Maria und Helmut Deuschl auf ihrem Hanffeld
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Maria und Helmut Deuschl auf ihrem Hanffeld: „Wir haben eine Nische, das probieren wir aus.“

Ein Besuch auf der Cannabis-Plantage

Cannabis-Plantage ganz legal: Die Hanfbauern von Taglaching

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
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Einen Hektar Cannabis baut das Ehepaar Deuschl aus Taglaching auf seinem Feld an. Ganz legal. Ein Besuch.

  • Familie Deuschl aus Taglaching baut Hanf an.
  • Was sie tun, ist ganz legal.
  • Trotzdem schaut schon mal die Polizei vorbei.

Bruck – Helmut Deuschl stapft sein Feld entlang, in dem sich die Cannabis-Pflanzen sanft im Wind wiegen. Der 37-Jährige bückt sich nach vorn und greift mit zwei Fingern einen Stängel, der von vielfingrigen, grasgrünen Blättern gesäumt ist. „Jetzt war schon wieder einer da“, sagt er. Die Hanfpflanze vor ihm ist kurz unter der Blüte gekappt. Unbekannte haben sie geklaut. Deuschls Frau Maria (33), die neben ihm steht, sagt: „Das gibt keinen Rausch nicht.“

Nach Marihuana riecht das Hanffeld nicht

Das Landwirts-Ehepaar aus Taglaching (Gemeinde Bruck) steht zwischen seinen Cannabis-Pflanzen, die zu Abertausenden schulterhoch auf dem einen Hektar großen Acker stehen. Beide müssen trotz des Ärgers über die Diebe schmunzeln. Nach dem typischen süßlich-schweren Marihuana-Geruch schnuppert man auf dem Feld vergeblich. Rauchen müsste man einen ganzen Müllsack von dem, was die Deuschls da züchten, um einen Marihuanarausch zu spüren. Bis dahin droht eher eine Rauchvergiftung. Diebstahl also sinnlos.

Auch wenn es so aussieht: Die Deuschls sind keine Drogenbauern. Sondern welche, die sich immer wieder was trauen. Sie haben vor ihrem Obermoahof in Taglaching den ersten Frischmilchautomaten im Landkreis Ebersberg aufgestellt. Sojabohnen bauen sie an, für ihre 50 Milchkühe samt Nachzucht. In ihrem Hofladen gibt es selbst gemachten Käse und Eier, Öle, Essig, Kartoffeln aus der Region. Und nun also Cannabis, direkt neben ihrem Sonnenblumenfeld.

„Wir haben eine Nische, das probieren wir aus.“

Helmut Deuschl, Cannabis-Bauer

„Wir haben eine Nische, das probieren wir aus“, sagt der Bauer. Aus den inzwischen so langsam reifenden Blütenständen vor ihm will er im Herbst die Samen dreschen lassen. Daraus lässt sich nussig-schmackhaftes Hanföl pressen. Geschält wiederum schmecken die Samen, wie Nüsse, im Müsli. Und vielleicht findet sich für die getrockneten Faserreste noch ein Abnehmer, der daraus Kleidung oder Seil herstellt. Für die Biogas-Anlage wäre das robuste Material zu schade. „Früher war das eine Superpflanze“, sagt Bauer Deuschl. Doch fiel sie wegen ihrer Rauschwirkung in Ungnade, ab 1929 war Cannabis in Deutschland verboten.

Seit 1996 ist der Anbau von Nutzhanf hierzulande wieder erlaubt. Aber im Ebersberger Land sind die Deuschls mit ihrer Direktvermarktung Pioniere. In der Fläche hat sich die Pflanze bisher nicht durchgesetzt – wohl auch wegen der strengen Regeln. So darf sie nicht mehr als 0,2 Prozent THC-Gehalt aufweisen – das ist der psychoaktive Wirkstoff, der die getrockneten Blüten als Marihuana zur Droge macht. Beim Saatgutkauf müssen die Deuschls Sorte und Samenmenge registrieren lassen, damit die Behörden ein Auge auf die suspekte Pflanze haben können. Außerdem wird das Landwirtschaftsamt bald nachmessen, ob der Deuschlsche Hanf wirklich nicht als Rauchzeug geeignet ist.

Hanffeld: Plötzlich steht die Polizei vor der Tür

Hanfanbau hat hierzulande halt doch noch was Verruchtes. Das bekam Maria Deuschl zu spüren, als neulich zwei Streifenwagen und ein ziviles Einsatzfahrzeug der Polizei vor dem Obermoahof standen. Die Polizisten, die an der Türe klingelten, ermittelten auf eine anonyme Anzeige hin: Ein Unbekannter hatte das Hanffeld der Deuschls bemerkt und offenbar die Geschäfte eines aufstrebenden Drogenbarons gewittert. Weil die Deuschls das Feld gepachtet haben, stieg das Landwirtschaftsamt nicht gleich dahinter, dass die Hanfplantage ordnungsgemäß angemeldet und völlig legal war. Zum Glück konnte die Bäuerin mit den entsprechenden Genehmigungsunterlagen die angerückte Polizei davon schließlich überzeugen.

Mit dem hochwertigen Saatgut gehen die Deuschls als Cannabis-Neulinge ein gewisses Risiko ein, das wissen sie. Doch lohnen soll es sich spätestens, wenn im eigenen Hofladen die ersten Flaschen Hanföl „Made in Taglaching“ stehen. Wie es dann weitergeht, lassen sie auf sich zukommen. In ihrem Feld zuckt Maria Deuschl mit den Schultern und sagt: „Es ist und bleibt eine Nische.“ Wird schon werden. Die Deuschls haben sich halt mal wieder was getraut.

Schon wieder: Cannabis gedeiht prächtig am Grafinger Marktplatz

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