Volles Haus: Der Grafinger Stadtrat tagte diesmal vor großem Publikum. Foto: Jürgen Rossmann

Es bleibt dabei: Straße soll unter Niveau

Grafing - Der Grafinger Stadtrat steht auch der geänderten Ostumfahrung weiterhin sehr kritisch gegenüber und fordert eine Verlegung der Trasse „möglichst unter Niveau“. Das ist das Fazit aus der jüngsten Sitzung, in der die vorgelegte Tektur des Straßenbauamts m diskutiert wurde.

Die Straßenplaner hatten sich sichtlich Mühe gegeben. Eingeklemmt zwischen schützenswertem Brandgraben und Grundwasserspiegel sahen sie sich zahlreichen Änderungswünschen aus der aufgebrachten Bürgerschaft gegenüber. „Die Tektur hat den Umfang einer Neuplanung“, meinte deshalb der Grafinger Bauverwaltungsleiter Josef Niedermaier. Der Stadtrat hatte vor einem Jahr die Prüfung alternativer Trassen verlangt. Diese Alternativen verbrauchen allesamt mehr Grund und sind wesentlich teurer. Dem aktuellen Stadtratsbeschluss: „Aufgrund des Ergebnisses des Bürgerentscheides ist die geplante Ostumfahrung auf der Plantrasse gegenüber den untersuchten Trassenalternativen grundsätzlich zu bevorzugen“, stimmten am Dienstagabend nur die Grünen nicht zu. Alle anderen Stadtratsmitglieder waren dafür, also bleibt’s vorerst dabei.

Alle Stadträte fühlten sich hingegen dem Ergebnis des Bürgerentscheides verpflichtet und beschlossen deshalb einstimmig: „Es wird eine Straßenführung möglichst unter Geländeniveau mit verbessertem Lärmschutz gefordert.“ Heinz Fröhlich (Grüne) äußerte die Befürchtung, dass das Wörtchen „möglichst“ den Druck von den Straßenplanern nehmen könnte. Auf Antrag von Susanne Linhart (CSU) wurde die Forderung nach einem Flüsterasphalt in den Beschluss aufgenommen. Einstimmig aufrechterhalten hat der Stadtrat seine Forderung nach einer Fußgängeranbindung des Ortsteiles Schönblick. Offen blieb dabei, ob das mit Über- oder Unterführung geschehen soll, obwohl Susanne Linhart meinte: „Ich hätte lieber eine Unterführung, sonst haben wir wieder ein Riesenbauwerk.“

Eine längere Debatte gab es zur Anbindung der Sportstätten an die neue Straße. Um die sicherzustellen, müsste die Kommune schnellstens einen entsprechenden Bebauungsplan vorantreiben. „Diese Anbindung ist ein völliger Schmarrn, das ist nur ein Schleichweg zur Ostumfahrung“, formulierte Martin Peters (Grüne) seine Bedenken, obwohl seine Fraktionssprecherin Angelika Obermayr meinte: „Die Anbindung hat Charme“.

Die Meinungen gingen weit auseinander. Stadtrat Josef Pollinger (CSU): „Wenn wir schon eine neue Straße bauen und dann die Sportstätten und das Eisstadion nicht anbinden, ist das ein Schildbürgerstreich.“ In der Abstimmung unterlagen die Grünen sowie Regina Offenwanger und Olaf Rautenberg (beide SPD) den Befürwortern einer Anbindungsstraße.

Was passiert, wenn diese Forderungen durch das Straßenbauamt Rosenheim nicht erfüllt werden? Dafür gab es einen mehrheitlichen Vorratsbeschluss: „Wird die Planung im Wesentlichen nicht verändert, lehnt die Stadt Grafing die Planung ab und wird dagegen rechtliche Schritte einleiten.“

Vor der Abstimmung hatte Martin Peters gefordert, statt von rechtlichen Schritten gleich von Klageerhebung zu reden. Da waren aber nur neun Stadträte dafür – also abgelehnt.

Von Michael Seeholzer

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