Am Feierabend: Erst Arzteinsatz, dann Stau bei der S-Bahn 

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„Ohne die Bäckerei würde es nicht weitergehen“, sagt Theresia Gasteiger und meint damit ihren Kramerladen. Der steht in Konkurrenz zu vielen großen Märkten in der Umgebung.

Kramerladen in Antholing

Sie lebt nicht vom Brot allein

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Antholing - Im Laden neben ihrer Bäckerei verkauft Theresia Gasteiger in Antholing (Gemeinde Baiern) alles, was die Leute in der Umgebung so brauchen. Ein Besuch in ihrem Mini-Supermarkt.

Im Schaufenster drängen sich sechs klapprige Einkaufswägen zu einer kleinen Herde zusammen. Gleich neben dem schönem Bauernschrank, der gefüllt ist mit Chipstüten und Eierlikör. Die Einkaufswagen warten darauf, dass sie ihre Runde durch den Kramerladen von Antholing drehen zu dürfen.

Weit haben sie es dabei nicht, bis sie wieder beim Kassenband herauskommen – drei Regalreihen müssen sie umkurven, jede davon gut fünf Meter lang. Doch die Tour führt an so gut wie allem vorbei, was die Menschen in der Gemeinde Baiern so brauchen, darunter auch ein großer Schreibwarenbereich, eine kleine Gefriertheke und eine reichliche Alkoholauswahl. An der Obsttheke baumeln die Bananenbündel von einer Stange herab.

Die meisten Kunden aber, ob sie nun einen Einkaufswagen mitnehmen oder nicht, schlendern zuerst zur Brottheke, dem Herzstück des Ladens. „Griaß eich“, grüßt dahinter die Chefin Theresia Gasteiger mit einem Lächeln hervor. Um die Kramerin mit dem weißen Verkäuferkittel, dem weiß-blau gestreiften Oberteil und den roten Schuhen türmen sich Brote, Semmeln und Gebäck.

Direkt neben dem Laden werkeln die Bäcker

Die Backwaren haben es nicht weit bis in den Laden: hinter der Theke führt ein Gang direkt in die Backstube, wo zwei Bäcker für den Kramerladen und andere Geschäfte in der Umgebung Brezn schlingen, Semmeln rollen und Kirschplunder füllen. „Ohne die Bäckerei würde es nicht weitergehen“, sagt Theresia Gasteiger und meint damit ihren Kramerladen. Der steht in Konkurrenz zu vielen großen Märkten in der Umgebung.

Doch nicht nur mit dem eigenen Brot hat Gasteiger ein Alleinstellungsmerkmal. Auf der Vitrine vor der Kramerin stehen Gläser mit hausgemachtem süßen Senf – Senfmehl, Essig und Zucker im Mischverhältnis nach eigener Rezeptur. Das Ganze wird eingekocht. Der Senf ist Spezialität des Hauses und Verkaufsschlager.

„Davon mache ich jede Woche eine Ladung“, sagt Gasteiger. Schließlich passt der Senf nicht nur zu Leberkäs und Pressack, die eine Moosacher Metzgerei an Gasteiger liefert.

Kaffee und Wurstsemmeln für die Arbeiter

Gerade sind drei Straßenarbeiter zur Tür hereingekommen, in ihrer grell-orangen Arbeitsmontur sind sie auffällige Farbtupfer in dem Laden, in dem zwischen Marmeladengläsern, Gummibärchen und Waschpulverpackungen ohnehin schon bunte Vielfalt herrscht. An zwei Bistrotischen serviert die Kramerin frisch gebrühten Kaffee. Danach, beim Hinausgehen, haben die Arbeiter außerdem eine Papiertüte mit Wurst- und warmen Leberkässemmeln im Gepäck.

An der Kasse steht eine Nachbarin und blättert in einer dort ausliegenden Zeitschrift. Gerade sitzt niemand hinter dem anderthalb Meter langen Kassenband, denn Elke Schmid, die regelmäßig im Laden mithilft, holt gerade ein paar Energydrinks für die Vitrine aus dem Lagerraum ums Eck. Die Kundin hat es an diesem Vormittag nicht eilig und wartet geduldig.

Ist ein Kunde schlecht zu Fuß, hilft die Kramerin beim Tragen

Kurz blickt sie auf und grüßt einen Mann mit Krücke, der sich ebenfalls auf den Weg zum Ausgang macht. Weil ihm das Gehen schwerfällt, trägt ihm die Kramerin seine Einkäufe von der Brottheke an die Kasse und packt sie in eine Tasche – ein selbstverständlicher Service unter Nachbarn.

Die Preise tippt Elke Schmid kurz darauf geübt und zügig per Hand in die Kasse. Als die Zeitungsleserin und der Mann mit Krücke bezahlt haben und gegangen sind, wird es still im Laden. Ein paar Minuten vergehen, die Elke Schmid und Theresia Gasteiger nutzen, um schweigend Regale und Theken zu bestücken. Dann geht wieder die Tür auf. „Servus“, sagt Theresia Gasteiger und lächelt.

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