„Ich bin total gerührt, wie viele Menschen es gibt, die am Wohl nicht mehr wirklich nutzbarer Tiere interessiert sind“: Regina Peter, Chefin der Alten Mühle in Bruck mit Hengst Artus.
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„Ich bin total gerührt, wie viele Menschen es gibt, die am Wohl nicht mehr wirklich nutzbarer Tiere interessiert sind“: Regina Peter, Chefin der Alten Mühle in Bruck mit Hengst Artus.

„Ihr habt uns den Arsch gerettet“

Gnadenhof-Tieren drohte wegen Corona Tötung: Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst - „Bin total gerührt“

Vor einem Monat stand der Gnadenhof in Bruck noch vor dem Aus, nun sieht er eine Überlebens-Chance. Viele Menschen öffneten ihre Herzen und spendeten.

Bruck – Vor einem Monat stand der Gnadenhof in Bruck noch vor dem Aus, nun sieht er eine Überlebens-Chance. Wesentlich dazu beigetragen haben Leserinnen und Leser unserer Zeitung, die nach einem Bericht ihre Herzen öffneten und großzügig spendeten.

Bruck: Gnadenhof ging wegen Corona das Geld aus - Welle der Hilfsbereitschaft rettet die Tiere

Regina Peter, Leiterin der „Alten Mühle“, erinnert sich an die Situation Ende November 2020: „Seit dem ersten Lockdown im Frühjahr hatten wir keine Einnahmen mehr.“ Reitstunden für Kinder, therapeutisches Reiten und weitere Kursangebote waren untersagt. Der Gnadenhof, der sich um verletzte und geschändete Tiere bis zu ihrem Ende kümmert, musste aber trotzdem die Pferde, Schafe, Hunde und Katzen weiter füttern und versorgen. „Es sah so aus, als ob wir keine Zukunft haben“, sagt Peter.

Dieser Bericht unserer Zeitung öffnete die Herzen zahlreicher Tierfreunde, die der Alten Mühle halfen.

Dann erschien der Artikel über den Hilfeschrei in unserer Zeitung. Auf einmal glühten die Drähte: „Es gab sehr viel Anteilnahme, sehr viele E-Mails, Anrufe, direkte Besuche mit Futterspenden und noch mehr Futterspenden.“ Bis jetzt sei der Privatbetrieb damit beschäftigt, die vielen hundert Spenden, Anrufe und Patenschaftsanfragen zu bearbeiten.

Corona-Hilfeschrei von Gnadenhof in Bruck: Große Anteilnahme - und jede Menge Spenden

Viele kamen von weit her, um sich einen persönlichen Eindruck des Hofes zu machen, berichtet die Chefin. Jedes Pferd habe mittlerweile mehrere Patenonkel und -tanten bekommen. Sobald es pandemiebedingt wieder möglich ist, dürfen die Spender ihre „Patenkinder“ dann besuchen und mit ihnen eine Runde spazieren gehen.

„Ich bin total gerührt, wie viele Menschen es gibt, die am Wohl nicht mehr wirklich nutzbarer Tiere interessiert sind“, sagt die Regina Peter. Vielen Menschen, die sonst wegen Zeit und Geld daheim kein Tier halten können, werde durch die Patenschaft dazu die Möglichkeit gegeben. Jetzt können diese Leute sagen: „Ich habe ein Tier, dem ich helfen kann“, erzählt sie. „Wir versuchen die Patenschaften so zu verteilen, dass jeder Mensch mit seinem Paten-Tier Zeit verbringen und eine persönliche Beziehung herstellen kann“, so Peter.

Gnadenhof-Chefin: „Ich bin total gerührt, wie viele Menschen es gibt, die am Wohl nicht mehr wirklich nutzbarer Tiere interessiert sind“

Die Beziehung von Mensch zu Tier ist laut der Leiterin für beide Seiten wichtig: „Auch den Pferden fehlt der Kontakt zu Menschen“, bemerkt sie. Neuerdings kämen die Pferde neugierig an den Zaun, wenn Spaziergänger Halt machen, früher schenkten sie diesen wenig Beachtung. Gleichzeitig freut sie sich den Kindern sagen zu können, dass auch im Frühjahr ihr Pony noch auf sie warte.

Einfahrt zum Gelände der Alten Mühle in Bruck, wo Tiere ihr Gnadenbrot erhalten. 

„Diese Botschaft hätte ich ihnen vor ein paar Wochen noch nicht geben können, das macht mich schon sehr glücklich“. Seit den drei Wochen ist der Familienbetrieb samt Steuerberaterin nun damit beschäftigt, sich einen Überblick über die Spendengelder und Anfragen zu verschaffen. Das Futterhaus ist gefüllt, nötige Rücklagen für Operationen und medizinische Eingriffe sind endlich vorhanden.

Bruck: Gnadenhof verschafft sich nun einen Überblick über die Spendengelder

„Ihr habt uns den Arsch gerettet“, sagt sie lachend. Ohne die Öffentlichkeit hätten sie nicht gewusst, was sie machen hätten sollen. Nun habe der Hof eine Zukunft. Generell sei durch den Spendenaufruf das Bewusstsein für Gnadenhöfe gestiegen: „Viele merken, dass ihnen unser Hof zu weit weg ist, aber es einen ähnlichen in ihrer Nähe gibt“, erinnert sich Peter.

Auch im Landtag befasse man sich nun mit dem Thema, erklärt die Leiterin. Und dank vieler neuer Kontakte und Patenschaften kann der Hof in der nächsten brenzligen Situation sagen: „Wir stehen nicht mehr alleine da, sondern können jetzt jemanden fragen, wenn es brennt“.

Ob die Corona-Abstandsregeln eingehalten werden, kontrollierte die Polizei kürzlich auf den Schlittenhügeln im bayerischen Landkreis Ebersberg. In einem Fall griffen die Beamten ein. Dafür haben nicht alle Verständnis. Immer auf dem Laufenden bleiben über das, was in der Region geschieht, mit der Ebersberger Zeitung.

(Raffael Scherer)

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