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V erkauf schon vor Baubeginn, allerdings nur virtuell: Mit einem besonderen Modell will der SC Baldham-Vaterstetten um Abteilungsvorstand Helmut Lämmermeier Sponsoren für den neuen Kunstrasenplatz finden.

Sportclub Baldham-Vaterstetten

Baldham: Fußballer wollen selbst bauen

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Die Fußball-Abteilung des Sportclub Baldham-Vaterstetten will nicht auf die Gemeinde warten und startet selbst 650 000-Euro-Projekt für Kunstrasenplatz.

Vaterstetten – Es war ein deutliches Votum, über das sich der Vorstand der Fußballabteilung des Sportclub Baldham-Vaterstetten, Helmut Lämmermeier, freuen konnte. Für das Projekt „Neuer Kunstrasenplatz“ gab es bei der Versammlung breite Zustimmung, keine Gegenstimme, nur einige Enthaltungen. Und das, obwohl den Mitgliedern einiges abverlangt werden wird, auch durch eine Sonderumlage. Zudem könnte der neue Platz bereits vorab verkauft werden, allerdings nur symbolisch und virtuell.

Die Abteilung will nicht warten, bis die finanziell mit anderen Großprojekten belastete Gemeinde viel Geld für den Fußball hat. Die Verantwortlichen wollen den Neubau selbst vorantreiben. Denn der Platz wird dringend benötigt, wenn der Verein sein Angebot vor allem für den Nachwuchs aufrecht erhalten will.

42 Mannschaften hat der Club derzeit im Spielbetrieb, so viele wie sonst wohl kein Verein in Bayern. Benutzen können sie drei Sportrasen-Großfeldplätze, zwei Großfeldrasenplätze, einen Kleinfeldplatz sowie zwei Kleinfeld-Trainingsflächen. Über mehrere Monate im Jahr vor allem im Winter, sind die jedoch nicht oder nur sehr eingeschränkt bespielbar.

Ein Kunstrasenplatz steht im Sporzentrum zur Verfügung. Viel zu wenig für die 42 Mannschaften, auch weil der Verein wohl nur in geringem Maße auf Hallenkapazitäten in der Gemeinde zurückgreifen kann.

Der SCBV ist ein Aushängeschild der Gemeinde. Die Fußballer erfreuen sich großen Zuspruchs. Rund 1000 Mitglieder sind derzeit eingeschrieben. Tendenz seit Jahren steigend. 850 aktive Spieler kicken in den Mannschaften, davon 550 Jugendliche und Kinder. 91 Trainer und Betreuer kümmern sich um die Teams. Dazu kommt, dass Vaterstetten weiter wächst. Allein im Neubaugebiet Nordwest werden künftig 1500 Menschen wohnen. Viele davon werden Fußball spielen wollen, so Lämmermeier.

Mit einem weiteren Kunstrasenplatz könnte man zumindest einen Teil des Problems lösen. Beispiele in anderen Gemeinden zeigten, dass ein derartiges Projekt rund 1,1 Millionen Euro koste, wenn es die Kommune selbst durchziehe, wie der Abteilungschef erklärte. Verantwortlich dafür seien formale Vorgaben. Das ist für Vaterstetten mit seiner angespannten Haushaltslage derzeit wohl nicht leistbar. Lämmermeier verwies in der Versammlung auf das Großprojekt neue Grund- und Mittelschule, das mit rund 40 Millionen Euro zu Buche schlagen soll.

In dieser Situation wollen die Fußballer selbst aktiv werden. Aus dem Rasenplatz an der B 304 im Osten von Baldham soll ein Kunstrasenplatz werden. Veranschlagte Kosten nach einer groben Kalkulation: 650 000 Euro. Um das stemmen zu können, müsste allerdings die Kommune den Fußballern das Areal mit einem günstigen Erbpachtvertrag zur Verfügung stellen. Das ist auch Voraussetzung für mögliche Zuschüsse und ein zinsloses Darlehen zu den Baukosten vom Bayerischen Landessportverband. Notwendig sei zudem eine Vorfinanzierung durch die Gemeinde Vaterstetten mit einem zinslosen Darlehen plus ebenfalls einem Zuschuss.

Durch eine Sonderumlage würde die Abteilung ihre Mitglieder heranziehen. Die Rede war in der Versammlung von 65 Euro Umlage zusätzlich zum Mitgliederbeitrag und das drei Jahre lang. Eine weitere Idee ist, Teile des neuen Platzes symbolisch zu verkaufen. Nach ersten Überlegungen könnte der Mittelkreis 13 000 Euro kosten, eine Parzelle von einem Quadratmeter 50 Euro. Die Spender würden auf einer Sponsorentafel am Umkleidehaus verewigt. Künftig würden der Abteilung nach Gegenrechnung aller Aufwendungen, Einkünfte und möglicher Einsparungen mit rund 14 000 Euro an laufenden Kosten pro Jahr belastet, inklusive der Rückzahlung der Kredite. „Das trauen wir uns zu“, so Lämmermeier,

Der Zeitplan ist sportlich. „Zügig und knackig“, wie Lämmermeier betont. Die endgültigen Entscheidungen sollen noch in diesem Jahr fallen, Baubeginn könnte dann im April 2018 sein. Nach drei Monaten soll der Platz fertig sein.

Das Projekt stieß bei den Abteilungsmitgliedern grundsätzlich auf Zustimmung. Diskutiert wurde in der Versammlung unter anderem über die Sonderumlage. Die einen wollten sie höher als die bisher geplanten 65 Euro pro Jahr ansetzen, andere gaben zu bedenken, dass die Belastung beispielsweise für eine Familie mit drei Kindern im Spielbetrieb dann doch etwas hoch werden könnte. „Es ist nichts in Stein gemeißelt“, so Vorstand Lämmermeier. Bisher gebe es nur einen Kalkulationsvorschlag mit vielen Stellschrauben. Jetzt müsse der SCBV unter anderem mit der Gemeinde Vaterstetten verhandeln.

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