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Diese Häuser in der Ortsmitte des Bairer Gemeindeteils Antholing erregen Widerstand. Der Bürgersteig musste gesperrt werden, weil ein Carport in die Fläche reicht. 

Neubauten in  Ortsmitte erhitzen die Gemüter

Faules Ei in der Ortsmitte: Antholinger in Aufruhr

Aufruhr im Bairer Ortsteil Antholing. Dort wurde im Herbst vergangenen Jahres mitten im Dorf ein Bauvorhaben mit einem Einfamilienhaus und einem Vierspänner realisiert, das derzeit die Gemüter der Bürger erhitzt. 314 Antholinger Dorfbewohner unterschrieben auf einer Liste des Unmuts. Diese übergab Johann Weigl (64) an Bürgermeister Martin Riedl.

Baiern – Weigls Zorn – und auch der Ärger der 314 Bürger – richtet sich nicht nur gegen die Optik der Häuser. Vielmehr beschweren sich die Antholinger über die komplette Sperrung des Bürgersteigs auf Höhe der Neubauten. „Die Häuser allein sind schon eine Dorfverschandelung, die passen überhaupt nicht ins Ortsbild“, entrüstet sich Weigl. Dass aber die Antholinger wegen eines Carports am Vierspänner – der überdachte Parkplatz ragt komplett in den Bürgersteig – seit einiger Zeit eben diesen Bürgersteig entlang der Glonner Straße (Kreisstraße EBE15) nicht nutzen können, bringt das ansonsten eher besonnene Gemüt Weigls schier zum Wallen. Wegen der aktuellen Wettersituation und aufgrund des gesperrten, nicht geräumten Bürgersteigs mit hohen Schneebergen müssen die Antholinger nun direkt die Glonner Straße als Gehweg benutzen. Alternativ können sie die Kreisstraße queren, sich auf der anderen Seite durch den Schneewall pflügen, einige Meter dort den Bürgersteig entlang rutschen, um dann erneut die Straße zu queren. „Es hätte mich zerrissen, wenn ich da nichts unternommen hätte“, erklärt Weigl, warum er von Haus zu Haus ging, um Unterschriften zu sammeln.

Bürgermeister Riedl reagierte sofort und nahm das Thema für die Gemeinderatssitzung, die heute um 19 Uhr im Kulbinger Ratszimmer stattfindet, mit in die Tagesordnung auf.

„Eine Ortsgestaltungssatzung gab es bisher noch nicht“, erklärt das Gemeindeoberhaupt gegenüber der EZ. „Vorgenommen haben wir uns das schon länger, durch die Bürgerbeschwerden mussten wir nun schnell reagieren. „Die neue Satzung ändert zwar nichts mehr am aktuellen Dilemma, soll künftig aber vor ähnlichen Dramen schützen, sagt Riedl. Gesamt zeigt er sich eher gelassen und meint: „Es gibt Dinge, die muss man einfach hinnehmen.“

Die fünf Wohnobjekte, an denen die Antholinger sich reiben, liegen mitten im idyllischen Ortskern, gleich neben der Zwiebelturmkirche und Häusern im ländlichen Stil. Die neuen Häuser sind in eher schlicht modernem Baustil errichtet, mit weiß verputztem Mauerwerk, teils in hellem Holz gehalten. Bis zum Verkauf des etwa 1000 Quadratmeter großen Grundstücks in Dreiecksform stand auf der Fläche ein Bauernhof. Die Fläche erwarb ein Investor, der stellte einen Bauantrag an die Verwaltung. Im Dezember 2017 war dem Vorhaben dann im Gemeinderat einstimmig grünes Licht erteilt worden. Im Protokoll zu dieser Sitzung ist die Empfehlung des Gremiums an den Bauherren zu finden, die Gebäude kleiner zu dimensionieren und auch die Anregung, die Häuser an den umgebenden ländlichen Baustil anzupassen.

Wie die Häuser letztendlich aussehen würden, wussten zwar Gemeinderäte, Bürgermeister und die Käufer, nicht aber die Antholinger. „Uns gingen erst die Augen auf, als wir sahen, was da entsteht“, erzürnt sich Weigl. Als der Carport an der Frontseite bis hinein in den Bürgersteig entstand, lief das Fass im Ort über. „Nur 50 Zentimeter blieben von unserem Bürgersteig übrig, dann musste der Gehweg gesperrt werden“, berichtet Weigl. „Wir mussten sperren, die verbleibende Gehfläche war zu schmal und es drohte Gefahr“, erklärt Riedl. „Da muss irgendeiner einen Fehler gemacht haben“, vermutet Weigl und er zweifelt weiter: „Das kann doch nicht sein, dass ein privates Grundstück bis in den Gehweg reichen kann, da gibt es doch ein Gewohnheitsrecht für die Bürger und ein öffentliches Interesse.“

Bürgermeister und Verwaltung waren und sind laut Riedl die Hände gebunden und auch aktuell hat Baiern keine Möglichkeit, das Holzkonstrukt, das in den Gehweg ragt, entfernen zu lassen. „Das Grundstück des Eigentümers reicht über den Bürgersteig genau bis an den Rand der Kreisstraße“, berichtet der Rathauschef. Diesen Sachverhalt weiß Riedl aber erst jetzt. „Uns lagen zur Baugenehmigung andere Pläne und keine aktuellen Karten vor“, beteuert der Bürgermeister. Er wies darauf hin, dass erst eine durch das Landratsamt angeordnete Vermessung die tatsächliche Grundstücksfläche und Grenze aufgedeckt habe.

Um den Gehsteig verkehrssicher zu halten und wieder begehbar zu machen, bräuchte die Gemeinde weitere 50 Zentimeter Grund entlang der Fläche. „Die gibt der Eigentümer definitiv nicht her, das Thema ist durch“, betont das Gemeindeoberhaupt energisch. Was letztendlich bleibt, wäre ein Akt, der irgendwie an die Schildbürgerstreiche erinnert. „Die Kreisstraße wird möglicherweise verschmälert werden müssen“, stellt Riedl in Aussicht. Ob dies rechtlich zulässig ist, wird sich zeigen.

Listeninitiator Johann Weigl wird heute Abend in der Sitzung die gesammelten Unmutspunkte verlesen und auch konstruktive Ideen vortragen, die in die neue Ortsgestaltungssatzung aufgenommen werden könnten. „Wir wollen keinesfalls gegen die Gemeinde vorgehen, sondern eher dazu beitragen helfen, dass so etwas nie wieder passieren kann“, beteuert Weigl gegenüber der Ebersberger Zeitung.

Susann Niedermaier

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