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Er ist ein Bairer Urgewächs, das eng mit seiner Heimat verbunden ist: Martin Riedl (43) wird am Sonntag, 13. Mai, zum Bürgermeister gewählt. „Wer hat schon die einmalige Chance, Bairer Bürgermeister zu werden?“Martin Riedl, einziger Bürgermeisterkandidat

Martin Riedl, Bürgermeisterkandidat in Baiern

Der 90-Prozent-Mann

Wer die Wahl hat, hat die Qual. Die Bairer ersparten sich die Qual der Wahl schon vorab, indem sie bis zum Stichtag keinen weiteren Vorschlag einreichten. Somit bleibt Martin Riedl (43) einziger Kandidat der kommenden Bürgermeisterwahl. Diese findet am Sonntag, 13. Mai, statt.

Baiern Anfang März war Riedl, Gemeinderat und seit 2014 2. Bürgermeister in Baiern, mit großer Mehrheit zum Bürgermeisterkandidaten nominiert worden (wir berichteten). „Ich hoffe fest, dass die Bairer in großer Zahl zur Wahl kommen“, wünscht sich Kandidat Riedl im Gespräch mit der Ebersberger Zeitung. Schon seit 1990 arbeitet der 43-Jährige im Warenhaus der Raiffeisen-Volksbank Ebersberg in Glonn. Für seinen Arbeitgeber hatte er sich nach einem Berufspraktikum entschieden und dort auch die Ausbildung zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel absolviert. Seit 2002 ist Riedl Spartenleiter im Bereich Markt in Glonn, zudem seit 2017 stellvertretender Leiter der Warenabteilung. Auch heute schätzt er die Abwechslung und das breite Spektrum, das ihm sein Beruf bietet.

Obwohl glücklich im Job, musste sich Riedl zu Beginn dieses Jahres einer beruflichen Entscheidung stellen. Das war kurz nachdem der amtierende Bairer Bürgermeister, Josef Zistl, den Bairer Gemeinderäten seine Rücktrittsabsichten mitteilte. „Dass diese Entscheidung eines Tages kommen würde, wusste ich schon, seit ich 2014 das Amt des Vizebürgermeisters übernommen hatte“, betont Riedl und versichert: „Bereits 2014 bemerkte Zistl (68) den Räten gegenüber, dass er die Amtszeit bis 2020 möglicherweise nicht voll ausüben werde. Wir sprachen damals schon darüber, ob ich mir vorstellen könnte, das Amt des ersten Bürgermeister zu übernehmen“, so Riedl.

Das Bürgermeisteramt ist in Baiern (rund 1500 Einwohner) als ehrenamtliche Tätigkeit definiert. „Die Fülle der Aufgaben, die ein Bürgermeister im Ehrenamt zu bewältigen hat, ist breit gefächert und kommt einem Halbtagesjob gleich“, erklärt Riedl. Darum zog er bereits lang vor der Nominierung seinen Arbeitgeber in den Plan, zu kandidieren, mit ein. Die Bank zeigte sich kompromissbereit und bot Riedl eine Halbtagsposition mit 20 Wochenstunden an.

Doch die halbe Stundenzahl reduziert auch das Gehalt – und das Bürgermeisteramt ist ein Ehrenamt. Wird das Gehalt da reichen? „Es gibt auch im Ehrenamt eine Aufwandsentschädigung, ich komme da schon hin“, meint Riedl zuversichtlich.

Eine Warenabteilung erfolgreich zu leiten ist eine Sache, woher nimmt der Kandidat die Kompetenzen fürs Bürgermeisteramt? „An Zistls Seite konnte ich in den letzten vier Jahren einen tiefen Einblick in die kommunalen Strukturen Baierns nehmen.“ Auch in die Abwicklung verschiedener Projekte war Riedl eingebunden. „Es waren nicht die einfachsten Jahre“, erinnerte er sich und nennt die Objekte Hochwasserschutz und Kiesgrube Berganger, die in Teilen der Bairer Bevölkerung hochemotional debattiert worden waren. „In den letzten Jahrzehnten wurde in unserer Gemeinde sehr viel geschaffen, die Kommune steht finanziell auf gesunden Füßen“, lobt Riedl. Doch einen Mangel an Beschäftigung fürchtet er deswegen nicht, er stellt sich eher auf eine Fülle an Arbeit ein – mit Breitbandausbau, Sanierung von Kläranlage und Abwasserkanalnetz und dem großen Bauvorhaben Rathaus/Bauhof-Neubau in Kulbing warten große Projekte auf Verwaltung, Gemeinderat und den neuen Bürgermeister. „Rathaus und Bauhof werden in mehreren Bauabschnitten im Zeitfenster 2019 bis 2023 gebaut werden, das Rathaus soll laut aktueller Planung bereits 2020 fertig sein“, informiert Baierns Vize weiter. Als Herausforderung sieht Riedl die Schaffung von Wohnraum für die junge Generation. „Hier gilt es einen Maßstab zu entwickeln, der auf einer Seite den Bedarf deckt, andererseits aber eine moderate Entwicklung unserer Weiler und Dörfer gewährleistet“, wägt er ab.

Als früherer Vorstand des Trachtenvereines „Bairer Winkel“ (zwölf Jahre), ehemaliger Kassier des Bairer Burschenvereines (sechs Jahre) und aktives Mitglied verschiedener Ortsvereine nimmt Riedl sich vor, die ehrenamtlichen Arbeit der 30 Bairer Vereine und Verbände im Rahmen des Möglichen weiter zu unterstützen. Wesentliches Anliegen ist ihm der Erhalt der Einheitsliste. „Die ist nach wie vor im Umkreis einmalig, nur sie kann eine Sicherheit für eine reine Persönlichkeitswahl der Mandatsträger gewährleisten“, unterstreicht er seine Sichtweise.

Martin Riedl ist ein Bairer Urgewächs, zusammen mit zwei älteren Brüdern wuchs er im landwirtschaftlichen Betrieb seiner Eltern in Jakobsbaiern auf. „Aus Jakobsbaiern entstand der Name Baiern, mein Heimatort war Namensgeber für die Gemeinde“, weiß Riedl und sinniert: „Vielleicht gibt es den großen Zusammenhalt in unserer Gemeinde gerade deshalb, weil wir als Gemeinde zwar den Namen „Baiern“ tragen, doch einen realen Ort „Baiern“ dazu gibt es nicht. Lediglich ein Ortschild und 33 Ortsteile mit anderen, eigenen Namen.“

Riedl ist verheiratet, mit Ehefrau Angela und den zwei Buben Luca und Santino (zwei und vier Jahre) wohnt er in einem Einfamilienhaus in Antholing. Seine Familie stellt er in der Freizeitplanung ganz obenan, vor allem für seine Buben will er sich weiter Zeit nehmen und auch für die Gartenarbeit, die er als Ausgleich sehr schätzt. Entspannung sucht sich der künftige Bairer Bürgermeister auch in der Musik, er singt als Tenor im Bairer Kirchenchor.

Dass er Bürgermeister wird, steht für den einzigen Bairer Kandidaten fest. Riedl schätzt, dass wenigstens 90 Prozent der Bairer ihm ihre Stimme geben werden. Seine Entscheidung zu kandidieren, sei eng mit seinem Heimatort verbunden.

Riedl sagt, eine andere Ortsgemeinschaft würde er nicht leiten wollen. „Wer hat schon die einmalige Chance, Bairer Bürgermeister zu werden?“, fragt er mit einem Schmunzeln.

Susann Niedermaier

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