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„Da ist alles hübsch ba ufällig“: Kirchenpfleger Johann Riedl im Glockenturm des Alxinger Gotteshauses St. Michael. Die Glocken sind verrostet.

Einsturzgefahr im Kirchturm

Alte Glocken sind verrostet

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Wann die neuen geweiht werden, steht schon fest. Wann die alten dagegen vom Turm heruntergeholt werden, noch nicht. Da muss das Denkmalamt ein Wörtchen mitreden. Es geht um das Geläut der Filialkirche St. Michael in Alxing.

Alxing – „Die Stabilität im Turm ist nicht mehr gewährleistet“, berichtet Pater Egino. „Die Glocken sind im Laufe der Zeit verrostet.“ Rosten können sie, weil sie aus Stahl und nicht aus Bronze sind. Das war damals billiger, aber eben nicht so haltbar. „Die sind 1948 aufgezogen worden“, teilt Pater Egino seinen Kenntnisstand mit. 

Aber neben den drei Stahlglocken hängt noch eine vierte im Turm der Kirche. Dieses Exemplar ist aus Bronze, stammt aus dem Jahr 1613 und ist noch „pfenniggut“. Sie darf deshalb als einzige bleiben und hat darüber hinaus eine besondere Bedeutung für die drei Neuankömmlinge. Die wurden nämlich vom Klang auf diese Glocke abgestimmt, die bislang nur mit der Hand geläutet werden konnte. Welche Töne das genau sind, weiß nicht einmal Pater Egino selbst genau. Er weiß aber: „Das wird ein Salve-Regina-Motiv.“ Dasselbe erklingt zum Beispiel im Freiburger Dom in der Tonfolge C - E - G - A. Eine gleichmäßige Anschlagsfolge gibt es dabei in der Regel nicht, die Glocken läuten im sogenannten „Plenum“. Und gute Glocken erzeugen neben dem Hauptton auch noch eine Reihe von Untertönen.

Bis es so weit ist, wartet aber noch eine Menge Arbeit. „Die Schalllöcher müssen aufgebrochen werden“, schildert Pater Egino einen Teil der notwendigen Eingriffe in den Glockenturm. Anschließend würden die Stahlungetüme mit dem Kran heruntergeholt. „Das wird eine Millimeterarbeit“, schätzt der Pfarrer. Die Aktion ist insofern keine Kleinigkeit, als das schwerste Trumm weit über eine Tonne wiegt. 

Eigentlich hätten die alten Glocken am Montag ausgebaut werden sollen. Wie Pater Egino mitteilt, bestehe aber mit dem Denkmalamt noch Klärungsbedarf, was im Glockenturm am Aufgang alles verändert werden darf und was nicht. „Es geht um das Ingreisch“, sagt der Pfarrer in breitem Bairisch und meint damit die „Innereien“ im Turm. „Das ist alles hübsch baufällig“, warnt Kirchenpfleger Johann Riedl. „Da kann man einen alleine gar nicht mehr hochgehen lassen.“ Die Kirche ist in der bayerischen Denkmalliste aufgeführt als unverputzter Tuffsteinbau. Umgebaut wurde sie jedoch bereits mehrfach. Auch der „barockisierende Spindelhelm“ des Glockenturms ist nicht mehr der originale.

Ein Glockenguss ist ein Ereignis. Und die Entstehung der drei Alxinger Ersatzglocken hat bereits einen Termin. „Das wird eine besondere Zeremonie mit Gebet“, berichtet der Brucker Bürgermeister Josef Schwäbl. Am Freitag fährt deshalb eine Alxinger Delegation mit Pfarrer und Kirchenrat nach Karlsruhe zur Firma Bachert. Der Familienbetrieb produziert seit 1725 Glocken und fertigt den Ersatz für die Alxinger Kirche an. Nachdem die Glocken gegossen wurden, müssen sie acht Tage auskühlen. Dann werden sie geputzt auf Risse untersucht und zur Kirche St. Michael transportiert, wo am 23. April Weihbischof Bernhard Haßlberger die kirchliche Segnung vornehmen wird. Dann wird das neue Geläut aufgezogen und gefeiert.

Ein bisschen vorgefeiert hat die Gemeinde aber schon, und zwar beim Starkbierfest. Der Erlös war für die neuen Kirchenglocken bestimmt. Inzwischen wurden von der Pfarrgemeinde 20 000 Euro an Spenden für das neue Geläut eingesammelt und die politische Gemeinde hat im Haushalt vor zwei Jahren 100 000 Euro eingestellt, damit die Alxinger Kirche wieder vernünftige Glocken bekommt, die die Gläubigen zum Gottesdienst rufen. Die Kirche steht weithin sichtbar auf dem Hügel und damit ist gewährleistet, dass der Klang der Glocken auch weit trägt.

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