Albrecht Herold (82) hatte seine Hilfe angeboten. Sein Vorschlag wurde jetzt abgelehnt. Foto: sro

Privates Seniorentaxi ausgebremst

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Baldham - Er ist mit seinem Vorschlag, kostenlos Senioren zu transportieren, nicht an sein Ziel gekommen. Die Bedenken überwogen.

Nach der Umstellung des Bussystems und damit verbundenen Einschränkung für Senioren im Dezember vergangenen Jahres, hatte Albrecht Herold (82) seine Hilfe angeboten. Er wollte eine Art „Seniorentaxi“ gründen, dafür seine privaten Autos zur Verfügung stellen, selbst fahren - und das alles kostenlos. Ältere Mitbürger sollten damit zum Arzt, ins Rathaus, zum Einkaufen oder zum Friedhof kommen können, wenn es mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu umständlich ist. Herold bat um die Unterstützung der Gemeinde. Die könne ja entsprechende Zettel aushängen und auf den neues Service hinweisen.

Das war Ende vergangen Jahres. Danach wurde Herold immer wieder vertröstet. Als er jetzt in der Bürgerversammlung in Baldham das Thema öffentlich ansprach, erlebte er eine Überraschung. Georg Kast, persönlicher Referent des Bürgermeisters, erklärte nämlich: „Die von ihnen angesprochene Lösung wird es nicht geben.“

„Ich finde das einen ganz schlechten Stil“, so Herold gegenüber der Ebersberger Zeitung. „So etwas hätte man mir doch auch persönlich mitteilen können. Wenn ich in der Bürgerversammlung nicht gefragt hätte, hätten sie wohl weiter nichts gesagt.“ Er habe ein spontanes Angebot gemacht, so Herold. So wie damit im Rathaus Vaterstetten umgegangen worden sei, sei es ganz einfach „kleinkariert“. Zwar habe man zunächst positiv auf seinen Vorschlag reagiert. Dann aber habe er nichts mehr gehört, erzählt der ehemalige Flugzeugingenieur. Nur Bürgermeister Georg Reitsberger habe einmal bei ihm angerufen und gefragt, ob sein Angebot noch stehe. „Danach war nichts mehr.“ Dennoch sieht Herold die ganz Angelegenheit gelassen. „Nein, ich bin nicht sauer.“ Es gebe aber einfach zu viele „Oberbedenkenträger“.

Kast hatte die Ablehnung des Herold-Vorschlags in der Bürgerversammlung vor allem mit rechtlichen Bedenken begründet. Bei so einem Service könne nicht jeder fahren. „Ich will ihnen ja nicht zu nahe treten“, so Kast direkt an Herold gewandt. Aber es gehe auch um die „Fahreignung“. Kast verwies darauf, dass beispielsweise für die Krankenfahrten der Nachbarschaftshilfe eine spezielle Ausbildung notwendig sei. Wenn die Gemeinde für einen wie von Herold vorgeschlagenen Service werbe, dann könne sie sich im Bereich des Strafrechts bewegen, also quasi „mit einem Fuß im Gefängnis“.

Hintergrund: Bei der Änderung der Linienführung und der Fahrpläne der Busse im Gemeindegebiet ging es im vergangen Jahr um Optimierungen und natürlich um die Finanzen. Eine Arbeitsgruppe der Gemeinderats hatte sich intensiv mit dem Thema beschäftigt. Einige Haltestellen sollten aufgegeben werde, darunter auch eine an einem Seniorenheim. Das Ergebnis stieß jedoch auf Widerstand. Es gab Proteste. Die Gemeinde reagierte. Es wurde nachgebessert. Und seitdem werden Alternativen geprüft, wie der Service zusätzlich verbessert werden könnte.

„Sie haben Bewegung in die Sache reingebracht“, bedankte sich Bürgermeister Reitsberger bei Herold. „Wir arbeiten an dem Thema.“ Man wisse das Angebot von Herold „sehr wohl zu schätzen“, so Kast. Die von Herold vorgeschlagene Lösung werde es nicht geben, möglicherweise aber eine andere. Die Gemeinde sei in Gesprächen mit den örtlichen Autoteilern. Deren Fahrzeug könnten noch besser genutzt werden. Gespräche liefen auch mit dem Seniorenbeirat-Vaterstetten. Kast gab sich zuversichtlich eine Variante gefunden zu haben, die umsetzbar ist.

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