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Mesnerin Helene Spießl (80)  in „ihrer“ Kirche in Möschenfeld.

„Das ist ein ganz heiliger Ort“

Mesnerin Helene Spießl (80) nach 52 Jahren in den Ruhestand verabschiedet

Möschenfeld/Baldham - In der Wallfahrtskirche Sankt Ottilie in Möschenfeld ging jetzt eine Ära zu Ende: Die langjährige Mesnerin Helene Spießl (80) verabschiedete sich in den Ruhestand – nach 52 Jahren.

Angefangen hat alles 1964, als Helene und ihr Mann Josef (heute 87) in der wunderschönen Barockkirche den Bund fürs Leben schlossen. Josef Spießl war auf dem Gut Möschenfeld (Landkreis München) unter anderem als Gärtner tätig, seine Frau Helene kümmerte sich liebevoll um die Kirche, die heute zur Zornedinger Pfarrgemeinde Sankt Martin gehört. Auch der katholische Pfarrverband Vaterstetten feiert hier Gottesdienste, politisch gehört Möschenfeld zur Gemeinde Grasbrunn. Bis zu ihrem Umzug nach Baldham (Gemeinde Vaterstetten) im Jahre 1973 hat das Ehepaar selbst in Möschenfeld gewohnt. Und auch danach verging kaum ein Tag, an dem Helene Spießl nicht in dem Gotteshaus nach dem Rechten sah.

Zu Spießls Aufgaben gehörte nicht nur das Vorbereiten und Helfen bei Gottesdiensten, sondern auch das Putzen und Instandhalten der Kirche, was oft enormen Aufwand bedeutete, schließlich stammt die Kirche in ihrer heutigen Form aus dem Jahr 1632. Die Wallfahrtskirche ist sehr beliebt bei Brautpaaren und so gehörte auch das Vorbereiten der Hochzeiten zu Spießls Aufgaben. „Rekord waren einmal 64 Trauungen in einem Jahr“, erinnert sie sich. Sie kann noch viele weitere Anekdoten aus ihrer Amtszeit erzählen. Einer von vielen Höhepunkten für die engagierte Mesnerin war der Besuch von Kardinal Reinhard Marx vor drei Jahren zum Weihnachtsgottesdienst. Der Kardinal zeigte sich damals sehr beeindruckt von dem Gotteshaus und widmete seine Predigt der heiligen Ottilie als Namenspatronin der Kirche.

Vor neun Jahren wäre die Idylle in Möschenfeld aber beinahe zerstört worden, denn auf der Rodungsinsel rund um die Wallfahrtskirche sollte ein Golfplatz gebaut werden. Zahlreiche Bürger aus den Gemeinden Grasbrunn, Vaterstetten und Zorneding protestierten dagegen – mit Erfolg. „Das ist ein ganz heiliger Ort und ich bin sehr dankbar, dass wir hier so eine schöne Kirche haben“, betonte Helene Spießl bei ihrer Verabschiedung am zweiten Weihnachtsfeiertag und erntete dafür großen Applaus von den Gottesdienstbesuchern. Zornedings Pfarrer Ionel Anghel dankte ihr für ihren aufopferungsvollen Einsatz mit einem Geschenkkorb.

Spießls letzter Einsatz war dann am selben Tag im traditionellen 11.15-Uhr-Gottesdienst des Vaterstettener Pfarrverbandes. Da gab es zwar keine offiziellen Reden mehr, dafür war Bürgermeister Georg Reitsberger extra gekommen, um sich persönlich bei der beliebten Mesnerin zu bedanken.

Susanne Edelmann

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