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Martin Bachmeier (66), der früher beim Vermessungsamt beschäftigt war und heute im Ruhestand ist, sammelt mit großer Leidenschaft Meterstäbe – 1903 hat er bereits.

Martin Bachmeier aus Nebelberg

Maßlos? Keineswegs!: Dieser Brucker sammelt Meterstäbe

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Martin Bachmeier aus Nebelberg in der Gemeinde Bruck hat ein ausgefallenes Hobby: Er sammelt Meterstäbe. Ein Besuch bei einem ganz und gar nicht Maßlosen.

Ordnung muss sein: Die Meterstäbe sind akkurat an der Wand der Garage befestigt.

Bruck – Wie er genau zu seinem Hobby gekommen ist, das weiß Martin Bachmeier aus Nebelberg nicht mehr ganz genau. Irgendwann einmal hat er jedenfalls mit ein paar Exemplaren angefangen, deren Auswahl damals noch ganz dem Zufall überlassen blieb. Die meisten landeten zuerst einmal achtlos auf dem Rücksitz seines Autos und waren eher „Zufallsbekanntschaften“ von diversen Baustellen. „So 60 bis 70 Stück waren das“, erinnert er sich zurück. Das war vor etwa 15 Jahren. Der 66-Jährige sammelt Meterstäbe. Gerade hat der Ruheständler wieder einmal Inventur gemacht. Das Ergebnis: Inzwischen hortet er genau 1903 Meterstäbe, viele doppelte gar nicht mitgerechnet. Die liegen aufgestapelt in mehreren Kästen in seiner Garage und sind „zum Tauschen“. An der Wand hingegen fein säuberlich und alphabetisch aufgereiht: Alle Exemplare vom Anfangsbuchstaben „A“ bis „L“ und geordnet nach den Aufdrucken der jeweiligen Firmen, die damit Werbung für sich machten. Die Stücke mit den Buchstaben „M“ bis „Z“ lagern aus Platzmangel inzwischen in der nebenliegenden Garage, in der Bachmeiers Frau Elisabeth eigentlich ihren Wagen stehen hat.

Eigentlich ist die Sammelleidenschaft für Meterstäbe bei Bachmeier nicht ganz so weit hergeholt, wie es auf den ersten Blick scheint. Denn das berufliche Leben des 66-Jährigen war tatsächlich von Maßeinheiten bestimmt. Von 1975 bis 2017 war er im Vermessungsamt Ebersberg tätig. Als er aus der Behörde ausschied, bekam er zum Abschied natürlich einen speziellen Meterstab mit seinem Namensaufdruck. „Den haben die Kollegen extra anfertigen lassen“.

Hobby seit sechs Jahren

Seit etwa sechs Jahren betreibt der Nebelberger sein Hobby „intensiv“, wie er beschreibt. Inzwischen müsste er für seine Sammelleidenschaft manchmal aber sogar das Haus nicht einmal verlassen. „Die Leute bringen mir Meterstäbe vorbei“, berichtet der Rentner. Zum Beispiel von Josef Noder, Vorsitzender des Kreisfischereivereins Ebersberg, hat er einen bekommen. Der ist nur einen Meter lang, was keine Fehlschlüsse zulassen sollte auf die Größe der Fische, die Vereinsmitglieder aus dem Steinsee ziehen.

Auch an den Stammtischen im Landkreis hat sich das ungewöhnliche Hobby des 66-Jährigen herumgesprochen, der gehört hat, dass es von der B & O-Gruppe in Bad Aibling einen Meterstab gibt, der drei Meter lang sein soll. „So einen habe ich noch nicht in der Sammlung“, zeigt Bachmeier reges Interesse.

Sprachliche Unterschiede

Wenn Spaziergänger zufällig einen Blick in die Garagen der Familie Bachmeier werfen können, ist das Interesse sofort geweckt. „Da haben sie aber viele Zollstöcke!“ habe neulich einer gemeint, berichtet Bachmeier, der den Zaungast an der Sprache unschwer als „Zuagroasten“ erkannte. Tatsächlich gibt es auch beim Meterstab sprachliche Unterschiede, die Grenze liegt ungefähr auf der Höhe von Würzburg. Nördlich davon heißt das archaische Messwerkzeug „Zollstock“, südlich davon bis weit in den österreichischen Raum hinein „Meterstab“.

„Gliedermaßstab“

Der „Gliedermaßstab“ hat seinen Siegeszug recht bald begonnen. 1889 fand der „Klappmeter“ auf der Weltausstellung in Paris große Beachtung. Nicht selten überdauern die Meterstäbe in Bachmeiers Sammlung die Firmen, für die sie einmal hergestellt wurden. Den Eisenwarenladen Arnold in Grafing gibt es nicht mehr. Zu seinem 300-jährigen Bestehen war ein Meterstab produziert worden, der jetzt Bachmeiers Sammlung ziert. Er stammt aus einer Zeit, in der alteingesessene Geschäfte in Grafing noch dreistellige Telefonnummern hatten.

„Erfindungs-Zollstock“

Auch einen „Erfindungs-Zollstock“ hat Bachmeier unter seinen Raritäten. Jeder Zentimeter, beginnend mit dem Jahr 1801, erinnert auf ihm an ein Ereignis, zum Beispiel daran, dass in diesem Jahr „Volta seine Batterie Napoleon vorstellte“. Bei Weitem nicht alle Exemplare sind so tiefschürfenden Inhalts. Auf manchen steht einfach „Mit Klöpfer klappt’s“ oder „Wer hier klaut stirbt!“ Auch Aufdrucke mit leicht bekleideten Damen gibt es.

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Wer den Betrieb auf Baustellen etwas näher kennt, der weiß selbst, dass ein Handwerker selten am Abend mit demselben Meterstab wieder heimkommt, mit dem er am Morgen ausgerückt ist. Egal. Verfahren wird nach dem Motto: Hauptsache ist, dass jeder einen hat. Und eines ist für Bachmeier eine Unsitte: Mit dem Meterstab eine Bierflasche aufmachen. Bei häufigerem Gebrauch dieser Art stimmt nämlich das Maß nicht mehr. „Das geht gar nicht“, sagt der Nebelberger Sammler, der ein Pendant in Baden-Württemberg hat. Den Mann dort hat Bachmeier schon besucht und sich ausgetauscht. „Der hat 10 000 Meterstäbe. Die hat er sich sogar an die Decke genagelt“, meint der 66-Jährige bewundernd.

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