Erst ein paar Reden, dann ein paar Schnittchen: Gäste der Eröffnungsfeier der „Speisekammer“ am Dienstag in Ebersberg. Foto: Jürgen Rossmann

Betreuungszentrum: Drei auf einen Streich

Ebersberg - Alle unter einem Dach. Das gibt es bei amerikanischen Großfamilien. Und jetzt auch bei der Ebersberger Zweigstelle des Einrichtungsverbunds Steinhöring.

Über 40 Menschen mit psychischen Leiden, die in neun Arbeitsbereichen beschäftigt sind, werkeln nicht mehr auf mehrere Standorte verteilt, sondern nebeneinander im ehemaligen Rewe-Gebäude in der Bahnhofstraße in Ebersberg.

„Wir sparen Zeit und Geld“, sagt Sebastian Gruber, Leiter der Werkstätten des Einrichtungsverbundes Steinhöring. Ihm gefällt es, dass die drei Standorte, die der Einrichtungsverbund seit 2008 in Ebersberg hat, nun eine Gemeinschaft bilden. Dazu ist insgesamt mehr Platz. „Wir haben lange nach einem so großen Gebäude gesucht“, sagt Gruber. „Drei in eins!“

Der Montage-Bereich, die Kerzenzieherei und die Verpackungs-Station waren in der Ignaz-Perner-Straße daheim. In der Nachbarschaft, in der Sieghartstraße, werkelten die Beschäftigten in der Digitalen Archivierung. Auch Verwaltung, Sozialpädagogik und Psychologie waren dort untergebracht. Weit draußen arbeiteten Lasertechnik, Kartonagenherstellung und Metallverarbeitung: In der Anzinger Straße im Gewerbegebiet. Jetzt haben alle Arbeitsbereiche die gleiche Anschrift.

„Alles ist soviel einfacher“, sagt Gruber. „Die Transportwege fallen weg oder sind kürzer.“ Außerdem können die Beschäftigten nun größtenteils selbstständig zu ihrem Arbeitsplatz gelangen. Schließlich ist der S-Bahnhof Ebersberg einen Steinwurf entfernt. Ein großer Teil der Betreuten wohnt außerdem im Haus Moossteffl, das ebenfalls um die Ecke liegt. „Außerdem ist die Kommunikation untereinander jetzt einfacher“, sagt Gruber. Das Telefon steht öfters still. „Sich gegenüber sitzen ist mir lieber“, sagt er. „Besprechungen mit Kollegen können jetzt ganz spontan sein.“

Auch in der Mittagspause geht keine wertvolle Zeit mehr verloren. „In Zukunft essen wir vor Ort und müssen nicht mehr in eine Wirtschaft fahren“, sagt Gruber: „Zur Zeit wird gerade ein neuer Bereich gestaltet: die Hauswirtschaft.“ Der neue Arbeitsbereich wird eine Verteilerküche betreiben. Bereits zubereitete Mahlzeiten werden angeliefert, die von den Hauswirtschaftlern gegebenenfalls noch verfeinert, vervollständigt und warmgehalten werden, bis das ganze Haus satt ist.

Satt werden sollen auch die Gäste der „Speisekammer“, die am Dienstag eröffnete. Das kleine, ökologische Bistro ergänzt die Werkstätten. „Wir bieten verschiedene Mittagsgerichte, Frühstück, Kaffee und Kuchen und kleine Speisen an. Auch vegetarisch“, sagt Gruber. Die „Speisekammer“ bietet Platz für etwa 25 Gäste. Hinter der Theke werden auch Menschen mit Behinderung bedienen.

Seit dem Umzug hat die Einrichtung wieder Kapazitäten frei. „Bisher sind 42 Leute beschäftigt. Wir haben jetzt aber Platz für 60“, sagt Gruber euphorisch. Für die Beschäftigten soll die Einrichtung in Ebersberg eine Hilfe sein. Sie sollen nach ihrer individuellen Psycho-Therapie wieder zurück ins Arbeitsleben finden. „Die Betroffenen sind bei uns zum Teil nur kurzfristig und manchmal viele Jahre lang tätig“, sagt Gruber.

Carolin Nuscheler

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