Ein Fuchs durchwühlt einen Mülleimer
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Einen Drang zum Stöbern haben Füchse nicht nur bei Mülleimern. Auch Schuhe passen ins Beuteschema. (Symbolbild)

Geschickter Räuber

Fuchs hält als Schuh-Dieb ganzen Ort auf Trab - aus ganz schön niedlichem Anlass

  • Wolfgang Herfort
    VonWolfgang Herfort
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  • Nina Praun
    Nina Praun
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Füchse durchstöbern Gärten und Parks nach Essbarem, klauen mal Burger oder Pizzareste – so viel ist klar. Aber auch Schuhe? In Pienzenau treibt ein schuhliebender Fuchs sein Unwesen. Und er ist nicht der Einzige.

Pienzenau – Pienzenau ist ein eher beschauliches Örtchen im Landkreis Ebersberg, Gemeinde Bruck, es hat wenige hundert Einwohner, das Brucker Moos ist ganz nahe. Doch seit einiger Zeit ist es vorbei mit der ländlichen Ruhe. Denn ein Räuber geht um. Er kommt unregelmäßig und sorgt für Ärger, und er hat es auf Schuhe abgesehen. Nicht paarweise, er lässt nur Einzelne mitgehen, doch dabei ist er nicht wählerisch. Vom ledernen Bergschuh über Gummistiefel bis zu Gartenclogs reicht sein Beuteschema. Und: Er entwendet sie auch aus eingezäunten Gärten, in denen Hunde jeglichen Diebstahl eigentlich verhindern sollten.

Die Betroffenen waren verdutzt, suchten nach ihren Schuhen im Garten, in der Umgebung. Doch nirgendwo waren sie zu finden. Sie grübelten eine ganze Zeit lang, ob nicht ein schelmischer Nachbar oder gar ihr eigener Verstand ihnen einen Streich spielte.

Diebischer Fuchs in Pienzenau: Einzelne Schuhe mit Bissspuren bringen Anwohner auf die Spur

Doch dann tauchten vereinzelt wieder Schuhe auf. Einige hundert Meter von den Häusern entfernt, jenseits der Hauptstraße, nicht auf einem Haufen, sondern weit verstreut in Feldern, Unterholz und Wiesen. Einige waren noch in durchaus brauchbaren, andere in vollkommen desolatem Zustand. Unverkennbar sah man an ihnen: Bissspuren. Und so kamen die Pienzenauer auf des Rätsels Lösung. Ein Fuchs klaut ihnen die Schuhe.

Angebissen: Gefundene Schuhe aus Pienzenau, der rechte ist doch deutlich mitgenommen. 

„Insbesondere im Mai und Juni kommt es jedes Jahr dazu, dass Füchse Schuhe klauen“, erklärt Christof Janko. 44-Jährige hat einst Wildbiologie studiert, sein Steckenpferd ist der Fuchs. Er kennt sich mit seinen Pappenheimern also aus, und kann somit auch den Grund der Diebestouren nennen: „Die Fuchswelpen sind sehr neugierig und nutzen die Schuhe als Spielzeug.“

Wildbiologe: Schuhe sind Spielzeug für die Welpen

Schon Jankos Doktorarbeit befasste sich mit der Frage: Wie verhalten sich Füchse im Raum? Nun, im Falle von Piezenau verhalten sie sich also nur auf den ersten Blick ungewöhnlich; auf den zweiten Blick ist das Verhalten auch für uns Menschen recht einfach nachvollziehbar. Die Welpen brauchen eben Spielzeug! Und dass sich Schuhe für junge Raubtiere ganz ausgezeichnet zum Spielen und darauf Herumknabbern eignen, kann jeder Hundebesitzer bestätigen. Dass dieses kleptomanische Verhalten der Füchse recht verbreitet ist, kann man auch im Internet begutachten: Nach einer kurzen Suche mit den Schlagworten „Fuchs“ und „Schuhe“ reihen sich Videos und Artikel von diebischen Füchsen aneinander.

Der Fuchs als „stiller Untermierter“

Die Lösung lautet also: Nichts im Garten liegen lassen, was nicht abhanden kommen soll. Denn auch wenn man vermutet, dass kein Fuchs in der Nähe lauert, kann genau das Gegenteil der Fall sein. Er lebt überall, in Parks, Gärten, Hinterhöfen. „Der Fuchs lebt unter uns, ohne dass wir es merken“, erklärt der Wildbiologe. „Er ist ein stiller Untermieter.“

Still, aber gewieft. Auf die Füchse in der Nachbarschaft sind die Pienzenauer zumindest nicht mehr so gut zu sprechen, sind doch so einige Schuhe für immer zerstört oder verschollen. Wobei die Pienzenauer noch ganz gut weggekommen sind, wenn man andere Fälle begutachtet: „Der mir bekannte Rekord liegt bei über 40 Schuhen an einem Fuchsbau“, erzählt Janko.

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