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Kommen bald Wasserbüffel? Erste Pläne für Brucker Moos vorgestellt

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Von: Michael Seeholzer

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Wasserbüffel im Brucker Moos
Wasserbüffel wie diese und anderes Großvieh sollen schon bald im Brucker Moos grasen. Bis zu 54 Tiere stark soll die Herde werden. Damit wird ein ganzjähriges Beweidungsprojekt gestartet. © Stefan Roßmann

Naturschutzbehörde und Landschaftspflegeverband stellen außergewöhnliches Beweidungsprojekt auf Ökoausgleichsflächen vor.

Bruck – Im Brucker Moos ist bald was los! Wenn die Pläne der unteren Naturschutzbehörde und des Landschaftspflegeverbandes Realität werden – wonach alles aussieht – werden hier vielleicht bald Wasserbüffel und anderes Großvieh grasen. Bis zu 54 Tiere stark soll die Herde werden. Auf vom Landratsamt Ebersberg zusammengehamsterten Ökoausgleichsflächen wird ein ganzjähriges Beweidungsprojekt gestartet, das in dieser Größenordnung nicht schnell seinesgleichen hat in Bayern. Es umfasst 54 Hektar.

Noch vor ein paar Wochen herrschte vor allem beim Brucker Wasser- und Bodenverband Skepsis (wir berichteten). Die Angst, das Moos könnte durch ein Beweidungsprojekt wieder „absaufen“, sind aber offensichtlich etwas in den Hintergrund getreten, wie ein Infoabend im Ebersberger Sparkassensaal deutlich machte. Zu ihm hatten die Untere Naturschutzbehörde und der Landschaftspflegeverband eingeladen. Es erschienen zahlreiche Landwirte und Jäger, um sich das Vorhaben genau erklären zu lassen. Aufgetaucht sind Sorgen wegen der neuen Besucherströme, der Sicherheit, dass die Tiere friedlich bleiben, auch wenn sie Kälber haben, und der Jägerschaft, die sich vielleicht nicht mehr traut, ein erlegtes Reh oder einen Fuchs aus dem Gatter zu holen. Der Zaun wird immerhin eine Länge von acht Kilometern haben, berichtete Biodiversitätsberaterin Amelie Vießmann, die erste Details vorstellte.

540 Euro pro Hektar Ausgleichsfläche

Morgennebel über dem Brucker Moos, das schon jetzt einigem Freizeitdruck ausgesetzt ist.
Morgennebel über dem Brucker Moos, das schon jetzt einigem Freizeitdruck ausgesetzt ist. © Stefan Rossmann

Die Jagd auf Füchse müsse stattfinden, sonst haben die Wiesenbrüter, die es bis jetzt noch nicht gibt, kleine Chance, sagte Karem Gomaa, Vorsitzender der Kreisgruppe Ebersberg im Landesjagdverband. „Die Wiesen sind leider artenarm“, räumte Vießmann wörtlich ein. Die Wildbergung aus dem Gatter war Gegenstand mehrerer Anfragen. Die Stimmung jedenfalls hat sich gedreht. Es ist Interesse an einer Teilnahme vorhanden.

Die 54 Hektar werden pachtfrei an Landwirte vergeben, die dafür an einer Ausschreibung teilnehmen müssen. Pro Hektar werden maximal 540 Euro Förderung fließen. Bis zu drei Bauern könnten hier zum Zug kommen, wurde informiert, wenngleich Josef Erl von der Naturschutzbehörde deutlich machte. „Ein einziger Ansprechpartner wäre uns am liebsten.“ Erl versicherte den Bauern noch einmal wörtlich: „Dritte dürfen nicht geschädigt werden“ durch das Projekt.

Mähen sollen Tiere selbst übernehmen

In Ebersberg wurden Jäger und Landwirte über das Vorhaben im Brucker Moos informiert.
In Ebersberg wurden Jäger und Landwirte über das Vorhaben im Brucker Moos informiert. © PETER KEES

Schon einmal hat eine Idee des Landschaftspflegeverbandes zusammen mit der Solidargemeinschaft Unser Land voll eingeschlagen: Es war die Produktion von Apfelsaft aus Obst von heimischen Streuobstwiesen. Auch bei dem Beweidungsprojekt könnte sich eine ähnliche Möglichkeit ergeben, wie Erl andeutete. Sogar eine „eigene Marke“ könnte entstehen durch die Vermarktung von Weiderindfleisch. Auf den Flächen wird nicht gegüllt und auch nicht gemäht. Das machen die Rinder selbst, die durch ihr Verhalten beim Grasen „unterschiedlichste Lebensräume“ schaffen und mit ihrem Dung verschiedenen Insektenarten helfen. Die komplette Weideeinrichtung wird von der Unteren Naturschutzbehörde gestellt.

Auch Unterstände und befestigte Stellen an den Tränken sind im Förderpaket inbegriffen. Das Wasser soll aus der Moosach entnommen werden. Die Pflege der Einrichtung wird von dem oder den ausgewählten Landwirten erledigt. Begonnen wird mit einer kleinen Teilfläche, in drei Jahren dann soll der Elektrozaun die gesamten 54 Hektar umfassen.

Furcht vor wachsendem Freizeitdruck

Max Schmidt, Jäger aus Bruck, ist in Sorge, dass durch die großflächige Umzäunung der Weide die „Besucher auf andere Flächen verdrängt werden, wo der Freizeitdruck noch größer wird“. Josef Rüegg vom Landschaftspflegeverband versicherte ihm: „Es geht uns nicht darum, hier einen neuen Besucherhotspot zu schaffen. Wir wollen die Besucherströme kanalisieren.“ „Für uns ist das neu, wir haben in diesem Dimensionen kein Projekt im Landkreis Ebersberg “, bat Erl um Geduld.

Großes Interesse galt auch der Sicherheit. Wasserbüffel oder auch andere Rinderarten sind nicht zu Späßen aufgelegt, wenn sie Kälber haben. Das berichtete ein Landwirt, der selbst am Kastensee Galloways hat. Auch gibt es im Brucker Moos fleißige Biber, die gerne die Drainagen zulegen. Was wohl passiere, wenn ein Baum auf den Weidezaun falle, wollte Landwirt Martin Hutterer wissen. Einigen Wortmeldungen jedoch war deutlich zu entnehmen, dass es unter den Besuchern Landwirte gab, die sich eine Teilnahme an dem neuen Projekt im Brucker Moos durchaus vorstellen können.

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