Weihnachtsgeschichte im Voralpenland: Weil Franz Kisters nie nach Betlehem kam, verlegte er die Weihnachtsgeschichte kurzerhand nach Ebersberg, umrahmt von der Alpenkette, wie sie vom Aussichtsturm aus zu sehen ist. foto: Sro

Bethlehem ist in Ebersberg

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Ebersberg - Zum ersten Mal gibt es in der Kreisstadt einen „Krippenweg“, an dem sich 50 Geschäfte und Lokale beteiligen.

„Ich brauche Platz in Ihrem Schaufenster, aber dafür müssen Sie mir Geld geben.“ Dass er auf dieses Anliegen eine so positive Resonanz von den Ebersberger Geschäftsleuten bekam, ist für Franz Kister, Krippensammler aus Leidenschaft, die größte Weihnachtsfreude.

Zur Teilnahme am ersten Ebersberger Krippenweg musste er keinen der Ladeninhaber lange überreden. „Von den 50, die ich angesprochen habe, haben fast alle sofort mitgemacht“, erzählt der 75-Jährige begeistert. Nur dank des großen Engagements aller Beteiligten sei es möglich gewesen, die Ausstellung mit 50 Stationen in der ganzen Stadt ins Leben zu rufen und die Flyer und Plakate zu finanzieren.

Die Hauptarbeit schulterte Kisters selbst: Aus der ganzen Region trug er die unterschiedlichsten Darstellungen der Geburt Christi zusammen. Die Leihgaben von Künstlern, Firmen und Krippensammlern sowie aus seinem eigenen Bestand verteilte er an die Läden, die nun mitmachen. Kisters stellte bereits in den vergangenen acht Jahren Krippen in Ebersberg aus. Nun geht er mit seiner dezentralen Idee neue Wege.

Nicht nur unter religiösen, auch unter künstlerischen Gesichtspunkten eine spannende Sache: Unter den Ausstellungsstücken sind viele Kleinode und Besonderheiten. Eine „Buchkrippe“, zum Beispiel, oder eine „Dachbodenkrippe“ aus Kriegszeiten, die aus einfachsten Materialen gefertigt wurde, und in ihrer Schlichtheit besonders den Geist der Weihnachtsgeschichte repräsentiert.

Manche haben zu ihren Ausstellungsstücken auch eine ganz persönliche Beziehung. Eine Ladeninhaberin erzählt, wie sie zu ihrer Hochzeit vor 25 Jahren die Figuren des heiligen Paars mit Kind bekam. Eine „Einstiegsdroge“: Über die Jahre sind es dutzende Hirten, Engel, Könige und Tiere geworden, die nun das Schaufenster zieren.

Andere Installationen spiegeln das Produkt des Ladens wider, in dem sie ausgestellt sind: Im Schaufenster des Wolladens umsorgen Strickpuppen das Jesuskind, in der Bäckerei ist der Bethlehemer Stall aus Lebkuchen nachgebildet. Alle Krippen sind öffentlich zugänglich und beschriftet, meistens können sie im Schaufenster bewundert werden, so übrigens auch bei der Ebersberger Zeitung.

Der Krippenweg endet mit einem Eigenwerk Kisters am Schlossplatz: Die „Ebersberger Stadtkrippe“ hat er in jahrelanger Arbeit gestaltet und zusammengetragen, um sie dann der Kreisstadt zu schenken. Das Lieblingsstück des Sammlers befindet sich aber gleich an der ersten Station: In der Gärtnerei Weber liegt allein das Jesuskind, gebettet auf eine große Baumwurzel. „Für mich ist das eine wunderbare Symbolik“, erklärt Kisters: „Alles Leben kommt aus der Erde und geht dorthin zurück, auch Jesus ist Mensch geworden und hat diesen irdischen Kreislauf durchlebt.“

Der Ebersberger Krippenweg ist vom 28. November bis zum 3. Januar ausgestellt und wird mit dem Christkindlmarkt eröffnet. Er erstreckt sich über rund 2 Kilometer durch die Innenstadt. Einen detaillierten Lageplan erhalten Sie in den teilnehmenden Geschäften und Lokalen, die mit Plakaten auf die Aktion hinweisen.

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