Über den Dächern Vaterstettens: Bauamtsleiterin Tanja Debes an ihrem Arbeitsplatz. Foto: Oswald

Bauamtsleiterin im Interview: Vaterstetten verträgt keine Käseglocke

Vaterstetten - Ihr Jugendtraum ging in Erfüllung - ein Leben in München und Umgebung. Vor einem Jahr wurde Tanja Debes (44) ein Teil der Gemeinde Vaterstetten: als Bauamtsleiterin und berufsmäßige Gemeinderätin sogar ein sehr wesentlicher. Wir sprachen mit der „Neubürgerin“.

- Frau Debes, haben Sie es bereut, hierher zu ziehen?

In keiner Weise, ich fühle mich sehr wohl hier. Ich wollte schon immer Richtung München, spätestens seit einem Ausflug mit einer Jugendgruppe. München ist eine Großstadt, aber nicht so hektisch, sondern eher gemütlich.

- Sie haben eine Tochter. Konnte sie sich schon einleben?

Die ist gerade 13 geworden und hatte natürlich ihre Vorbehalte. Aber dann wurde sie von den Lehrern und vor allem den Mitschülerinnen unglaublich toll aufgenommen. Die waren ganz gespannt auf meine Tochter, die aber einen Tag später ihren ersten Schultag hatte, als es geplant war. Zur Begrüßung gab es ein großes „Hallo“ und ein Willkommens-T-Shirt! Sie geht zweimal die Woche in die Ganztagsschule und wünscht sich von mir, ein bisschen weniger Abendtermine.

- Wie kam es dazu, dass Sie sich letztlich mit Erfolg in Vaterstetten beworben haben?

Ich war im unterfränkischen Alzenau (Anm. d. R.: Einwohnerzahl ähnlich groß wie Vaterstetten, ebenfalls größte Gemeinde im umgebenden Landkreis) fast 25 Jahre im Behördendienst angestellt, seit neun Jahren eben auch als Leiterin des Bauamtes. Es war an der Zeit, sich vielleicht letztmals im Leben nach einer neuen beruflichen Herausforderung umzusehen. Da habe ich mich auf die ausgeschriebene Stelle, als Nachfolgerin vom damals scheidenden Amtsleiter Rudolf Wüst in Vaterstetten beworben.

- Es war vor Ihrer Wahl in Vaterstetten umstritten, ob die Besoldungsstufe A 14 gerechtfertigt ist …

Na ja, erstens wollte ich nicht für das gleiche Geld wie in Alzenau wechseln, zweitens gibt es meines Erachtens ja nicht so viele Bauamtsleiter, die mit einer doch so großen Delegation arbeiten. Und so weit ich weiß, wurde zunächst mit einer geringeren Besoldungsstufe nach Personal gesucht, aber eben ohne Erfolg.

- Wie sehen Sie als Leiterin des Bauamtes Ihre neuen Heimat?

Beruflich erlebe ich so etwas wie ein Dejà-vu, denn mein neuer und mein alter Arbeitsplatz liegen in Bayern, sind also verwaltungsrechtlich in etwa gleichgestellt. Ich wollte die Dinge auf mich zukommen lassen. In meiner alten Heimat war nicht viel Neues, keine wirkliche Herausforderung mehr erkennbar. Hier habe ich viel zu tun - was meine Tochter ein wenig stört - und die Aufgaben machen mir Spaß, so wie das Arbeiten hier im Team ebenfalls.

- Was sind die wichtigsten Themen Ihrer Arbeit?

Das Dauerthema Ortszentrum, das Gewerbegebiet in Parsdorf, die Gemeindefinanzen und die Gemeindeentwicklung insgesamt. Auch die Struktur im Bauamt beschäftigt mich. Ein mittelfristiges Ziel ist es, die dortige Effektivität zu erhöhen, Holprigkeiten im Ablauf zu beseitigen, um mehr Schlagkraft zu erzielen. Und es geht immer auch darum, den Gartenstadtcharakter zu erhalten und gleichzeitig die Nachverdichtung erträglich zu gestalten. Man muss bedenken, dass es in der Gemeinde eine sehr kleingliedrige Struktur gibt, aber ein hoher Siedlungsdruck besteht. Die Aufgabe lautet also: Keine Käseglocke überstülpen einerseits, andererseits den Ansprüchen - auch dem seit Jahren steigenden aus dem örtlichen Nachwuchs - gerecht zu werden.

- Haben Sie da noch Zeit für Ihre Hobbys?

Wenig…Ich spiele seit meiner Jugend Tennis, aber hier in Baldham konnte ich in diesem Jahr gerade drei Mal spielen. Ansonsten lese ich gerne oder spiele Klavier.

- Besteht noch Kontakt zu den Kollegen in Alzenau?

Ja, es haben mich hier schon welche besucht, wir sind zum Skifahren gegangen. Und ab und zu gab es auch Anfragen, wenn eine Akte vielleicht mal nicht zu finden ist…

Das Gespräch führte Oliver Oswald

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