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Nach Entscheidung zum Brenner-Nordzulauf: Entsetzen in Region Ebersberg - „Schlag ins Gesicht der Bürger“

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Von: Josef Ametsbichler, Michael Acker

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Die geplante Brücke Richtung am Brenner-Nordzulauf in Richtung Ostermünchen.
Die geplante Brücke Richtung am Brenner-Nordzulauf in Richtung Ostermünchen an der Landkreisgrenze. © Bahn

Die Entscheidung der Bahn zum Brenner-Nordzulauf sorgt in der Politik des Landkreises Ebersberg für Entsetzen. Sowohl Abgeordnete als auch Landrat und Bürgermeister sind stocksauer.

Landkreis – Die CSU-Abgeordneten im Bund, Andreas Lenz und im Land, Thomas Huber sowie Landrat Robert Niedergesäß (CSU) kritisieren in einer gemeinsamen Erklärung das Vorgehen und die Entscheidung der Bahn scharf. Es sei nicht hinnehmbar, dass die Bahn stets betone, Entscheidungen würden gemeinsam mit der Region getroffen werden und dann passiere genau das Gegenteil.

Brenner-Nordzulauf Ebersberg: Landtagsabgeordneter - „Ein Schlag ins Gesicht der Bürger“

„Die Entscheidung der Bahn ist ein Schlag ins Gesicht der Bürger und aller Beteiligten, die sich in den letzten Jahren für eine landschafts- und bürgerverträgliche Lösung eingesetzt haben“, so Huber. Landrat Niedergesäß verweist auf die entsprechenden Beschlusslagen sowohl der betroffenen Kommunen als auch des Landkreises. „Der Landkreis hat sich überparteilich klar positioniert, die Punkte wurden ignoriert, dieses arrogante Verhalten der Bahn einem ganzen Landkreis gegenüber können wir nicht akzeptieren.“

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Die Öffentlichkeitsbeteiligung sei in dieser Form eine Farce, die man sich sparen könne, so Lenz. Die Mitglieder des Dialogforums würden so nicht ernst genommen, es sei letztlich schade um die Zeit der engagierten Mitglieder, wenn die Bahn dann keinerlei Argumente aufgreife. „Infrastrukturprojekte kann man nur mit, nicht gegen die Bevölkerung durchsetzen.“

Nach Trassen-Entscheid: Grafings Bürgermeister - Golfplatz Elkofen wird das nicht überleben

Auch in den betroffenen Gemeinden gewittert es: „Ich bin entsetzt“, sagt etwa Grafings Bürgermeister Christian Bauer und kündigt an, dass sich Protest gegen die Entscheidung der Bahn formieren werde. „Eisendorf, Pfadendorf und Oberelkofen sind eingekesselt, der Golfplatz in Elkofen wird das nicht überleben“, sagt Bauer über die Ortsteile im Süden, die zwischen Neubau- und Bestandsstrecke liegen. Darüber hinaus werde es bei letzterer am Lärmschutz fehlen.

Brucks Bürgermeister Schwäbl: Schlimme Landschaftszerschneidung

Brucks Bürgermeister Josef Schwäbl, einer der beiden Initiatoren der Bürgertrasse „Türkis“ sagt: „Mit Rücksichtnahme auf die Landschaft und die Landwirtschaft hat das nichts zu tun.“ Er werde sich das Prüfungsergebnis der Bahn genau ansehen. Enttäuscht, dass sein Vorschlag nicht zum Zug kam, wittert auch Schwäbl grobe Landschaftszerschneidung: „Schlimm, das hätte man vermeiden können.“

Brenner-Nordzulauf Ebersberg: Limone ist „noch die verträglichste Lösung“

Der Einzige Mandatsträger, der gegenüber der EZ nicht gegen die Bahn wettert, ist Aßlings Bürgermeister Hans Fent. Auch wenn er von Erleichterung nichts wissen will: ihm bleiben zwei neue Gleise im Ort erspart. „Aßling ist immer betroffen“, sagt er über die fünf Varianten. Unter den vier Bahn-Vorschlägen sei dabei „Limone“ noch die verträglichste . „Die Bahn hat sich Mühe gemacht“, betont Fent. „Ich sehe das sehr sachlich, jetzt müssen wir das Beste daraus machen.“  

Landtagsabgeordnete Doris Rauscher (SPD): Das Ergebnis ist sehr unbefriedigend

„Das Ergebnis ist sehr unbefriedigend für die Menschen in der Region. Es macht mich schon ein wenig fassungslos, wieso die Entscheidung nicht auf die bestandsnahe Lösung mit richtig gutem Lärmschutz gefallen ist“, sagt die Ebersberger SPD-Landtagsabgeordnete Doris Rauscher. Sie bemängelt neben der fehlenden Berücksichtigung des Bürgerwillen auch die drohenden großen Eingriffe in die Natur: „Die Einschnitte sollen quer durch die Landschaft gehen – ein Unding, wenn gleichzeitig allerorten von Umwelt- und Naturschutz gesprochen wird!“ 

Für die Sozialpolitikerin und Kreisrätin heißt es nun kämpfen: „Die Entscheidung der Deutschen Bahn ist gefallen, Vorteile lassen sich nur schwer erkennen. Nun müssen wir auf politischem Wege versuchen zu retten, was man noch retten ist!“

Nach Trassen-Entscheid der DB: Grünen-Landeschef von Sarnowski ist froh, „dass es jetzt weitergeht“

Grünen-Kreisrat Thomas von Sarnowski, der auch Landeschef seiner Partei ist, begrüßt dagegen, „dass es jetzt endlich weiter geht“. Auf Facebook schreibt er: „ Ich selbst wohne im Landkreis Ebersberg und weiß, dass der Eingriff in die Landschaft schmerzlich ist, auch für mich. Aber er ist nötig. Umso wichtiger war es, dass für die Entscheidung alle möglichen Trassen und ihre Vor- und Nachteile gründlich und neutral bewertet wurden.“

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