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Behördenfunk: Scharfe Worte für den "Menschenversuch"

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Die Referenten auf dem Podium hatten keinen leichten Stand, 
          auch wenn Landrat Gottlieb Fauth (li.) gehofft hatte, „Emotionen rauzukriegen“. Foto: Mike Huber
Die Referenten auf dem Podium hatten keinen leichten Stand, auch wenn Landrat Gottlieb Fauth (li.) gehofft hatte, „Emotionen rauzukriegen“. Foto: Mike Huber

Grafing - Der Wunsch von Landrat Gottlieb Fauth nach Versachlichung ging nur teilweise in Erfüllung. Beim Informationsabend des Landratsamts zum digitalen Behördenfunk am Montagabend in der Grafinger Stadthalle prallten Skeptiker und Offizielle eher unversöhnlich aufeinander.

„Es ist ein Thema, das uns stark bewegt und bei dem recht emotional, ziemlich aus dem Bauch herausgespielt worden ist“, erklärte der Landrat in seiner Begrüßung. Sein Ziel: „Wir wollen die Emotionen herauskriegen.“ Dies gelang nach der gut eineinhalbstündigen Einführungsrunde mit Fachvorträgen der Projektgruppe DigiNet des bayerischen Innenministeriums, Vertretern der von ihr beauftragten Firma Telent sowie der Kreisbrandinspektion und der örtlichen Polizei nur sehr bedingt. „Wir befinden uns bei der Funkstrahlung angesichts noch ungewisser Langzeitschäden in einem riesigen Menschenversuch. Es ist zynisch, einfach so weiter zu machen. Es muss unbedingt die Bremse reingehauen werden“, forderte etwa eine Zuhörerin. Die Technik möge ja gut sein, doch müsse sie für den Menschen auch gesundheitlich verträglich gemacht werden. Dies sei ja zum Beispiel beim Thema Asbest auch gelungen. „Nur um der Sicherheit Willen wird uns die Gesundheit genommen“, schimpfte eine Diskutantin. Die gesetzlichen Grenzwerte lägen einfach zu hoch. Wie könne man eine neue Technik einführen, deren Belastung in England bereits durch Krankheitsbilder bestätigt worden sei. Auch trage nicht zum Abbau von Ängsten bei, dass auf dem Podium kein fachkundiger Baubiologe sitze, wurde kritisiert.

Richard Hanisch, Kommandant der Egmatinger Feuerwehr, drängte ebenfalls auf mehr Klarheit: „Auch wir möchten als Einsatzkräfte über die Strahlenbelastung informiert werden“, aber dennoch müsse die durch den neuen Behördenfunk versprochene höhere Einsatzfähigkeit gewährleistet werden.

Hohenlindens 2. Bürgermeister Thomas Riedl (CSU) wählte die schärfsten Worte: „Diese Veranstaltung dient Protagonisten der Elektrosmogszene doch nur zur Profilierung.“ Zur Strahlenbelastung sagte Gerhard Heindl, Mitglied der DigiNet-Gruppe und Vertreter der Firma IABG, „den Schweizer Grenzwert kriegen wir auch hin, obwohl er nur bei einem Zehntel des von der EU gesetzten Limits beträgt“. Daran hatte Thomas Riedl zuvor schon erinnert und sich darauf bezogen, dass die Strahlung nur drei bis fünf Prozent des in Deutschland geltenden Grenzwerts betrage. Glatt abblitzen ließ Florian Petz vom Innenministerium die Kritikerinnen bei der von ihnen erhofften Grenzwertdiskussion. „Es ist schwierig, mit uns darüber zu reden. Wir sind dafür nicht der richtige Ansprechpartner.“ Der sei die Bundesnetzagentur, an deren Grenzwerte sich der digitale behördenfunk selbstverständlich halte. Er könne aber nachvollziehen, dass es hier den Wunsch nach Auseinandersetzung gebe. Sein Fazit lautete: „Eine mögliche Beeinträchtigung durch elektromagnetische Strahlen steht in keinem Verhältnis zu dem Fall, dass Menschen auf der Straße sterben, denen aber geholfen werden könnte.“ Man müsse schon die Verältnismäßigkeit sehen. Schließlich gehe es bei digitalen Behördenfunk, der alle Einsatzkräfte und Sicherheitsbehörden vernetze, „um möglichst schnelle Hilfe“.

Von Eberhard Rienth

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