Auf die Knie muss, wer an der malerisch gelegenen Marienkapelle Frauenbründl an das begehrte Heilwasser will.
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Auf die Knie muss, wer an der malerisch gelegenen Marienkapelle Frauenbründl an das begehrte Heilwasser will.

„Das gab es noch nie“

Frauenbründl: Das Heilwasser der berühmten Quelle sprudelt nicht mehr - Einheimische haben einen Verdacht

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
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An der Wallfahrtskirche Frauenbründl ist die einst sprudelnde, berühmte Heilquelle nur noch ein mageres Rinnsal. Was angesichts des Coronavirus wie eine Strafe Gottes wirkt, dürfte menschengemacht sein.

  • Die Quelle an der Marienkapelle von Frauenbründl ist in der ganzen Region berühmt.
  • Dem Wasser werden heilende Kräfte nachgesagt.
  • Nun droht die Quelle zu versiegen - das gab es noch nie.

Baiern – Das Einzige, was die Muttergottes den Durstigen abverlangt, die zu ihr kommen, ist Demut. Wer von der berühmten Quelle Frauenbründl in der Gemeinde Baiern trinken will, muss draußen vor der Marienkapelle auf die Knie gehen. Mit Kelle, Flasche oder bloßen Händen schöpfen die Besucher das kalte, klare Wasser, dem Heilkräfte nachgesagt werden, aus dem knietiefen Steinbecken, das in den Boden eingelassen ist.

Menschen aus der ganzen Region stehen Schlange für das Wasser

Schöpften. Aus dem Rohr, aus dem der Grundwasserbrunnen direkt unter der Kapelle noch vergangenen Sommer munter hervorsprudelte, plätschert nur noch ein mageres Rinnsal. Und mit der Quelle versiegt der Besucherzustrom, beobachten die Einheimischen. An guten Tagen war der Parkplatz am Beginn des waldumsäumten Kreuzwegs zur Kapelle voll – die Kennzeichen längst nicht nur aus den Kreisen Ebersberg und Rosenheim. An der Kapelle standen die Menschen Schlange, um auf die Knie gehen zu dürfen; manche schwörten so auf das Frauenbründler Wasser, dass sie gar nichts anderes tranken.

Bunt bemalte Steine, manche mit Marien-Fürbitten, haben Besucher in der Corona-Zeit an der Kapelle und dem im Boden eingelassenen Becken aufgereiht.

Ein mageres Rinnsal und kaum mehr Besucher

Dieser Tage ist die Kapelle auf ihrer blumenbewachsenen Lichtung oft verwaist. Im Innenraum mit den vielen Marienbildern, die Gläubige zum Dank für die Muttergottes hinterlassen haben, ist es still. Nur die Demütigsten, treuesten Wasser-Fans bringen die Geduld und Mühe auf, ihre mitgebrachten Gefäße noch zu füllen und sich dann mit dem Wasser flugs das Gesicht zu waschen – für ein gutes Augenlicht. Zum Bedauern auch der Einheimischen, die gerade erst mit dem Glonner Pfarrer Siegfried Schöpf an dem Kirchlein zu Ehren der Heiligen Maria das Frauenbründlfest gefeiert haben. Auch sie schwören auf das Wasser, und wenn sie nur nach der Arbeit auf einen labenden Schluck vorbeischauen.

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Die Pest macht die Quelle zum Wallfahrtsort - in der Coronavirus-Pandemie droht sie zu versiegen

Im Pestjahr 1635 wurde das Frauenbründl wegen der heilenden Wirkung, die ihm nachgesagt wurde, zum Wallfahrtsort. Zum Dank an die Gottesmutter, Patronin der Kranken, entstand die Kapelle darüber. Nun, im Pandemiejahr 2020, droht die Quelle zu versiegen. Den Schöpfer, der mit einer Kette an der Mauer über dem Wasserbecken befestigt war, haben die Bairer schon abgebaut – wegen der Ansteckungsgefahr.

Das schleichende Versiegen der Quelle wirkt da wie eine Strafe Gottes, ist aber vermutlich menschengemacht. Die Einheimischen, die man fragt, verdächtigen unisono die trockenen Sommer der vergangenen Jahre. Und die wiederum sind Teil des Großen Ganzen: Wegen des Klimawandels steigt die Durchschnittstemperatur, Niederschläge bleiben immer öfter aus, dafür häufen sich die Wetterextreme.

Aus dem Rohr, das das Wasser von der Quelle direkt unter der Kapelle in den Brunnen leitet, plätschert nur noch ein mageres Rinnsal.

Trockene Sommer lassen den Grundwasserpegel absacken

Martin Riedl, der Bürgermeister der Gemeinde Baiern, sagt über das lustlose Dahinplätschern der Quelle: „Das hat es noch nie gegeben.“ Auch ältere Bürger, mit denen er gesprochen habe, könnten sich nicht erinnern, dass jemals so wenig Wasser in die 1954 gebaute Einfassung geströmt sei. Riedl ließ die Quellenfassung unter dem runden Steindeckel mitten auf dem Kapellenboden öffnen. Seine Wasserspezialisten schauten nach. Das Ergebnis: „Da kommt nichts.“ Größere Eingriffe habe es in der Umgebung keine gegeben. Seit dem Ende des vergangenen Sommers werde das Wasser einfach immer weniger. Wahrscheinlich, weil der Grundwasserspiegel langsam, aber stetig absackt.

Ob und wann sich an der Kapelle bemerkbar macht, dass es heuer wieder mehr regne – da gehen die Meinungen auseinander. Zwischen einem halben und anderthalb Jahren, schätzen die meisten, wird es dauern, bis wieder mehr Wasser läuft. Oder die berühmte Heilquelle von Frauenbründl versiegt ganz. Der Bürgermeister sagt: „Die Gefahr besteht.“

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