Thomas Unkelbach vor seiner Anlage. Foto: jro

Aus Biomasse wird schwarzes Gold

Parsdorf - Der Komposthofbetreiber Thomas Unkelbach (33) aus Hergolding errichtet mit seiner Firma „Geiger Pflanzenkohle und Energie“ Deutschlands erste Karbonisierungsanlage zur Verkohlung von Reststoffbiomasse. Das teilte der Unternehmer am Montag mit.

Ein absolut neuartiges und innovatives Konzept werde somit in die Praxis umgesetzt. Die Inbetriebnahme der Anlage ist für Januar 2014 geplant.

Entscheidend für die Umsetzung war für den Landwirt Thomas Unkelbach eigenen Angaben zufolge die „Sinnhaftigkeit“ des Vorhabens. Der wichtigste Bestandteil ist die Karbonisierungsanlage, die in Parsdorf steht. Das neuartige Verfahren dient der dezentralen Nutzung von Biomasse und Abfallstoffen sowie der Produktion von Pflanzenkohle. Somit entstehte ein völlig neuartiger Weg, die vorhandenen Gartenabfälle aus dem Landkreis Ebersberg sinnvoll und innovativ zu verwerten.

Mit mineral- und kohlenstoffhaltiger Pflanzenkohle werden seit jeher Böden fruchtbar gemacht. Die Pflanzenkohle kann durch ihre hohe Speicherkapazität für Nährstoffe zu einem langfristig wirkenden Bodenverbesserer eingesetzt werden. Unkelbach: „Die Einlagerung des in der Pflanzenkohle dauerhaft gebundenen Kohlendioxids in den Böden ist zum derzeitigen Stand der Technik der einzige Weg, Treibhausgase langfristig in signifikanter Menge aus der Atmosphäre zu entziehen. Mittels der Karbonisierung lassen sich aus je zwei Tonnen Grünschnitt rund eine Tonne CO2 dauerhaft der Atmosphäre entziehen. Alle Energieaufwendungen wie der Transport des Grüngutes, dessen Zerkleinerung, der Betrieb der Anlage sowie das Einbringen der Pflanzenkohle in den Boden sind dabei bereits berücksichtigt.“

Und so funktioniert die Anlage: Der Brennstoff gelangt über eine Dosiereinrichtung in den Reaktor und wird dort auf bis zu 800°C erhitzt. Hierbei wird das Material nicht verbrannt, sondern verkohlt - sprich karbonisiert. Dabei entstehen Gase, die anschließend im Brenner bei 1250°C vollständig verbrennen. Durch die Verbrennung sind sehr geringe Abgasemissionen möglich. Die dabei gewonnene Wärme beheizt die Reaktoren und steht danach zur Nutzung zur Verfügung.

Die verwendete Biomasse besteht aus Gartenabfällen (Baum- und Strauchschnitt, Laub, Grüngut). Das heißt, die Biomasse ist schon vorhanden und muss nicht extra dafür angebaut werden. Somit entsteht laut Unkelbach keine Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Bisher habe diese Biomasse auf Grund ihrer Feuchtigkeit oder aufgrund des hohen Stickstoffgehalts nicht energetisch genutzt werden können. Die Pflanzenkohle werde in der Landwirtschaft eingesetzt und diene zur Verbesserung der betrieblichen Stoffkreisläufe. Unkelbach: „Ein positiver Effekt über mehrere Nutzungskaskaden ist dabei möglich. Wird die Kohle verfüttert, nimmt sie Giftstoffe im Verdauungstrakt auf (wie Aktivkohle) und verbessert somit den Gesundheitszustand der Nutztiere. Der Einsatz von Antibiotika kann dadurch enorm verringert werden.“ Wenn die Kohle auf diesem Wege in die Gülle gelangt, nehme sie währenddessen eine große Menge an „flüchtigen“ Stickstoff auf. Somit erhöhe sich der Düngewert dieser Gülle enorm. Positiver Nebeneffekt für die Umwelt: Nitratauswaschungen in das Grundwasser würden verringert, ebenso die Ausgasungen von Ammoniak bzw. Lachgas. Die Einsatzmöglichkeiten von Pflanzenkohle umfassten eine große Palette. ez

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