In voller Montur: Hochzeitslader Bernhard Sedlmaier aus Baiern in Miesbacher Tracht, mit bunter Schleife und pompösen Zeremonienstab. Der 56-Jährige: „Hochzeitslader brauchen ein Leck-mich-am-Arsch-Gefühl.“ Foto: Stefan rossmann
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In voller Montur: Hochzeitslader Bernhard Sedlmaier aus Baiern.

Prograder im Interview

Der letzte Hochzeitslader im Landkreis Ebersberg: Bernhard Sedlmaier aus Baiern

  • Max Wochinger
    vonMax Wochinger
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Bernhard Sedlmaier, 56, ist eigentlich Schreinermeister von Beruf. Wie man Prograder wird, verrät er im Gespräch mit unserer Zeitung.

Herr Sedlmaier, sind heutzutage Hochzeitslader noch gefragt?

Vor 20 Jahren war mehr los, da hatten wir viele Aufträge. Ich war damals komplett ausgebucht. Dann wurde es weniger. In letzter Zeit wollen die Leute aber wieder echter, traditioneller heiraten.

Wie sind Sie zu dem Job gekommen?

Es war vor 36 Jahren. Ich habe immer Witze beim Frühshoppen beim Wirt erzählt. Da kannte man mich schon. Mein Bruder war zu der Zeit schon Hochzeitslader, der hat mir ein Brautpaar abgegeben. Die erste Hochzeit hat gut geklappt. Der damalige Star-Prograder vom Landkreis, Hans Hollerith aus Steinhöring, hat mir später 40 Brautpaare abgegeben. Ich habe sie mir mit einem anderen Hochzeitslader geteilt.

Man kann einfach so Prograder werden?

Nein, das geht nicht. Man muss einen Hochzeitslader bei einer Heirat begleiten. Zudem muss man sich beim jährlichen Treffen der Hochzeitslader auf der Bühne vorstellen. Wir entscheiden dann, ob er Prograder werden darf. Bisher hat es jeder geschafft. Das nächste Treffen findet übrigens bei uns im Landkreis statt.

Wie sollte ein guter Hochzeitslader sein?

Man muss mit Leuten umgehen und eine Meute begeistern können. Der Hochzeitslader muss spontan, witzig und belastbar sein. Er braucht ein Leck-mich-am-Arsch-Gefühl. Das Wichtigste ist, dass man es gern macht!

Ich habe schon immer eine große Klappe gehabt.

Bernhard Sedlmaier

Sie waren schon immer so gut drauf?

Ich habe im Theater gespielt, und schon immer eine große Klappe gehabt.

Früher haben Sie auch Hochzeitsgäste eingeladen. Zu Fuß oder mit Ihrem Wagen?

Mit dem Auto.

Wie darf ich mir das vorstellen?

Ich war mit dem Brautpaar und der Ehrmutter, also der Taufpatin der Braut, unterwegs. Wir sind zu den Eltern, Großeltern und Paten gefahren. Mit einem Ladspruch habe ich die Leute zur Hochzeit eingeladen. Ich weiß nicht mehr, was ich gesagt habe.

Sind Sie vor der Hochzeit nervös?

Nein, eigentlich nicht. Auf dem Weg zur Kirche mache ich Sprechübungen im Auto. Lutschguatl sind auch gut zur Vorbereitung.

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