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Beim Böhmischen Traum wurden ihm die Augen feucht: Der ehemalige Bairer Bürgermeister Josef Zistl freute sich riesig über die Ernennung zu m Ehrenbürger der Gemeinde. 

Bairer Bürgermeister ganz gerührt

Abschied aus dem Amt: Besonderer Moment treibt Josef Zistl die Tränen in die Augen

Josef Zistl hat sein Amt als Bürgermeister von Baiern im Landkreis Ebersberg abgegeben. Bei der Verabschiedung trieb ihm ein ganz besonderer Moment die Tränen in die Augen.

Baiern – Als die Blasmusik erklingt im großen Saal des Netterndorfer Wirts, ist es endgültig aus mit der Fassung des neuen Bairer Ehrenbürgers, Josef Zistl. „Jetzt spielen’s auch noch den Böhmischen Traum“, ruft er sichtlich gerührt.

Es war kein Zufall, dass die Musikanten genau dieses Stück als würdigen Abschluss der Ehrung im Rahmen der Bürgerversammlung wählten. Die Bairer Musi wusste ganz genau, dass sie mit dieser Polka das Herz des Altbürgermeisters berühren kann.

Besonderer Moment treibt Josef Zistl die Tränen in die Augen

„Meine Bairer Musi“, sagt Zistl leise am Tisch und das Wasser steht ihm bis an den Rand seiner Augenlider. Schon bei der Ansprache von Bürgermeister Martin Riedl kämpfte Zistl mit den Tränen, während sein Nachfolger die Ehrung begründete.

„Baiern schnauft – die Finanzen lassen keinen Spielraum mehr“: Riedl war mit einem Artikel der Ebersberger Zeitung vom April 2002 in seine Laudatio eingestiegen. „Bauland für Gemeindebürger und der Friedhof in Berganger stehen auf der Wunschliste ganz oben, doch die Basis unseres politischen Handelns sind unser Haushalt und unserer Finanzen“, hatte damals die EZ Zistl (zu dieser Zeit 1. Bürgermeister) zitiert. Baiern lag im Jahr 2002 bei der Umlagekraft auf dem letzten Platz unter allen Landkreisgemeinden. Viel Geld, wenig Schulden – so sieht die finanzielle Situation Baierns heute aus und die wenigen Restschulden werden Ende 2019 auch noch komplett getilgt sowie die Prokopfverschuldung gleich Null sein.

Abschied aus dem Amt: Bairer Bürgermeister verabschiedet

Die Gemeinde stand 2018 im Landkreisvergleich in Sachen Umlagekraft auf Platz 20, für 2019 prognostiziert Gemeindeoberhaupt Riedl Platz 18. „Heute stehen wir auf gesunden Füßen und es braucht uns nicht bange zu sein, für die nächsten Jahre“, sagte Riedl und lobte zu Zistl gewandt: „Dies ist ein großer Verdienst von Dir, lieber Sepp, deine Weitsicht und auch Dein Mut, sich was zu trauen und auch was Außergewöhnliches anzupacken, haben die Weichen richtig gestellt.“ Hier erinnerte Riedl als Beispiel für Zistls Mut zu wichtigen Entscheidungen während seiner Amtszeit an einen außergewöhnlichen Grundstückskauf: „Quasi über Nacht hast Du zusammen mit dem Gemeinderat entschieden, das Paulaner Grundstück von der Bayerischen Hausbau zu erwerben, obwohl die Gemeinde wenig Rücklagen hatte.“

Bürgermeister Josef Zistl: Verdiente Ehrenbürgerschaft in Baiern

Dann beschrieb Riedl den Gästen im Saal Zistls Werdegang: 1996 wird Zistl ins Gremium gewählt und zugleich bei der konstituierenden Sitzung des Gemeinderates zum Zweiten Bürgermeister Baierns. Im gleichen Jahr erkrankte der damalige Bürgermeister Leo Pößl, Zistl übernimmt dessen Amtsgeschäfte. 1998 wird Zistl als einziger Kandidat der „Wählergemeinschaft Einigkeit Baiern“ aufgestellt und bei der außerordentlichen Bürgermeisterwahl von den Baierer Wahlberechtigten zum Gemeindeoberhaupt gewählt. Zur letzten Kommunalwahl 2014 gaben 88,4 Prozent der Bairer Wahlberechtigten Zistl ihre Stimme. Anfang 2018 entschied er dann aber, aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig sein Bürgermeisteramt aufzugeben. Sein letzter Amtstag im Kulbinger Rathaus war am 31. Mai 2018, am 1. Juni übergab Zistl die Schlüssel dem neuen Bürgermeister Martin Riedl.

Josef Zisl: Ex-Bürgermeister auch als Ruheständler weiter im Kreistag

Zistl ist auch als Ruheständler CSU-Mitglied und sitzt für die Christlich Soziale Union weiter im Kreistag. „Ich könnte hier viele Dinge aufzählen, die Du während Deiner Amtszeit auf den Weg brachtest“ wandte sich Riedl erneut an Zistl. „Hier als Beispiele: Du initiiertest mehrere Baugebiete, das Gewerbegebiet Berganger, das Gemeindehaus, die Wirtschaft und den Friedhof in Berganger, die Erneuerung und Sanierung fast aller Gemeindestraßen und vor allem den Wassernotverbund mit Glonn und Bruck, was heute für uns wichtiger ist, denn je.

Ganz besondere Bürgerversammlung: Tränen in den Augen des Ehrenbürgers

„Als der Brief der Gemeinde mit der Post kam, dachte ich, da ist eine Gebührenabrechnung für die Grundsteuer oder eine Wasserabrechnung drin“, erzählt Ehrenbürger Josef Zistl in dieser ganz besonderen Bürgerversammlung, er steht jetzt selbst am Rednerpult. „Als ich dann las, dass die Gemeinde mir die Ehrenbürgerwürde verleihen will, da musste ich mich tatsächlich hinsetzen und hatte feuchte Augen, denn die Ehrenbürgerwürde ist das höchste, was eine Gemeinde zu verleihen hat. Diese höchste Wertschätzung einem Bürger gegenüber gab es in Baiern noch nicht oft, herzlichen Dank für diese Auszeichnung!“

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VON SUSANN NIEDERMAIER

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