Fast zu klein war der Heckerbräusaal In Grafing für die Besucher, die Angst haben vor den Auswirkungen, die der Bau der Zulaufstrecken zum Brenner-Basis-Tunnel für die Bürger im Landkreis mit sich bringen wird. Links der SPD-Bundestagsabgeordnete Ewald Schurer, der zu der Informationsveranstaltung eingeladen hatte. Foto: jro

Brenner-Basis-Tunnel: Bundestagsabgeordneter fordert Bürgermeister auf: "Rührt's euch!"

Landkreis Ebersberg - Wie schlimm wird’s? Der Bundestagsabgeordnete Ewald Schurer (SPD) hat in Grafing im Heckerbräu über mögliche Lärmbelastungen an der Bahnlinie München-Rosenheim informiert, wenn der Brenner-Basis-Tunnel gebaut wird. Es war ein deutlicher Aufruf an die anwesenden Rathauschefs, mit Lärmschutzforderungen für die Bürger nicht zu bescheiden zu sein.

Hauptbetroffene wären die Kommunen Vaterstetten, Zorneding, Kirchseeon, Grafing und Aßling.

Die Bürgerbeteiligung, so Schurer, habe bisher so ausgesehen: „Zuerst war sie für 2012 vorgesehen, dann für 2013, und jetzt für 2014.“ Geschehen sei bisher nichts, das Bundesverkehrsministerium habe es versäumt, den notwendigen politischen Druck gegenüber der Bahn aufzubauen, kritisierte Schurer Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU). Immerhin bekomme die Deutsche Bahn für Infrastrukturmaßnahmen vom Steuerzahler jedes Jahr zehn Milliarden: „Wer zahlt schafft an“, so der SPD-Abgeordnete, der keinen Zweifel daran ließ, dass die Zulaufstrecken zum Brenner-Basistunnel die Eisenbahnbaumaßnahme mit den größten Auswirkungen auf den Landkreis Ebersberg „seit hundert Jahren“ werden wird.

Schurer hält es für höchstwahrscheinlich, dass die Strecke von Rosenheim nach Grafing-Bahnhof viergleisig ausgebaut werden wird, was einen Bürger aus Schammach zu der Frage animierte, warum jetzt „Brücken gebaut werden, auf denen nur ein Gleis Platz hat“. Der Mann wohnt in Schammach 90 Meter von der Bahnlinie entfernt und weiß deshalb genau, was Bahnlärm ist. Alle fünf bis sieben Minuten rauscht ein Güterzug an ihm vorbei und mit dem Brenner-Basistunnel werden es deutlich mehr, kündigte Schurer an. Der Bundestagsabgeordnete hält die Ertüchtigung der Eisenbahnlinie aber insgesamt für ökologisch sinnvoll und richtete einen Appell an die anwesenden Bürgermeister Rudolf Heiler, Udo Ockel und Piet Mayr aus Grafing, Kirchseeon und Zorneding, mit ihren Lärmschutzwünschen lautstark aufzutreten. Der Abgeordnete verwies darauf, dass auf österreichischer Seite bereits eine Milliarde Euro in Einhausungen und Schienenausbau investiert worden seien. Dem Nachbarstaat sei es damit gelungen, eine erhebliche Summe an Fördermitteln aus der EU abzugreifen, während in Deutschland die Planung bisher aus einem schwarzen Filzstrich auf einer Karte bestehe.

Der Zeitdruck, der dadurch entstehe, so erkannte ein Bürger, könne dazu führen, „dass der Lärmschutz hinten runterfällt.“ Wie die Strecke ab Grafing-Bahnhof Richtung München ausgebaut werden soll, steht derzeit in den Sternen, weil zusätzliche Gleise infolge der dichten Bebauung kaum mehr Platz haben. Schurer warnte die Bürger, an eine Tunnellösung zu glauben. Die sei zu teuer. Aber: „Der Landkreis muss massiv Forderungen an die Bahn stellen“, sagte der SPD-Abgeordnete und verwies auf den Landkreis Rosenheim und die Gemeinden im Inntal: „Die haben gesagt; Ihr baut’s, aber ihr baut’s zu unseren Konditionen und haben sich damit durchgesetzt.“, Rainer Kurzmeier vom Fahrgastverband Pro Bahn wandte in der Versammlung ein, dass der Brenner-Basistunnel aufgrund konstruktionsbedingter Mängel gar nicht so stark von den Frächtern angenommen werden wird, wie prognostiziert. „Die Schweizer sind schon weiter. Der Brenner-Basis-Tunnel kommt zu spät.“ Schurer erläuterte, dass sich im Frachtverkehr seit dem Jahr 1960 eine Verfünzehnfachung des Volumens ergeben habe. Er forderte von der Bahn ab Frühjahr eine Internetseite, auf der öffentlich dargestellt werden soll, wie weit die Planungen seien.

Von Michael Seeholzer

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