Gemeinderat beschließt Gebührenerhöhung

Bairer Wasserpreis steigt drastisch

Trinkwasser im Gemeindebereich wird deutlich teurer. Ab 1. Oktober müssen die Bairer fürs kostbare Nass satte 45 Prozent mehr bezahlen als bisher, konkret kostet Wasser aus der Leitung ab Oktober statt bisher 60 Cent dann 87 Cent pro Kubikmeter.

Baiern – Die Abwassergebühr erhöht sich um fünf Cent auf künftig zwei Euro, das sind 2,6 Prozent mehr als bisher. Doch damit nicht genug: auch die Beitragssätze fü r den Anschluss ans gemeindliche Trink- und Abwassersystem gehen nach oben. Diese Entscheidungen traf der Gemeinderat einstimmig.

Um die Erhöhungen kommt Baiern nicht herum. Alle drei Jahre müssen Gemeinden laut Gesetz die Beitragssätze und die Wassergebühren für die vergangenen drei Jahre nachkalkulieren und für die kommenden drei Jahre festlegen. „Die Gebühren sind keine willkürliche, sondern eine wirtschaftliche Entscheidung, was rauskommt bei der Kalkulation ist zwingend für die Gemeinde“, sagte Alois Huber, Geschäftsleiter der VG Glonn der EZ. Die genauen Zahlen zur Kalkulation für die Gemeinde Baiern schlüsselte Reinhard Brilmayer, Leiter der Glonner VG-Bauabteilung,im Kulbinger Ratszimmer auf.

Baiern nahm etwas zu viel fürs Trinkwasser in den letzten drei Jahren, in seiner Nachkalkulation (2015-1017) errechnete Brilmayer eine Kostenüberdeckung von 14 323 Euro. Diese Summe müsste die Kommune den Gebührenzahlern erstatten, einschließlich Zinsen. Doch stattdessen steigen die Gebühren um 27 Cent. Wie ist das möglich? Bereits in der Sitzung hatte Brilmayer auf eine „erhebliche Steigerung zu den Zahlen der Vorjahre und eine massive Steigerung bei den Unterhaltskosten“ hingewiesen und betont: „Der Unterhalt treibt die Kosten nach oben.“ Gegenüber der EZ erläuterte Brilmayer genauer: „Die haben so hohe Sanierungsmaßnahmen an den Leitungen, die Wasserversorgungsanlage ist 40 bis 50 Jahre alt.“ Diese hohen Sanierungskosten, zusammen mit Zinsen, Abschreibungen und Unterhaltskosten (Leitungen) rechnete Brilmayer in seine Kalkulation für die Jahre 2018 – 2020 ein, so kam er auf den neuen Gebührensatz fürs Trinkwasser mit 87 Cent.

„Baiern ist eine kleine Gemeinde mit langen Leitungsstrecken, es ist erstaunlich, dass der Wasserpreis auch trotz der großen Steigerung so günstig ist – weit und breit wart ihr bisher mit 60 Cent die billigsten“ versuchte Brilmayer die Bairer Räte in der Gemeinderatssitzung zu trösten.

Weitere Einsicht in Kosten, die auf Baiern und seine Bauwilligen im Gemeindebereich zukommen, geben die Herstellungsbeitragssätzen zur Wasserversorgungsanlage der Gemeinde Baiern. Brilmayer berücksichtigt in dieser Aufstellung eine 100prozentige Deckung über die Beiträge der künftigen Häuslebauer bis Ende des Kalkulationszeitraumes 2021. 2 096 460 Euro nennt der Baufachmann als Investitionskosten für die Leitungen der Bairer Wasserversorgungsanlage, die werden auf Bauherren umgelegt – mit 40 Prozent auf Grundstücksflächen und mit 60 Prozent auf Geschoßflächen. Somit steigen die Beitragssätze für den Anschluss ans gemeindliche Trink- und Abwassersystem von bisher 1,35 Euro je Quadratmeter Grundstücksfläche auf 1,40 Euro und von bisher 4,96 Euro je Quadratmeter Geschoßfläche auf 5,13 Euro.

Brilmayers Kalkulation der künftigen Abwassergebühren und der Anschlussgebühren (Beitragssätze) zum gemeindlichen Abwassersystem basiert auf den tatsächlichen Zahlen (Investitionskosten, beitragspflichtige Flächen, Betriebs-und Unterhaltskosten, kalkulatorische Kosten, usw.) der letzten drei Jahre, er berücksichtigte dabei auch die tatsächlichen Rechnungsergebnisse der Jahre 2015 – 2017, den Haushaltsansatz für 2018 und die Kalkulation für die Jahre 2019 und 2020. Als Investitionskosten sind drei Millionen Euro angegeben, daraus errechnete Brilmayer den neuen Beitragssatz von 18,09 Euro pro Quadratmeter Geschossfläche (bisher 17,31 Euro).

Ab 1. Oktober zahlen die Bairer Bürger fürs Abwasser statt bisher 1,95 Euro nun zwei Euro pro Kubikmeter. Brilmayer hatte bei seiner Nachkalkulation eine Kostenunterdeckung von 5800 Euro festgestellt, die er mit einrechnete.

Neben dem ermittelten Gebührenbedarf spielt laut Brilmayer auch die voraussichtliche Abnahmemenge eine Rolle. Hier kommt der Ortsteil Piusheim ins Spiel, denn laut eines bestehenden Vertrages zahlen Nutzer des Abwassersystems im Bereich Piusheim nur eine anteilige Gebühr von 70 Prozent. „Dieses Gebiet hat ein eigenes Abwassernetz, das gehört jetzt der Firma Gerg. Die leiten nur ein in unser System, dafür zahlen sie 70 Prozent der Kosten, für die Instandhaltung sind die Piusheimer selbst zuständig.“

Susann Niedermaier

Rubriklistenbild: © dpa / Lino Mirgeler

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