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Unterm Windrad in Hamberg trafen sich am Wochenende Radlfahrer, um sich über den Klimawandel zu informieren. Die Energieagentur hatte eingeladen.

„Die Zukunft beginnt mit dir“

Klimaschutz-Festival unterm Windrad

Unterm Windrad in Hamberg (Gemeinde Bruck) haben sich Menschen getroffen, denen der Klimawandel nicht egal ist. Menschen, die etwas tun wollen.

Bruck – Weißblauer Himmel über sanft hügeliger Landschaft, bunt blühende Blumenstreifen am Straßenrand für Bienen. In der Luft eine leichte Brise, die mächtigen Flügel des Windrades bewegen sich langsam. „Die Zukunft beginnt mit dir“, rief die Energieagentur Ebersberg-München Bewohnern beider Landkreise zu und lud ein, mit dem Radl zum zweiten EBERMUC-Festival nach Hamberg/Bruck zu kommen.

Trotz sanfter Brise brennt die Sonne bereits am frühen Vormittag heiß auf die Rücken der vielen Menschen, die mit ihren Rädern in Richtung Windrad strampeln. „Großer Gott wir loben Dich“ – unter freiem Himmel spielt die Glonner Musi zum feierlichen Te Deum. „Verzeihe uns den Umgang mit unserer Erde“, bittet Pater Egino, Seelsorger im Pfarrverband, den Schöpfer um Vergebung. Durch die gesamte Feldmesse nimmt der Geistliche energisch den Klimaschutz in die Mitte und fordert, notwendige Veränderungen weiter anzuschieben.

Mehr Öffentlichkeit schaffen

„Die Veranstaltung unter dem Windrad ist ein weiterer Betrag, um noch viel mehr Öffentlichkeit und Bewusstsein für Klimaschutz zu schaffen“, sagt Benjamin Hahn am Stand der Energieagentur, er ist der Pressesprecher der Energieagentur. Bis zum Jahr 2030 wollen der Ebersberger und der Münchner Kreis frei von fossilen Energieträgern sein.

„In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst“, forderte Kirchenvater Augustinus Aurelius, Heiliger, Philosoph und Bischof von Hippo. Brennen die Menschen für den Klimaschutz? Vertrauen sie den Politikern und deren Zielen angesichts einer bereits sengenden Sonne? „Wer von Euch hier glaubt, dass der Landkreis Ebersberg die Klimaziele erreichen wird, bis zum Jahr 2030?“ Nur etwa die Hälfte der Menschen hebt im Bierzelt unter dem Windrad die Hand auf die Frage von Moderator Fritz Lietsch. Fassungslosigkeit in den Gesichtern der beiden Landräte Robert Niedergesäß (Ebersberg) und Christoph Göbel (München), die auf der Bühne des Festzeltes stehen. Göbel gewinnt die Fassung schneller wieder, zeigt sich zuversichtlich. „Ich glaube, dass wir die Klimaziele bereits 2028 erreichen.“

Meteorologe: Es wird noch viel schlimmer

„Es gibt hier einen Menschen, der als achtjähriger Bub damit begann, täglich das Wetter aufzuzeichnen, das macht er nun seit 35 Jahren – der Bub bin ich“, stellte sich der Grafinger Meteorologe Björn Walz den Zuhörer vor und berichtete über seine Erkenntnisse. „Es ist dramatisch – gegenüber den Werten von vor 50 Jahren haben wir im Landkreis Ebersberg eine Erwärmung von 1 bis 1,5 Grad“, informiert Walz weiter. „Normal waren früher fünf heiße Sommersonnentag mit über 30 Grad, die fünf Tage haben wir allein in diesem Monat Juni bereits erreicht.“ Walz berichtet über den Rückgang an Regenfällen im Landkreis in Frühjahrs- und Sommermonaten von bis zu 40 Prozent. „Das wird noch intensiver werden“, so der Metereologe – als Hintergrund gibt er Erwärmungen von 5 bis 7 Grad in der Arktis an, mit denen trockene Sommer und zugleich extremste Starkregenfälle einhergehen.

Lesen Sie auch: SPD: Landkreis Ebersberg soll Klimanotstand ausrufen

Trotz düsterer Prognosen im Zelt gibt es entlang des Weges zurück zum Fahrradparkplatz Optimismus und Aktivitäten. Energiewirt Manuel Herzog (28), zuständig für den Vertrieb von regenerativem Strom beim Eberwerk, sieht sich als Sinnstifter, heute ist er mit dem E-Auto „Eberflitzer“ hier. Aus Oberpframmern ist eben ein große Radlergruppe angekommen, sie will die vielen Kilometer, die Pframmern beim Stadtradeln 2018 erzielte, in diesen Jahr noch toppen. Irmengard Schöndorfer (62) trat fast zwei Stunden in die Pedale, um von Hohenlinden (25 Kilometer) zum EBERMUC zu kommen. Gesamt werden die Fahrräder jetzt weniger, die Sonne brennt wohl zu heiß. Keine Spur von Brise mehr in der Luft.

Susann Niedermaier

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