wo er mit dem Schimpfen anfangen und wo aufhören soll. „Sehen Sie“, sagt er und muss dann doch Schmunzeln, „da kennt sich niemand aus. Wie viele Streifen, Zonen oder Ringe braucht man denn?“

So oft fahre er nicht S-Bahn. Wenn er nach München will, dann mit dem Meridian. Zur Oper, mit seiner Frau. Früher sei er da immer eingeschlafen, als er noch gearbeitet hat, vor 2011. Dann hörte er auf, pflegte seinen Eltern, bei denen er mit seiner Familie in Baiern lebte, bis sie starben.

Aber nicht nur den Ticketverkauf will Müller vereinfachen. Der gesamte Nahverkehr müsse sich verändern. Der sei auf dem Stand der Olympiade 1972 stehen geblieben. Im Landkreis mehr Züge, bessere Taktung, mehr Lärmschutz, ein Ausweichgleis auf der Strecke zwischen Ebersberg und Grafing-Bahnhof und ein vierspuriger Ausbau der Bahnlinie bis Markt Schwaben.

Der FDP-Kreischef hat viel Munition. Es sind nicht nur Floskeln, die er in der S-Bahn auf den Weg nach Kirchseeon an diesem heißen Sommernachmittag loslässt. Beim dringend notwendigen Wohnungsbau im Landkreis will Müller Häuser in S-Bahngemeinden weiter nach oben bauen, fünfstöckig. Nicht alle finden das gut. Kritikern fehle ein nachhaltiges, klimafreundliches Konzept von Müller. Den Klimawandel dürfe man nicht unterschätzen, gibt Müller zu, Dieselfahrverbote will er nicht, auch nicht in München. Nachrüsten; so sein Credo. Das betreffe auch seinen eigenen Wagen, einen Euro 5 Diesel.

Müller ist eloquent, einer, der sich auskennt mit Menschen, weiß, was er sagen muss. Müller, Jurist, einst Personalchef bei Siemens, in den 90er Jahren Logistikchef für ganz Frankreich, lebte mit seiner Frau in Paris, wo seine beiden Kinder, heute 24 und 26 Jahre, geboren wurden. „Tolle Stadt, immer ein Gefühl von Urlaub.“ Französisch und Englisch spricht er fließend, Italienisch kommt gerade dazu. „Man muss fit bleiben“, sagt er, deshalb lerne er eine neue Sprache. Und, weil er italienische Freunde habe. Europa sei ihm eine Herzenssache. Die Union, die Friedenszeit dürfe nicht leichtfertig durch aufkommenden Nationalismus gefährdet werden. Mit Söder steht er auf Kriegsfuß, der größte „verantwortungslose Zündler“ der vergangenen Jahre sei der. Sollte es zu einer Koalition von FDP und CSU im bayerischen Parlament kommen, wolle Müller „keinesfalls für Söder“, als Ministerpräsidenten stimmen. Ob Söder bis zur Wahl durchhält, wolle Müller überhaupt erst noch sehen. Dass Parteichef Linder genauso steile Thesen habe, wie Söder, stimme in Teilen, sagt Müller, aber die Sprache „ist anders“. Was auch immer das heißen mag.

Müller ist kein Mitläufer, keiner, der in der Schule der Schüler Union dem „Strauß-Jubel-Klub“, wie er sagt, betreten wollte, die „beim Klatschen das Hirn ausschalten haben“. Die Jusos: viel zu ideologisch und viel zu weit links. Also trat er 1978 in die FDP ein, viel später als in den Trachtenverein. Er war Vorsitzender der Jungliberalen in Bayern, kandidierte zweimal gegen Guido Westerwelle um den Bundesvorsitz, machte Pause für die Familie, und sitzt seit 2014 im Gemeinderat in Baiern, seit 2013 im Kreistag. Und jetzt, nach der S-Bahnfahrt, sitzt er in einem Café in Kirchseeon, wo er seinen Eiscafé ausgerechnet mit gelbem Strohhalm serviert bekommt. Seine Chanchen in den Landtag zu kommen? „Fiftyfifty“, sagt er, lacht, und zieht seinen Kaffee weg.

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