Birnenförmig ist der Planungskorridor, der laut Online-Tool der Bahn für die zwei neuen Gleise infrage kommt. Er umfasst Kernorte und Gemeindebereiche von Aßling, Bruck und Grafing. In der topografischen Karte sind farbig „Raumwiderstände“ wie Siedlungen und Schutzgebiete markiert. Zwischen „Start“ und „Ziel“ können Bürger Trassenvorschläge einzeichnen, eine Schablone gibt den Kurvenradius vor, in Grau sind die bestehenden Gleise eingezeichnet.
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Birnenförmig ist der Planungskorridor, der laut Online-Tool der Bahn für die zwei neuen Gleise infrage kommt. Er umfasst Kernorte und Gemeindebereiche von Aßling, Bruck und Grafing. In der topografischen Karte sind farbig „Raumwiderstände“ wie Siedlungen und Schutzgebiete markiert. Zwischen „Start“ und „Ziel“ können Bürger Trassenvorschläge einzeichnen, eine Schablone gibt den Kurvenradius vor, in Grau sind die bestehenden Gleise eingezeichnet.

Bahn sammelt Trassenvorschläge

Brenner-Nordzulauf im Landkreis Ebersberg: Bürger sollen zwei neue Gleise einzeichnen

  • Josef Ametsbichler
    VonJosef Ametsbichler
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Zwei neue Gleise durch den Landkreis Ebersberg: Das plant die Bahn für den Brenner-Nordzulauf. Bei der Trassensuche sollen die Bürger mithelfen - und ihre Vorschläge zeichnen.

Landkreis - Das Mega-Projekt Brenner-Nordzulauf wird den Landkreis Ebersberg verändern: Zwei neue Gleise plant die Bahn zwischen dem mittlerweile feststehenden Anschlusspunkt bei Ostermünchen (Kreis Rosenheim) und dem Bereich Grafing-Bahnhof. Wo genau sie verlaufen werden, sei noch offen, sagen die Planer. Entlang der bestehenden Gleisen ist das Terrain ein Problem: zu steil, zu kurvig. Der transeuropäische Mega-Gleiskorridor von Skandinavien bis ans Mittelmeer soll möglichst durchgängig mit 230 Stundenkilometern und Zuglängen von bis zu 740 Metern befahrbar sein. Der Nordzulauf des Brennerbasistunnels ist davon ein Puzzlestück.

Bei der Suche nach einer Handvoll Trassenvorschläge, die in die engere Auswahl kommen, bittet die Bahn nun die Bürgerinnen und Bürger um Mithilfe. „Keiner kennt die Region so gut wie die Menschen, die dort leben“, sagte Bahn-Planer Dieter Müller am Montag bei einem Pressegespräch. Er ist der Projektleiter für den Trassenabschnitt Ostermünchen–Grafing-Bahnhof Wer mithelfen möchte, kann seinen Trassenvorschlag nun in eine eigens dafür programmierte Online-Karte einzeichnen. Jeder ist aufgerufen mitzumachen und jede Einsendung werde von den beauftragten Planungsbüros geprüft, verspricht die Bahn. Vorschläge, die grundsätzlich baubar, genehmigungsfähig und wirtschaftlich seien, flössen in die Expertenplanungen mit ein.

Bahn zum Brenner-Nordzulauf: Gute Erfahrungen mit Bürgerbeteiligung

Mit der Bürgerbeteiligung habe man bislang gute Erfahrungen gemacht, sagt Projektleiter Müller. Als Beispiel nennt er die in die Planung aufgenommene Innunterquerung bei Fischbach–Nußdorf, die auf einen Bürgervorschlag zurückgehe. „Ich bin gespannt auf die Vorschläge.“ Bis 15. September ist das Planungstool auf der Website der Bahn zum Brennernordzulauf freigeschaltet.

Als Hilfsmittel gibt der Konzern den Bürgern eine Kartierung der sogenannten Raumwiderstände an die Hand: Eingezeichnet sind Areale der Kategorien I bis VI – je nachdem, wie schwierig es ist, dort Gleise zu verlegen. So entspricht landwirtschaftliche Fläche der niedrigen Widerstandsklasse II, während Landschaftsschutzgebiete oder Kapellen-Standorte in die mittlere Klasse IV fallen. Rot eingezeichnet (Stufe VI) sind beispielsweise Baudenkmäler wie Schlösser oder geschlossene Siedlungsgebiete. Zudem können die Nutzer des Tools Anmerkungen eintragen und über eine Schablone prüfen, ob ihr Vorschlag den Mindest-Kurvenradius von 2,85 Kilometern einhält.

Brenner-Nordzulauf im Landkreis Ebersberg: Anschlusspunkt bei Grafing-Bahnhof noch unklar

Zwischen Grafing-Bahnhof und München soll der Brennernordzulauf dank technischer Aufrüstung mit den bestehenden Gleisen auskommen. Wo der Anschlusspunkt der neuen Gleise liegen soll, vorzugsweise südlich aber möglicherweise auch nördlich des Zughalts Grafing-Bahnhof, müsse die Planung zeigen, so DB-Konzernsprecher Anton Knapp. „Es gibt keine rote Linie“, sagt Abschnitts-Chef Müller darüber, inwieweit dies den südlichen Gemeindebereich Kirchseeon berühren könnte. Man stehe planerisch am Anfang.

Planungen für neue Gleise: Vor allem Gemeindebereiche von Aßling, Bruck und Grafing berührt

Protest aus den Gemeinden

Nach Aßlinger Vorbild wenden sich die Gemeinden Bruck, Grafing und Kirchseeon mit einem gemeinsamen Schreiben an Bahn und Verkehrsministerium, das der EZ vorliegt: Sie fordern, dass durch den Brennernordzulauf keine Verschlechterung beim Personennahverkehr entsteht, außerdem bestmöglichen Lärmschutz auch an der Bestandsstrecke sowie eine niedrigere Durchfahrgeschwindigkeit als die geplanten 230 Stundenkilometer. Wunsch sei eine Tunnellösung oder ein Trassenbau entlang der bestehenden Gleise. ja

Einiges verrät die interaktive Karte aber bereits über den Aktionsradius, mit dem die Bahn plant: Zeichnen können die Bürger nur innerhalb eines birnenförmigen Raums, der im Westen Bruck und Berganger (Gemeinde Baiern) umfasst und im Osten Emmering knapp ausklammert, Aßling, Grafing und Straußdorf aber einschließt.

Bis Ende des Jahres will die Bahn Experten-Pläne und Bürgervorschläge in mehrere Grobtrassen gießen. Unter diesen sollen die Planer 2022 die endgültige, „beste Trasse“ auswählen.

Zum Online-Planungstool der Bahn gelangen Sie über diesen Link.

Der EZ-Kommentar zum Thema: Durchsichtige Maltherapie

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