Wo ist hier Platz für zwei zusätzliche Gleise? Im Bild die Eisenbahntrasse auf Höhe von Kirchseeon. Foto: Stefan Rossmann

Brenner-Basistunnel: Bürgermeister rotten sich zusammen

Landkreis - Es sind die zusätzlichen Gleise und der Tunnel zwischen Trudering und Grafing zum Brennerbasistunnel, die derzeit Aßlings Bürgermeister Werner Lampl (CSU) mit Sorge erfüllen. Er will eine konzertierte Aktion seiner Amtskollegen im Landkreis starten.

In der jüngsten Sitzung des Aßlinger Gemeinderats kündigte Lampl eine Bürgermeisterrunde an. „Denn wir haben bis jetzt so gut wie keine Informationen.“ Mit manchem Kollegen hätte er schon darüber gesprochen. Mit den anderen will er nach den Sommerferien reden, um eine gemeinsame Zusammenkunft zu verabreden.

Bekannt ist Lampl bislang nur, dass in Ostermünchen ein Ausweichgleis geplant sei. Und eben der Tunnel zwischen Trudering und Grafing. Was aber in dessen Anschluss, also bei Aßling geschehen solle, das sei eher nach dem „Nach-mir-die-Sintflut-Prinzip“ noch unterm Deckel.

Dabei müsse davon ausgegangen werden, dass mit zwei weiteren Gleisen für den Zubringer zum Brenner-Basistunnel „die Grundstücke des Aßlinger Bahnhofsgebäudes und des dortigen Park&Ride-Platzes wieder in Betracht gezogen werden“. Die hat Aßling erst vor wenigen Jahren der Bahn abgekauft. Lampl sprach deshalb von einer „möglicherweise anstehenden Rückabwicklung“ des damaligen Geschäfts. Dies sei immerhin denkbar, aber noch nicht von Rechtsanwälten geprüft.

Schließlich gehe es dann auch um das Geld, das Aßling in die Liegenschaften investiert habe. „Im Endeffekt wissen wir gar nichts“, so Lampl der damit gleichzeitig den Informationsstand der anderen Bürgermeister der betroffenen Anliegergemeinden im Landkreis schildert. Außer, dass die Zulaufstrecke bis 2026 fertiggestellt sein solle. Deshalb wolle er sich mit seinen „Bürgermeisterkollegen zusammensetzen“.

Lampls Ziel: Bezogen auf den Landkreis auch so etwas wie die Arge Transitverkehr unter ihrem Vorsitzenden und Rosenheimer Landrat Josef Neiderhell zu installieren. Denn das Treffen am 4. Juli, zu dem die Arge eingeladen hatte, hat Lampl imponiert: „Die Inntalbürgermeister waren ziemlich aufgebracht.“ Für Gespräche über die neue Planung haben sie aktive Lärmschutzmaßnahmen zur Bedingung gemacht. Und um die geht es Lampl auch im Falle Aßlings, ebenso wie die anderen Bürgermeister um die Lebensqualität in ihren Kommunen fürchten. Bis Januar seien bei dem Arge-Treffen vom Bundesverkehrsministerium genauere Informationen versprochen worden. Bis dahin will Lampl auch strategisch zusammen mit Vaterstetten, Zorneding, Kirchseeon und Grafing gerüstet sein.

Laut nachgedacht hat auch schon Kirchseeons Bürgermeister Udo Ockel (CSU). In der jüngsten Ausgabe des gemeindlichen Mitteilungsblattes „Kirchseeon aktuell“ widmete er den Aufmacher diesem Thema.

Auch Ockel sieht die Lage so wie Lampl, dass „wir im Augenblick noch nicht agieren können, wenn wir nicht sämtliche über unser Gebiet verlaufenden Trassen ablehnen wollen“. Eine solche Verweigerungshaltung ist aber für den Kirchseeoner Bürgermeister indiskutabel: „Das hielte ich für nicht besonders glaubwürdig und schon gar nicht zielführend.“ Denn gegen einen Tunnel, der außerhalb der bebauten Gebiete bergmännisch errichtet werde, sei „nicht viel vorzubringen“.

Ockel dürfte also auf jeden Fall einer der Bürgermeister sein, die Lampls Initiative begrüßen beziehungsweise seiner Einladung auch folgen werden.

Von Eberhard Rienth

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