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Nachbarin Nicole Baumann vor dem Haus, an dem die Schäden deutlich zu sehen sind.

Wohnhausbrand in Baldham

"Das war wie das Tor zur Hölle"

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Nachbarin Nicole Baumann (37) war als eine der ersten an der Unglücksstelle. Sie berichtet, wie die Bewohner aus dem Haus geholt wurden, die Feuerwehr die Flammen bekämpfte und wie den Opfern jetzt geholfen wird.   

„Das war wie das Tor zur Hölle“, sagt Nicole Baumann (37). Sie war als Nachbarin eine der ersten an der Unglücksstelle, als am Mittwoch ein Wohnhaus in der Baldhamer Frühlingstraße in Flammen stand. Früher fuhr sie als Ehrenamtliche beim Roten Kreuz Rettungseinsätze, wusste also, was zu tun war. Zuerst alarmierte Baumann die Rettungskräfte, dann machte sie sich mit einem anderen Helfer auf die Suche nach den Hausbewohnern.

Die Frau war schnell gefunden. „Jacke und Schuhe anziehen und raus. Ich habe sie einfach untergehakt und ins Freie gebracht“, erzählt Baumann. Dann suchte sie im Garten nach dem Mann. Dort stand der Schuppen, in dem das Feuer ausgebrochen war, in hellen Flammen. „Die Hitze kam mir wie eine Wand entgegen.“ Schließlich wurde auch der Eigentümer gefunden. Er war im Keller gewesen. „Dort hat er nichts gehört“, erklärt Baumann. „Die Frau hat nichts mitbekommen, weil sie schlecht hört.“

Erst ein Knall, dann ein lauter Schlag, dann stieg Rauch auf

Die Nachbarin war auf das Feuer aufmerksam geworden, als sie auf ihrem Balkon eine Zigarette rauchen wollte. „Da gab es zunächst einen Knall wie von einer Fehlzündung.“ Danach ein lauter Schlag wie eine Explosion. „Vielleicht Brandstiftung. Aber wer will denn dem Ehepaar so etwas antun?“, fragt Baumann.

Anschließend sei schwarzer Rauch aufgestiegen. „Die Feuerwehr war sehr schnell da. Die Einsatzkräfte haben sich einen Überblick verschafft und dann sofort nachalarmiert.“ Das Feuer war vom Schuppen auf das Haus übergesprungen. „Die Flammen haben sich durch die Isolierung aus Kork nach innen gefressen“, so Baumann. Dann kam die Drehleiter aus Zorneding. „Vaterstetten hat ja keine eigene.“

Durch das Dach zu kommen, sei wegen der Photovoltaikanlage sowieso schwierig gewesen. Also ging die Feuerwehr unter schwerem Atemschutz durch das Haus. Um das Feuer besser bekämpfen zu können, wurden die Scheiben im ersten Stock eingeschlagen. „Soweit ich das beurteilen kann, haben sie alles richtig gemacht“, sagt Baumann.

„Es sind viele helfende Hände da“

Wie geht es für die Betroffenen jetzt weiter? „Es sind viele helfende Hände da“, heißt es von der Familie. Mehr wollten sie derzeit nicht sagen. Das Ehepaar wird abgeschirmt. „Sie müssen jetzt erst einmal zur Ruhe kommen.“

Baumann hat Hilfe angeboten. Schließlich würden sich die Familien schon seit Jahrzehnten kennen. Zunächst hat sie Kleidung und Schuhe für die Frau bei der Familie vorbei gebracht. „Sie hatte ja gar nichts mehr.“ Aus dem Haus müsse man jetzt noch holen, was brauchbar sei. Kleidung müsse so schnell wie möglich gewaschen werden. „Sonst setzt sich der Brandgeruch fest und geht nie wieder raus.“ Laut Baumann gibt es in inzwischen Hilfsangebote von Bettwäsche über Geschirr bis zu einem Haus, in dem die Betroffenen für ein halbes Jahr leben könnten.

Glücklicherweise habe der Hauseigentümer selbst, als das Feuer gelöscht gewesen sei, Unterlagen retten können. „Die Ordner waren teilweise angekokelt oder vollkommen durchnässt“, erzählt Baumann. Im Keller sei kniehoch das Löschwasser gestanden. „Vor allem im ersten Stock besteht Einsturzgefahr.“ Die geschätzte Schadenshöhe wurde von offizieller Seite inzwischen erhöht, von 100 000 Euro auf jetzt 250 000 Euro.

Wohnhaus-Großbrand in Baldham: Die Bilder vom Feuerwehr-Einsatz

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