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Die Mannschaft von Martin G. hält zusammen: (stehend, v.l.) Jürgen Renner, Christian Berg, Helmut Lämmermeier, Harald Fürmetz , Volker Lechl , Stephan Korhammer, Walter Gratz. (vorne, v.l.) Holger Sassenbach, Albert Oswald, Günter Lenz, Florian Moser, Oliver Ramlow. Nicht im Bild: Gabriel Fischer, Tilo v. Bruchhausen, Hans Günther Göpfrich.

Griff in das Lenkrad nach Infarkt

Vaterstettener rettet seinen Fußballkameraden das Leben auf der Autobahn

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Herzinfarkt am Steuer, mitten auf der Autobahn. Beifahrer Günter Lenz handelt richtig, greift ins Lenkrad und rettet damit dem Fahrer und seinen Fußballfreunden das Leben. Dafür bekommt er die Lebensretter-Medaille.

Vaterstetten– „Richtig nachgedacht habe ich nicht, es ging alles so schnell“, sagt Günter Lenz. Aber er hat richtig reagiert, verhinderte einen Autounfall und rettete damit einem Sportsfreund – und wohl auch einer halben Fußballmannschaft – das Leben.

Es war ein schöner Tag, damals am 20. März 2015. Die damaligen C-Senioren, also Männer älter als 44 Jahre, des Sportclubs Baldham-Vaterstetten hatten sich beim Fußballspiel in Garching gut geschlagen. „Wir hatten gewonnen oder unentschieden gespielt, genau weiß ich das nicht mehr“, sagt Lenz, der in Vaterstetten 3. Bürgermeister ist. Sie waren auf der Rückfahrt. Im ersten Auto saß Martin G. (Name von der Redaktion geändert) am Steuer, daneben auf dem Beifahrersitz Lenz, auf der Rückbank Florian Moser aus Haar und Hans Günther Göpfrich aus Vatersteten. Im Auto dahinter Thilo von Bruchhausen und Gabriel Fischer, beide aus Vaterstetten. Die beiden Fahrzeuge waren bei Garching auf die A 9 in Richtung Süden unterwegs.

„Plötzlich sagte Martin, du Günter, mir wird so schlecht“, schildert Lenz die Situation. „Dann ist er zusammengesackt. Herzinfarkt.“ Sofort griff Lenz ins Lenkrad. „Glücklicherweise waren wir noch auf der rechten Spur.“ Möglich wäre gewesen, das Auto vorsichtig an die Leitplanke zu lenken, um es abzubremsen. Aber der Fahrer hatte die Füße nicht mehr auf dem Gaspedal. „Sein Körper hatte alle Spannung verloren.“ Deshalb wurde das Auto langsamer, blieb stockend und ruckelnd stehen. Lenz hielt das Lenkrad mit aller Kraft fest. Zumindest wurde ein Zusammenstoß mit anderen Autos verhindert. „Dass ich vielleicht mit der Handbremse hätte bremsen können, fiel mir nicht ein.“

Doch die Gefahr war noch nicht vorbei. „Wir haben versucht, Martin auf der Fahrerseite aus dem Fahrzeug zu bekommen. Aber das war viel zu gefährlich.“ Andere Autos düsten vorbei. „Wir haben den Luftzug gespürt.“ Also musste es über die Beifahrerseite gehen. „Wir haben Martin einfach auf den Asphalt gelegt, zwischen Auto und Leitplanke.“

Schnell wurde entschieden, wer jetzt welche Aufgabe übernehmen sollte. Inzwischen hatte das zweite Auto der Mannschaft weiter vorne angehalten. Von Bruchhausen und Fischer kamen angerannt. Göpfrich informierte den Rettungsdienst, die anderen sicherten die Unfallstelle ab. Lenz hatte mit der Herzmassage begonnen. Florian Moser machte Mund-zu- Mund-Beatmung. Später wurde er von Fischer und von Bruchhausen abgelöst. „Einige Minuten später kam der Notarzt.“

Die Wiederbelebung war erfolgreich. Martin G. lebte, lag aber mehrere Tage im Koma. Mit den Folgen des Infarkts kämpft er bis heute. Nach längeren Krankenhausaufenthalten erholt er sich inzwischen in einer Einrichtung im Münchner Umland. Seine Mannschaftskollegen besuchen ihn regelmäßig abwechselnd. Inzwischen spiele er wieder ein bisschen Fußball. „An seinen Herzinfarkt erinnert er sich nicht. Und das ist vielleicht auch ganz gut so“, sagt Lenz.

Am Mittwoch, 24. Mai, werden Lenz, Moser, Göpfrich sowie von Bruchhausen und Fischer in München mit der Lebensretter-Medaille geehrt. Die Fünf erhalten die Auszeichnung um 11 Uhr aus den Händen von Ministerpräsident Horst Seehofer und seiner Gattin Karin. Ebenfalls mit der Medaille werden der Wieshamer Landwirt Josef Kendlinger und seine Söhne Michael und Josef ausgezeichnet. Sie hatten bei einer Überschwemmung eine Frau vor dem Ertrinken gerettet, die mit ihrem Auto in den Wasserfluten stecken geblieben war (wir berichteten).

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