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Bairisch - bis zum Mond auffi

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„Wer weiß, was a Guadnochtbussi ist? Brauchtumspfleger Franz Bader aus Markt Schwaben und seine Bairisch-Schüler im „Poinger Kinderland“. foto: dziemballa

Poing - Wenn Franz Bader, 65, in den Kindergarten kommt, dann geht es dem Schweinebraten, den Klößen und den Möhren an den Kragen. Bader ist zwar kein Ernährungswissenschaftler, dafür pensionierter Lehrer - und stolzer Bayer.

„In Bayern heißt es Schweinsbraten, Gelbe Ruabn und Knödl“, sagt der Markt Schwabener. Viele Kinder können mit den bairischen Ausdrücken jedoch nichts anfangen, sie können nur noch Hochdeutsch.

Ein Drama, findet Bader, deshalb kommt der Mann mit dem Schnauzbart einmal die Woche ins „Poinger Kinderland“ - zum Bairisch-Unterricht. Heute hat er den 13 Vorschulkindern eine Geschichte von Ottfried Fischer mitgebracht. „Woaßt du ibahapts, wia gern dass i di mog?“ heißt das Buch, bei dem es um zwei Dialekt sprechende Hasen geht, die sich „bis zum Mond auffi und wieda zruck gern ham“.

Die Poinger Vorschulkinder hören begierig zu - und lernen sogleich, dass Bairisch eine temperamentvolle, wilde Sprache ist. „Auffi und obi“ ruft Bader und streckt die Hände erst nach oben, dann noch unten. „Auffi und obi, auffi und obi“, sagt er immer wieder. Die Kinder machen es ihm nach und werfen die Hände erst in die Höhe, dann zu Boden. Ganz schön anstrengend, dieses Sprachenlernen, aber auch ein großer Spaß. Und einer freut sich über den Lerneffekt: Bairischlehrer Bader, der gleichzeitig Vorsitzender des Fördervereins Bairische Sprache und Dialekte beim Landschaftsverband Ebersberg-Erding ist.

Dann geht die Geschichte von den Hasen weiter: Im Buch ist Schlafenszeit, der „kloane Hos“ kommt in „sei Bladlbettstadl“ und bekommt noch schnell „a Guadnochtbussi“. „Wer weiß, was a Guadnochtbussi ist?“, fragt Bader in die Runde. Einige der Fünf- und Sechsjährigen machen Luftküsse. „Ein Bussi in der Nacht“, ruft ein Bub. Bader ist zufrieden mit seinen Schülern. Als Belohnung gibt’s einen Schoko-Osterhasen, so bleibt das Bairische in bester Erinnerung.

„Wir müssen die Gelegenheit beim Schopf ergreifen“, sagt Bader nach dem Kurs. Es ist die Gelegenheit, den jungen Bayern ihre Heimatsprache beizubringen. „Die bayerische Kultur ist in ganz Deutschland geschätzt“, sagt er, aber das Bairische habe bei manchen den Nimbus, minderwertig zu sein. Für Bader ein Unding. Bairisch ist für ihn Heimat, Lebensgefühl, etwas, auf das man stolz sein kann. Sehen offensichtlich nicht alle so. Bader hat alle Poinger Kindergärten abtelefoniert, ob sie Interesse an einem ehrenamtlichen Bairisch-Lehrer haben. Alle haben sie abgesagt, nur das „Kinderland“ hat zugegriffen. Noch hat Bader Kapazitäten frei, ein Anruf von Kindergärten aus dem Landkreis - und er kommt vorbei. Ehrenwoat.

Von Stefan Sessler

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