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Ganzjährig attraktiv sein soll die Bepflanzung in den ehemaligen Wasserbecken am Baldhamer Marktplatz.

Weil immer wieder Kraut nachwächst

Am Baldhamer Marktplatz müssen "Strafgefangene" schuften

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Baldham - „Das Kraut ist stark, der Mensch ist schwach.“ Bei Gerd Jansen, Chef des Bauhofs Vaterstetten, klingt es nach Galgenhumor. Er hatte sich mit  Möglichkeiten beschäftigt, wie dem pflanzlichen Wildwuchs in den Plattenfugen auf dem Marktplatz beizukommen ist. Eine  Lösung fand er nicht.

Nun sollen verschiedene Methoden auf unterschiedlichen Teilbereichen getestet und verglichen werden. In einem Jahr will sich der Umweltausschuss des Vaterstettener Gemeinderats die Ergebnisse vorlegen lassen.

Der Platz gehört zwar nicht der Gemeinde, vertraglich ist die Kommune aber für den Unterhalt zuständig. Wie dies genau auszusehen hat, wurde nicht festgelegt. Vor allem geht es um die rund 1400 Quadratmeter große helle Innenfläche. Zwischen den Platten gibt es eine etwa drei Millimeter breite Spalte, die sich im Laufe der Jahre mit organischem Material gefüllt hat. Die Spalten dienen neben mehreren Abflüssen auch zur Entwässerung des Platzes.

Die Ebersberger Zeitung hatte über Beschwerden von Bürgern berichtet. „Ich muss dem Recht geben, es sieht schmutzig aus“, räumte Jansen in der Sitzung ein. Und dafür müssten die Pflanzen nicht einmal hoch wachsen.

Bisher wurde das Kraut per Hand entfernt. Dazu sind 50 Arbeitsstunden notwendig. Kosten: rund 2200 Euro. Und das fünf Mal pro Jahr. „Das ist eine Arbeit für Strafgefangene“, sagte Jansen. Als Alternative lieh sich der Bauhof aus der Gemeinde Feldkirchen ein Heißwassersystem aus. „Es war für die Katz“, so Jansen. Offenbar ging die Wirkung nicht tief genug.

Der Einsatz von Chemie gegen den Wildwuchs ist verboten. Eine Möglichkeit wäre eine Versiegelung. Kosten: 25 000 Euro. Diese könnte aber auch wieder aufreißen, das Kraut wäre zurück. Nun wird also weiter getestet. Erfolgreicher war eine andere Aktion, deren Auslöser ein großes Problem war: Auf dem Platz gibt es nämlich Wasserbassins. Die waren jedoch undicht, was Schäden unter anderem in den darunter liegenden Geschäften verursachte. Die Becken zu behalten und zu sanieren, hätte „immens viel Geld gekostet“, sagte SPD-Gemeinderätin und Landschaftsarchitektin Maria Wirnitzer.

Unter ihrer Leitung wurden die Bassins umgebaut und bepflanzt. „Das sollte ganzjährig attraktiv sein, aber nicht gekünstelt wirken.“ Zu berücksichtigen waren der Windsog als „enormes Problem“ sowie Hitze und Trockenheit. Inzwischen hat sich die Anlage gut entwickelt.

Wirnitzer hat noch weitere Vorschläge. Sie regte an, den Durchgang mit Glastüren zu schließen. Damit könne man die Aufenthaltssituation verbessern und möglicherweise einen Wochenmarkt etablieren, „ohne dass es zieht“. Möglich ist aus Sicht Wirnitzers auch eine weitere Begrünung des „großen Plattensees“, beispielsweise mit Pflanzcontainern oder umrankten Sitzbänken.

Saniert werden soll auch der marode Brunnen an der Mauer des Marktplatzes zur Karl-Böhm-Straße. Claus Ortner von der lokalen Agenda stellte im Ausschuss ein Konzept vor und riet zu einer kombinierten Pflanz-Zierstein-Variante. Der Brunnen soll weiter aus dem Grundwasser gespeist werden.

Die Gemeinde hat mit der Wohnungseigentümergemeinschaft des Marktplatzes vereinbart, den Brunnen zu erhalten. Dafür setzt sich auch Ortner ein. „Der Marktplatz ist für die Bevölkerung von erheblicher Bedeutung“, betonte er im Ausschuss, sprach jedoch auch von einem „trostlosen Erscheinungsbild“. Der Ausschuss genehmigte einen Betrag von 9000 Euro für die Materialkosten. Die Umgestaltung soll die lokale Agenda übernehmen.

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