Fit bleiben, lautet die Devise: Alt-Kreisbrandrat Gerhard Bullinger (69) auf dem Hometrainer daheim in Antholing. Neben der Familie und dem Sport sind weiterhin Feuerwehr und Brandschutz wichtige Themen für ihn.
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Fit bleiben, lautet die Devise: Alt-Kreisbrandrat Gerhard Bullinger (69) auf dem Hometrainer daheim in Antholing. Neben der Familie und dem Sport sind weiterhin Feuerwehr und Brandschutz wichtige Themen für ihn.

Hausbesuch

Der Mann, der fürs Feuer brennt: Alt-Kreisbrandrat Gerhard Bullinger bleibt Feuerwehr-Fan durch und durch

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
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Ein Vierteljahrhundert war Gerhard Bullinger oberster Feuerwehrmann im Landkreis Ebersberg. Das prägt. Wir haben bei ihm daheim in Antholing vorbeigeschaut.

Antholing – Der „Herr der Freien Flure“ sitzt auf seiner Terrasse und genießt die Sonne. In Sichtweite, am Sportplatz von Antholing (Gemeinde Baiern) haben sich Münchner Kennzeichen zusammengerottet, wie so oft dieser Tage, wenn das Wetter passt. Gerhard Bullinger braucht sich für das Alpenpanorama, für das die Hauptstädter angereist sind, nur auf seinem Stuhl umzudrehen.

Den eingangs genannten Spitznamen haben sie ihm im Ebersberger Landratsamt verpasst, erzählt er schmunzelnd. Weil es der ehemalige Kreisbrandrat, oberster Feuerwehrmann des Landkreises also, als Teilzeit-Arbeitsschutzbeauftragter dort mit dem Brandschutz an drei Tagen die Woche nach wie vor sehr genau nimmt.

Vor dem 69-Jährigen auf dem Tisch liegen neben der Ebersberger Zeitung die Zeitschriften „Brandwacht“ und „Feuerwehr-Magazin“. Pflichtlektüre. Bis zum 15. April 2014 war die Feuerwehr Bullingers Leben. Sie ist es irgendwie immer noch. Das Datum weiß er noch genau, weil er da altersbedingt aus dem aktiven Dienst ausscheiden musste. „Komisch, wenn die Sirene geht und du kannst im Bett bleiben“, sagt er. „Weil es dich nix mehr angeht.“ Der Ton fährt ihm immer noch in die Glieder, nur steht die Einsatzkleidung nicht mehr griffbereit neben dem Bett.

25 Jahre Kreisbrandrat: Nach der aktiven Zeit hat er einige Kilo abgenommen

„Langweilig ist mir aber nicht“, sagt Bullinger im nächsten Atemzug. „Ich tue für mich was.“ Daheim steigt er aufs Trampolin und den Hometrainer, um fit zu bleiben. Draußen radelt er mit dem Mountainbike („Kein E-Bike!“) seine Runde hinunter nach Bruckmühl, die Mangfall entlang, den Irschenberg rauf und wieder heim. Einige Kilos hat er runter, seit er nicht mehr Kreisbrandrat ist. Das liegt an einer Gallen-OP und umgestellter Ernährung, aber auch daran, dass er den vielen, deftigen Brotzeiten entgeht, die es nach Feuerwehr-Veranstaltungen spätabends in den Stüberln gibt, bekennt er lächelnd.

Vier Streifen auf dem Helm: Bullinger als Kreisbrandrat im Einsatz.

Das ist aber auch, was dem 100-Prozent-Feuerwehrmann Gerhard Bullinger in der momentanten Situation am meisten fehlt. „Feuerwehr ist immer auch Kameradschaft“, sagt er. „Du bist nie allein.“ Ihm fehlen der Kreisfeuerwehrtag und die Kommandantenversammlungen, bei denen er als Ehrenvorsitzender des Bezirksfeuerwehrverbands dabei ist. Und ihm fehlen die drei, vier Urlaubswochen im Jahr im bayerischen Feuerwehrerholungsheim Bayerisch Gmain. Wo sonst? – „Das ist wie ein Familientreffen“, sagt er. Ganz gleich, ob er dienstlich, beruflich oder privat unterwegs war, ob in London oder Niederbayern – „Ich habe immer zuerst geschaut, wo das Feuerwehrhaus ist“, sagt Bullinger und schmunzelt wieder.

Im Autokennzeichen die 112, der Sohn heißt Florian - alles kein Zufall

Kein Zufall, dass sein Autokennzeichen auf die Nummer 112 endet. Ebensowenig, dass der Sohn Florian heißt. Du kriegst vielleicht den Bullinger raus aus der Feuerwehr, aber nicht die Feuerwehr raus aus dem Bullinger – zu tief sitzen ungezählte Einsatzstunden, seit der gebürtige Karlsruher und aufgewachsene Münchner über einen Spezl zur Glonner Feuerwehr kam. In einem Vierteljahrhundert als Kreisbrandrat brachte Bullinger es auf 80 bis 110 Einsätze im Jahr, radelte mit drei verschiedenen Dienstwagen über eine Million Kilometer herunter.

Bei seinem gefährlichsten Einsatz wurde niemand verletzt

Gefährliche Einsätze waren viele darunter, im Nachhinein der haarigste ein Gasunglück in Kirchseeon-Dorf Anfang der 1990er. Bis heute erinnert sich Bullinger daran, wie Tausende Liter Propangas nach einem Leck durch den Ort waberten. Der eine Funke, der alles in die Luft gejagt hätte, blieb zum Glück aus. Überhaupt blieb er von Verletzungen verschont. Nur einmal sei er bei einem Einsatz an der Gehsteigkante umgeknickt und habe sich das Außenband gerissen, erzählt er. Und fügt schmunzelnd an, er sei damit zum Glück der am schwersten Verletzte bei dem ganzen Unfall gewesen.

Jetzt hat er mehr Zeit für seine Frau Gabi, mit der er seit 23 Jahren verheiratet ist. Für seine fünf Kinder und vier Enkel. Keine Pizza-Abende mehr, die die Sirene sprengt, keine Wochenendausflüge mehr, die der Feuerwehrpiepser ruiniert. „Meine Familie hat viel aushalten müssen“, gibt Gerhard Bullinger zu. „Ohne ihren Rückhalt wäre das alles nicht gegangen.“

Sogar fliegen kann er: Kreis-Feuerwehrseelsorger Matthias Holzbauer aus Glonn spricht beim Hausbesuch über die großen Fragen im Leben.

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