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Starke Korrisionsschäden – überall. An der Bairer Kläranlage muss schnell gehandelt werden.

Hiobsbotschaft im Gemeinderat

Überall Rost: Bairer Kläranlage muss dringend saniert werden

Ein unvorstellbares Szenario: die Betonwand der Bairer Kläranlage bricht komplett in sich zusammen, der große Rechen fällt aus. Dass dazu nicht mehr viel fehlt, wurde den Bairer Gemeinderäten  drastisch vor Augen geführt.

Baiern – Mit ernsten Gesichtern nahmen Bürgermeister Martin Riedl und seine Ratskollegen die Hiobsbotschaften von Anton Mader, technischer Geschäftsführer der Dippold-Gerold Ingenieure GmbH aus Prien, entgegen. Mader riet während seines langen Vortrags dringend zur umfangreichen und zügigen Sanierung der Kläranlage. Begründung: Das Ausgleichsbecken der Anlage hat starke Korrosionsschäden, Schwefelwasserstoff zersetzte den Beton, dessen Oberfläche ist verbraucht und platzt bereits ab, zudem ist der künftige Schutz vor Korrosion nicht mehr gegeben.

„Wie weit der Schwefelwasserstoff bereits in den Beton eingedrungen ist, lässt sich erst klären, wenn während der Sanierung die maroden Betonschichten abgetragen sind – wenn Ihr nichts macht, stürzt die Anlage irgendwann ein“, warnte der Bauingenieur.

Becken und Rundfang müssen ertüchtigt werden

Mader weiß, wovon er spricht, er ist Kläranlagenspezialist. Wie er der Ebersberger Zeitung bestätigte, beschäftigt er sich seit 30 Jahren mit Kläranlagen, baute oder sanierte bereits 17 Anlagen für Städte und Gemeinden in verschiedenen Landkreisen. Den Bairern verordnete Mader zur Betonsanierung noch die Ertüchtigung von Pufferbecken und Rundfang. Auch die Erneuerung des Rechens – er stammt aus dem Jahr 1996 – schlug Mader vor.

Bürgermeister stöhnt: Da kommt was auf uns zu

„Da kommt was auf uns zu“, stöhnte Bürgermeister Riedl mit vernehmbarem Seufzer. Allein die Sanierung der Anlage kostet eine Stange Geld – laut Maders Bericht verschlingt das Vorhaben rund 425 000 Euro. Trotz des stattlichen Betrages war sich das Gremium geschlossen einig: Wir gehen das an. Der Bairer Gemeinderat stimmte einhellig für die aufwendige Generalsanierung.

Rechen kostet 90.000 Euro

Ein Gartenrechen ist im Baumarkt für etwa 20 Euro zu haben, große Rechen für Kläranlagen bauen Spezialfirmen. Kostenfaktor: 90 000 Euro. So ein teurer Rechen, der im Klärbecken gleich nach dem Zulauf die Grobreinigung vornimmt, hält nicht nur Gras und Gartenabfälle zurück, sondern auch Mengen an Toilettenpapier, Damenbinden, Bananenschalten oder sonstige Abartigkeiten, die keinesfalls in die häusliche Toilette gehören. Dem Rechen fällt also eine wichtige Aufgabe zu, werkeln darf so ein Vorsortierer zwölf bis 15 Jahre, betonte Mader weiter.

Der Experte in Sachen Abwasserklärung fotografierte in den Tiefen der Bairer Anlage ein Schild, das 1996 als Installationsjahr nennt. Der Bairer Rechen entnimmt der schmutzigen Brühe den groben Dreck seit 23 Jahren. Maders Kommentar: „Laufzeit eindeutig überschritten.“ Hinterher setzte er eine zweite eindeutige Warnung: „Fällt Euer Rechen aus, müsst Ihr ohne Rechen klären – mit der Folge, dass Ihr den Klärschlamm nicht mehr an die Landwirtschaft abgeben könnt, weil nicht mehr verwendbar.“

Eile ist geboten

Bestellzeit für einen neuen Rechen laut Mader: mindestens ein halbes Jahr – darum ist Eile geboten. Die Bairer entschieden sich ohne lange zu zögern, im Zuge der Sanierung einen neuen Rechen anzuschaffen. Gesamtkosten von Kläranlagensanierung und Rechner: über eine halbe Million Euro.

Die Generalsanierung umfasst auch die Anschaffung eines neuen Rundsandfangs (rund 84 000 Euro, brutto), der alte ist durch schwere Metallkorrosion nicht mehr funktionsfähig. Der Rundsandfang einer Kläranlage ist ein Absetzbecken innerhalb der mechanischen Stufe mit der Aufgabe, absetzbare, mineralische Verunreinigungen aus dem Abwasser zu entfernen, beispielsweise Sand, Steine oder Glassplitter. Diese Stoffe würden zu betrieblichen Störungen und sogar Schäden in der Anlage führen (Verschleiß, Verstopfungen, Ablagerungen). 

Auftrag wird freihändig vergeben

Trotz der hohen Anschaffungssumme wird Baiern den neuen Rundsandfang ausnahmsweise nicht wie vom Gesetzgeber gefordert offiziell ausschreiben, sondern freihändig – also ohne förmliches Verfahren vergeben.

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 Freihändige Vergaben sind normal nur möglich, wenn der Auftragswert 10 000 Euro netto nicht übersteigt. Weil im Falle der Bairer die Anschaffung aber dringend ist, damit der Betrieb der Kläranlage nicht gefährdet und die Reinigungsleistung dauerhaft sichergestellt werden kann, will die Kommune ohne Verfahren freihändig vergeben. Tiefbauarbeiten und die Betonsanierung wird Ingenieur Mader im Auftrag der Gemeinde in verschiedenen Losen ausschreiben, der Baubeginn ist für März/April 2020 geplant.

Susann Niedermaier

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