Unter Denkmalschutz: Dieses alte Bauernhaus steht direkt an der ehemaligen Bundesstraße am westlichen Ortsrand von Zorneding. fotos: S. Rossmann

Bauruinen und Bruchbuden

Kirchseeon/Zorneding - Es gibt sie immer wieder, die Schandflecken in einer Gemeinde, verfallende Häuser oder Bauruinen. Und mancher Passant fragt sich: Warum passiert da nichts? Dahinter stecken ganz unterschiedliche Geschichten. Hier zwei Beispiele aus Kirchseeon und Zorneding.

Fall eins: Wie nackte Finger ragen direkt neben der Bundesstraße Betonsäulen aus dem Gelände, langsam vor sich hinrostendes Baueisen ist zu sehen und eine Betondecke. Darunter liegt eine Tiefgarage, die genutzt wird. Auf einem Schild wirbt eine Firma für die Vermietung der Stellplätze.

Vor langer Zeit war dort einmal ein Hotel geplant. „Nach einer Insolvenz des früheren Eigentümers wurde nach mehrmaligen vergeblichen Versuchen letztlich das Grundstück versteigert“, erklärt Kirchseeons Bürgermeister Udo Ockel. Aber warum werden nicht zumindest Büsche angepflanzt, damit man die Betonfläche nicht mehr sieht? „Der Markt kann auf eigenen Flächen das Ortsbild verbessern“, so Ockel. „Auf privaten Flächen können wir nur an die Eigentümer appellieren.“

Ersteigert haben einen Teil der Immobilie Günther und Richard Wagner, Betreiber eines nahen Autohauses. „Für das Objekt gibt es aber eine eigene Firma, die mit dem Autohaus nichts zu tun hat “, so Günther Wagner auf Anfrage der Ebersberger Zeitung. „Konkrete Pläne haben wir derzeit nicht.“ Das Problem: Es gibt eine ganze Reihe von weiteren Eigentümern, beispielsweise für die Stellplätze. „Mit denen müssen wir uns erst einigen, aber da sind wird derzeit dran.“ Diese Eigentümer seien jedoch sehr skeptisch. „Das ist auch verständlich, angesichts der Vorgeschichte“, so Günther Wagner. Dennoch ist er zuversichtlich, dass sich in absehbarer Zeit etwas bewegt auf dem Grundstück.

Fall zwei: Ein altes, verfallendes Bauernhaus in Zorneding, direkt an der ehemaligen Bundesstraße am westlichen Ortsausgang. Laut Bürgermeister Piet Mayr steht es unter Denkmalschutz. Das bestätigt auch Eigentümer Johann Gassner jun. auf Anfrage der EZ. „Wir wollten das Gebäude schon einmal wegreißen lassen, durften das aber nicht.“ Das war im Jahr 2004. Damals war das neue Wohnhaus direkt daneben fertig geworden. Seitdem hat sich kaum etwas verändert.

Der Bauernhof wurde wohl um 1830 gebaut und Anfang der 1970er Jahre unter Schutz gestellt. Die Denkmalschützer verwiesen auf die Bedeutung des Hauses. Und es hieß, eine Sanierung sei ohne großen zusätzlich durch den Denkmalschutz bedingten Aufwand möglich. Das sieht Gassner jedoch anders. „Das ist eine Bruchbude.“ Das Haus habe keine Zentralheizung, an den Wänden sei Schimmel. Eine Renovierung würde nach Ansicht von Fachleuten das doppelte eines Neubaus kosten, so Gassner. „Das ist wirtschaftlich einfach nicht darstellbar.“ Er würde das Haus dem Denkmalschutz sogar schenken. Und falls das Gebäude abgerissen würde, würde auf dem Gelände nichts Neues gebaut, sondern wohl nur ein Garten angelegt. Und Gassner fragt sich: „Wenn andere Leute im Ort ihre Häuser wegreißen durften, warum dann nicht auch ich?“

Von Robert Langer

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