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Jürgen Weidlich, alias Jürgen von der Weide las der örtlichen Prominenz in der Rudolf-Obermayr-Halle in Moosach die Leviten.

Moosacher Starkbierfest

Neidaucht und neidappt

Ein Schuss Gemütlichkeit fehlte schon beim diesjährigen Starkbierfest des TSV Moosach, das erstmals in der größeren Rudolf-Obermayer-Halle und nicht im Untergeschoss im Bürgerstüberl stattfand.

Moosach Zehn Mal hatte der kleine Veranstaltungsrahmen ausgereicht, um das traditionelle Derblecken mit Fastenprediger „Jürgen von der Weide“, alias Jürgen Weidlich, durchzuziehen. Für eine Gage von „oana Hoiben Freibier“ ist der berühmte Minnesänger zu jeder Schandtat bereit. Offenbar sind entweder die zu derbleckenden Prominenten und solche, die sich dafür halten, mehr geworden, oder es muss einfach mehr Geld in die TSV-Kasse gespült werden. Schließlich will der erfolgsverwöhnte TSV-Red-Bull-Moosach nicht ewig in den Hammelklassen herumkicken. Für nächstes Jahr ist für das Starkbierfest dem Vernehmen nach die Olympiahalle im Gespräch. Allerdings hat sich an diesem wichtigsten Tag des Jahres angeblich nur ein einziger Spieler in die Derbleckerhalle getraut, nachdem mal wieder ein Spiel knapp verloren wurde.

Um das Programm hinten und vorne anzureichern wurde nicht nur die „weltberühmte“ Stoabuckl Musi (vier Bläser und ein Quetschnspieler) aus dem elitären Vorort Baumhau fürs Grobe engagiert sondern gleich zwei „hochrangige“ Comedians aus Las Vegas zwangsverpflichtet. Der junge Gitarrist Julian Wittmann aus Lengdorf konnte keinen anderen Termin vorschieben und Horst Eberl hatte auch keinen Absagegrund vorzuweisen.

Unausweichlich wurden wieder die drei „Schmerzbuam“, Andi, Michi und Rudi ins Programm eingebaut, musikalisch einigermaßen erträglich überstimmt durch das einzige Moosacher Universalgenie, Dom-Kapellmeister Ewald Reich. Dieser kann nicht nur Quetschn und Orgel sondern noch 300 Instrumente spielen, den Unterschied merkt in der Kulturhauptstadt Moosach ohnehin keiner.

Was ein ortsbekannter Geizkragen aus Baumhau, der Ghostwriter namens „Mutzi“, wieder alles im Jahresverlauf beobachtet und aufgeschrieben hatte, spottete jeder Beschreibung. Probe gefällig? Vor dem nagelneuen Kramerladen in Moosach stehen zwei Personen vor einem Kuhfladen. „Wos is denn des?“ fragt der eine den anderen. Der bückt sich, steckt den Finger rein, schleckt ihn ab und sagt: „Guat, dass ma ned neidappt san!“

Neidappt ist der Ghostwriter schon öfter mit seinen Wutgedichten, mit denen er so manche bessere Dame oder einen „VIP“ verärgert hat. Dagegen ist der „Mutzi“ immun, neidaucht werd. Auch an den ehemaligen Stadionversprecher Christian Pini Dannert wird gnadenlos erinnert. Er hat vom Sport in die freie Wirtschaft gewechselt und hat am Steinsee beim Wildmoser Heinzi das Resort Müllabführ übernommen. Andi singt: „Und da Ritter Dannert-Pini - fühlt sich am Stoasee wia a Kini, denn sein Chef läßt ihn gewähren, derf Abfalleimer jetzt entlehren.“

Der ungehobelte Franke aus Baumhau, Ex-Sport-Redakteur der Ebersberger Zeitung, schießt mit seine Flinte einfach drauf los, und trifft immer den oder die Richtigen, auch den „Vorleser“ daselbst. Michi singt: „Und der Jürgen von der Weide – is ois andere, nur ned pleite, sein Kapital san Immobilien – von Nebelberg bis nach Sizilien“. Sogar ein Schuss nach hinten ist dem fränkischen Asylanten gelungen: Rudi singt: „Ein Franke, ich glaub mich tritt ein Pferd – in diesem Jahre achtzig werd. Freibiergesichter dean umsunst frohlocken, eana bleibt der Schnabel trocken“.

Diesmal hatte es sogar Hochwürden Pfarrer Egino in die Halle geschafft, da er garantiert keine Treppe steigen musste. Selbstverständlich wurde der Sponsor und Bierologe Ludwig Gambrinus Schweiger aus dem fernen Markt Schwaben nebst seiner lieblichen Gattin und Teile seines Stammbaumes gesichtet – oder doch nicht?

Garantiert anwesend war natürlich von den einheimischen Großkopferten, Bürgermeister Prinz Eugen Gillhuber, Moosachs Ehrenbürger Sigi Eisenschmid und TSV-Ehrenvorsitzender Sepp Stimpfle, alle zur Sicherheit in Begleitung ihrer besseren Ehehälften. „Fastnacht in Franken“ und „Mainz wie es stinkt und kracht“ sind Trauerspiele gegen ein Moosacher Starkbierfest, schon allein wegen der „Frauen von Moosach“, diese holden Wesen, die Krönung der Schöpfung, die das Leben der Moosacher versüßen. Andi singt: „In Moosach ist es guter Brauch, dass uns‘re lieben Frauen auch – ihren süßen Schnabel wetzen und die hoibe Welt verpetzen“.

Um es nicht zu übertreiben, zuletzt eine Hommage an die Schmerzbuben, die man ohne Schmerz nicht ertragen kann: Ewald selbst singt: „Es gibt garnix, was wir nicht haben, Regensburg hat die Sängerknaben, München hat die Auer Dult, mir ham die Schmerz-Buam – selber Schuld“. Nach der „Moosach-Hymne“ des TSV ging auch dieses Starkbierfest ohne Rauferei zu Ende.

Von Otto Hartl

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