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Regina Peter mit ihren Ponys, von denen eine Reihe von ihnen bei ihr das Gnadenbrot bekommt.

Brucker Therapiehof hat Schwierigkeiten

Kinder und Pferde in Angst um ihre Heimat

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Bruck - Für die Kinder, die die Alte Mühle in Bruck besuchen, ist es das Paradies, für die Besitzerin Regina Peter (60) ist es ihre Existenz. Und um die geht es jetzt. Denn für die unmittelbare Nachbarschaft ist der Pferdehof manchmal ein Quell des Ärgers.

„Ohne uns wäre es im Ort leiser“, räumt die Reittherapeutin und Pferdeosteopatin ein. Dass sich die Nachbarn bisweilen gestört fühlen, „dafür habe ich Verständnis“, sagt sie unumwunden. Zusammen mit ihrer Tochter Julia Rock (33), die Sozialwirschaft studiert und mit Diplom abgeschlossen hat, sucht sie deshalb schon länger einen Ausweichstandort. Aber das ist gar nicht so einfach, „obwohl in Bayern Landwirte jeden Tag ihren Hof aufgeben“. Die Alte Mühle gehört der 60-Jährigen selbst, die sie mühevoll restauriert hat.

Peter will ihren Therapeutischen Betrieb weiterführen, auch zusammen mit einer Nachfolgerin, die bei ihr eine Ausbildung absolviert hat und die bei ihr fest angestellt ist. Die Tage des Unternehmens in der alten, denkmalgeschützten Mühle in Bruck sind zwar noch nicht endgültig gezählt, aber langfristig ist der Standort wohl keine Option mehr. „Wenn nicht noch neue Auflagen kommen, werden wir geduldet bis 2025“, berichtet die 60-Jährige, die auf die Einkünfte angewiesen ist.

„Bis 2025 sind die größten Belastungen abgezahlt, deswegen haben sie mir auch diese Frist gegeben“, vermutet Peter und ist dem Landratsamt dafür dankbar, das jetzt allerdings wegen von ihr errichteter Schwarzbauten aktiv werden musste. „Die Sachen habe ich sofort entfernt“, berichtet die 60-Jährige, die auch Bildhauerin ist. „Von der Bildhauerei kann man nicht leben.“

Unter anderem hätten die Behörden moniert, dass auf dem Gelände zwei Tipis standen, die die bei Veranstaltungen Kinder vor Regen geschützt haben. Das Problem dabei: Die Tipis sind zwar fliegende Bauten, die bis zu einer gewissen Größe eigentlich keiner Genehmigung bedürfen. Allerdings stehen sie auf einem Areal, das zu einer Hochwasserfläche erklärt wurde. Und auf einer solchen sind auch fliegende Bauten verboten, weiß Peter jetzt.

Zu den Großkunden, die die Einrichtung in Bruck schätzen, zählt nach Auskunft der Therapeutin das Stadtjugendamt München. „Ungefähr 150 Kinder im Monat“ besuchen die Alte Mühle, die vielen zu einer Art Heimat wurde. „Darunter viele Mädchen mit Gewalterfahrung“, berichtet die Heilpädagogin. „Wir sind eine soziale Einrichtung.“ Und das in doppeltem Sinne. Denn für die aktuelle Arbeit mit Flüchtlingskindern verlange sie kein Geld.

Unter den Pferden, die auf dem Gelände der Alten Mühle in Bruck versorgt werden, sind auch Tiere, die das Gnadenbrot bekommen. „Wenn ich aufhören muss, wandert die Hälfte davon in die Suppe“, schaut Peter auf die Herde vor dem Küchenfenster.

Die Institutionen, die mit Regina Peter zusammenarbeiten, haben ihren Sitz im Großraum München. Deswegen kommt ein Umzug zum Beispiel nach Thüringen nicht in Frage. „Höchstens noch nach Wasserburg. Ich könnte meine mühsam aufgebaute Klientel sonst nicht mitnehmen.“

Bürgermeister Josef Schwäbl zeigt sich auf Nachfrage der Ebersberger Zeitung von der Entwicklung überrascht. „Wir als Gemeinde hatten nie Schwierigkeiten mit diesem Betrieb."

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