+
„Die Kirche braucht die Uhr und wir haben alle etwas davon, zudem ist die Antholinger Kirche ein Aushängeschild für die Gemeinde“, meinte 3. Bürgermeister Maier. 

Heftige Debatte im Gemeinderat

Kirchturmuhr kaputt – Kirche will nicht zahlen

Die Bairer Kirchturmuhr hatte den Geist aufgegeben. Sie musste repariert werden. Die Kosten will die Kirche nicht tragen. Im Gemeinderat wurde deswegen heftig diskutiert.

Baiern –Wer hat an der Uhr gedreht, ist es wirklich schon so spät? Die Baierer brauchen sich Paulchen Panthers Fragen aus der gleichnamigen Zeichentrickfilmserie nicht mehr stellen. Denn: wer kürzlich gekonnt an der Turmuhr der Antholinger Kirche drehte und diese geschickt reparierte, ist bekannt. Ein Spezialist reiste 187 Kilometer weit von Enghartszell in Österreich, nahe der Passauer Grenze, bis Antholing.

Gemeinderäte schachern

In jüngster Sitzung schacherte der Bairer Gemeinderat um einen gemeindlichen Zuschuss zur Reparatur der Kirchturmuhr, um den Kirchenpfleger Johann Maier gebeten hatte.

Uhrmachermeister kommt aus Österreich

Kirchenpfleger Maier holte sich für den Spezialauftrag den österreichischen Uhrmachermeister, Günther Köster (45), Experte für Turmuhren und Glockensteuerungsanlagen, auf den Antholinger Kirchturm.

Köster kümmerte sich in seinem viertägigen Einsatz nicht nur darum, dass die Turmuhr wieder funktioniert. Mittels ausgeklügelter Softwaresteuerung sorgt die Uhr künftig jetzt selbst dafür, dass sie die Zeit richtig anzeigt. Köster ist auf den Einbau von modernen Steuerungssystemen in alte Turmuhren spezialisiert, dafür erhielt er 2017 eine hohe Auszeichnung der Österreichischen Handelskammer, nachdem er gekonnt ein Turmuhrwerk aus dem Jahr 1899 mit Schlagwerken restaurierte.

Steuerungssystem aus Belgien

„Es braucht viel Erfahrung und Ahnung vom Uhrmacherhandwerk, um so ein modernes Steuerungssystem in eine alte Turmuhr einzubauen, das kann nicht jeder“, sagte Köster. „Das Steuerungssystem selbst kommt aus Belgien, das Ganze basiert auf der Länge des Pendels und eines Magneten unter dem Pendel im Zusammenspiel mit einer Software“, erklärte er weiter. „Die Uhr reguliert selbst, falls sie vor- oder nachgeht, und sie passt sich auch eigenständig der Sommerzeit an.“ Frisch repariert dient die Turmuhr nicht nur Kirchgängern, sondern allen Gemeindebürgern.

An den Kosten scheiden sich die Geister

Daher bat Kirchenpfleger Mairer die Gemeinde um Beteiligung an der Reparaturrechnung (rund 7300 Euro), das Ordinariat war nicht bereit mitzuzahlen. Erstaunlicherweise schieden sich, entgegen der ansonsten nahezu heiligen Harmonie unter den Bairer Räten (alle Einheitspartei) an der Turmuhr die Geister. Die Diskussion glich dem Bieten und Feilschen zwischen Händlern auf einem Viehmarkt. Gebote schossen hin und her, über den Tisch hinweg, im winzigen Ratszimmer: „Wie wärs mit der Hälfte?“ – „Lieber nur ein Viertel“ – „Ich bin für 2500“ – „Da bin ich energisch dagegen, ich stimme für Null“ – „Bin auch für gar nichts, die Kirche verbucht eh Rekordeinnahmen.“

Lesen Sie auch: Überall Rost: Bairer Kläranlage muss dringend saniert werden

3. Bürgermeister Hans Maier stoppte lautstark die Feilscherei und hielt den Ratskollegen vor Augen: „Die Kirche braucht die Uhr und wir haben alle etwas davon, zudem ist die Antholinger Kirche ein Aushängeschild für die gesamte Gemeinde.“

Auch interessant: Großalarm am Erdgasspeicher in Wolfersberg - Zwölf Feuerwehren rücken an

Bürgermeister Martin Riedl unterstütze Huber und sprach sich dafür aus, die Hälfte des Betrages zu übernehmen. Darauf einigte sich das Gremium letztendlich, allerdings mit vier Gegenstimmen.

Susann Niedermaier

Lesen Sie auch: Ausgesetzter Hund: Geschirr fast eingewachsen

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

In fünf Jahren startet Poings Gymnasium - vorher schon Vorläuferklassen
Das Poinger Gymnasium soll in fünf Jahren in Betrieb gehen. Schon zwei Jahre zuvor sollen Vorläuferklassen starten. Das gab Landrat Robert Niedergesäß jetzt bekannt.
In fünf Jahren startet Poings Gymnasium - vorher schon Vorläuferklassen
Räuber im Linienbus: Er wollte ein Handy
Im Bus der Linie 461 ist es am Donnerstagabend am S-Bahnhof Poing zu einer körperlichen Auseinandersetzung gekommen. Ein Mann hatte versucht, ein Handy zu rauben.
Räuber im Linienbus: Er wollte ein Handy
Dieb mit viel Kraft und großem Durst
Mit bloßen Händen hat ein Einbrecher die Gittertür zu einem Kellerabteil in einem Mehrfamilienhaus in Poing aufgebogen. Ziel des Unbekannten war der Kühlschrank.
Dieb mit viel Kraft und großem Durst
Kreis-CSU macht Cannabis-Werbung - unfreiwillig 
Die CSU gilt nicht gerade als Verfechter eine Cannabis-Legalisierung. Jetzt machte der Kreisverband unfreiwillig Werbung für die Droge. Der „Gärtner von Grafing“ hat …
Kreis-CSU macht Cannabis-Werbung - unfreiwillig 

Kommentare