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Am Stelltisch regelt Fahrdienstleiter Klaus Hopp im Stellwerk Markt Schwaben den Zugverkehr. An den Lämpchen erkennt er, welche Gleise gerade belegt sind.

Viel Konzentration trotz aller Routine

Von Beruf Fahrdienstleiter – er versteht mehr als nur Bahnhof

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Markt Schwaben - Seit der Tragödie von Bad Aibling ist der Beruf des Fahrdienstleiters vielen ein Begriff. Aber was genau macht ein Fahrdienstleiter eigentlich den ganzen Tag? Zu Besuch bei Klaus Hopp im Stellwerk von Markt Schwaben.

Es leuchtet und blinkt auf dem Stelltisch von Klaus Hopp. Der 57-Jährige steht vor dem grauen Ungetüm mit dem wunderbaren Namen „SpDrS60“ und grübelt. Durch das große Glasfenster seines Stellwerks sieht er den Bahnhof Markt Schwaben (Landkreis Ebersberg), an dem die S-Bahnen und Regionalzüge halten. Aber eigentlich braucht er das Fenster gar nicht, denn Klaus Hopp erkennt an den fingernagelgroßen Lämpchen vor sich, welcher Zug gerade einfährt.

Doch Hopp hat auf seinem Stelltisch etwas entdeckt, das ihm nicht gefällt. Ein Dreieck-Lämpchen, das eigentlich leuchten sollte, es aber nicht tut. Er greift zum Magneten und hebt damit eines der grauen Plättchen – ein sogenanntes Tischfeld – heraus. „Hab ich’s mir doch gedacht“, murmelt Hopp und greift hinter sich in eine Schublade. Nur eine Lampe ausgebrannt. Alles in Ordnung auf der Schiene.

Auf der Schiene alles in Ordnung halten

Das ist Klaus Hopps Aufgabe: Auf der Schiene alles in Ordnung halten. Hopp lebt in Taufkirchen an der Vils im Landkreis Erding und ist von Beruf Fahrdienstleiter. Wenn er seine Arbeit gut macht – und das tut er seit 43 Jahren, wie sein Chef sagt – dann bekommt der Fahrgast davon nicht allzu viel mit. Aber wehe, eine Weiche spielt mal nicht mit. Dann wird auf Bayerns Bahnsteigen wieder geschimpft. Selbst wenn der Fahrdienstleiter gar nichts dafür kann.

„Es reicht schon, wenn ein Eisbrocken von einem Zug in die Weiche fällt“, sagt Klaus Hopp. Kommt immer wieder mal vor. Selbst wenn die S-Bahn nur über ein Parallel-Gleis einfahren möchte, kann da in Hopps Stellwerk schnell ein rotes Lämpchen aufleuchten. „Flankenschutz“ heißt das Zauberwort. Keine Weiche darf so gestellt sein, dass ein anderer Zug auf das genutzte Gleis einfahren könnte. Sonst herrscht Stillstand. Weichenstörung. Verspätung. Ärger bei den Fahrgästen. Bis die Weichenheizung den Eisklotz zum Schmelzen gebracht hat. Oder das Räumpersonal auf der Strecke eingreifen kann.

Mehr als 12.000 Fahrdienstleiter sind bei der Deutschen Bahn im Einsatz. In deutschlandweit rund 3000 Stellwerken stellen sie die Weichen und setzten Signale, um den Zugbetrieb so reibungslos wie möglich am Laufen zu halten. In mechanischen Stellwerken werden die Signale und Weichen noch per Hand über Hebel und Drahtzüge gestellt, während bei elektronischen Stellwerken schon ein Mausklick reich. Fast die Hälfte aller Stellwerke machen aber nach wie vor die Relaisstellwerke mit Stelltisch aus. Wie das von Klaus Hopp in Markt Schwaben. Baujahr: Anfang der 70er-Jahre. „Sie sind das Rückgrat für unseren Eisenbahnbetrieb“, sagt Klaus Hopps Chef Alois Huber, Bezirksleiter Betrieb bei der DB Netz.

Lampen, Knöpfe und Gleispläne

Ein normaler Fahrgast versteht hier vor lauter Lampen, Knöpfen und Gleisplänen nur Bahnhof. Hopp aber versteht damit den Bahnhof. In Markt Schwaben ist das gar nicht so leicht, denn der Abschnitt, für den Hopp zuständig ist, ist ein Nadelöhr. Aus Norden und Osten kommen die S-Bahnen aus Erding sowie die Züge aus Mühldorf, dazu der Güterverkehr. Im Westen geht es ab Markt Schwaben zweigleisig weiter in Richtung München. Rund 250 Züge lotst Hopp in einer Schicht durch seinen Streckenabschnitt. Jedem einzelnen muss er per Knopfdruck Einfahrt und Ausfahrt erlauben.

Dafür braucht es trotz aller Routine viel Konzentration. Was passieren kann, wenn man abgelenkt ist, hat das tragische Zugunglück von Bad Aibling gezeigt. „Als ich davon gehört habe, habe ich natürlich auch an meinen Kollegen dort gedacht“, sagt Hopp. „Jeder von uns hofft, dass nicht irgendwann der Tag X kommt.“ Der Tag, an dem etwas passiert. „Zu 99,9 Prozent übernimmt aber die Anlage die Sicherheit“, sagt Alois Huber. Und Hopps Handy? Steckt ausgeschaltet in der Jackentasche.

Trotz der großen Verantwortung macht Klaus Hopp sein Beruf noch immer Spaß. „Ich mag es, alleine zu arbeiten. Langweilig wird mir hier nie.“ Außerdem sei sein Job krisensicher. „Wir Fahrdienstleiter werden immer gebraucht, 24 Stunden am Tag.“ Die Bahn sucht nach wie vor nach Auszubildenden – und auch nach Quereinsteigern.

Lesen Sie auch: Acht Landräte in der Region nennen ihre S-Bahn-Visionen für 2050.

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