Heinz Leusmann hat die Machbarkeitsstudie der Bahn aus dem 90er jahrenm noch zuhause. Ein Tunnel ist darin in Landkreis Ebersberg nicht vorgesehen. Foto: er

Bürger befürchtet: Tunnel ist nur Nebelkerze

Landkreis - Heinz Leusmann ist Bauingenieur, war in den Neunziger-Jahren in Kirchseeon in der Bürgerinitiative „Lärmschutz an der Bahn“ aktiv - und ist skeptisch. Ein Tunnel zwischen Trudering und Grafing beim neu zu schaffenden Zulauf zum Brenner-Basistunnel hält er für Augenwischerei.

Der 74-Jährige wohnt in Kirchseeon in der Ahornstraße und damit genau neben den beiden zusätzlichen Gleisen, die in den Neunzigern für die S-Bahn verlegt worden sind. Aus der damaligen Zeit hat er das Wichtigste aus der 4000 Seiten starken, 23,2 Millionen Mark teuren Machbarkeitsstudie zum Ausbau der Eisenbahnachse München - Verona immer noch daheim liegen, die die Deutsche Bundesbahn, die Österreichischen Bundesbahnen und die italienische Ferrovie dello Stato in Auftrag gegeben hatten.

Jetzt, da vom nördlichen Zulauf für den im Bau befindlichen Brenner-Basistunnel und damit auch von einem Tunnel von Trudering bis Grafing die Rede ist, hat er die Unterlagen wieder hervorgeholt. Seitdem sagt Leusmann: „Ich habe den Verdacht, dass mit dem Tunnel die Bevölkerung ruhig gehalten werden soll, damit keiner etwas unternimmt - und nachher werden oberirdische Gleise kommen und wie immer üblich nur passiver und aktiver Schallschutz.“

Leusmann hat für seine Skepsis handfeste Gründe. Erstens: Schon in der damaligen Studie sind die zusätzlichen Gleise auf den Plänen eingezeichnet. Von einem Tunnel ist nirgendwo die Rede.

Zweitens: Leusmann will nicht glauben, dass für den 55 Kilometer langen Brenner-Basistunnel ein halb so langer Tunnel im Münchner Osten in für Tunnelbauer geologisch viel schwierigerem Gelände gebaut werden wird. „Das ist finanziell ja kaum darstellbar, da laufen alle Kosten davon“, meint Leusmann. „Tunnelbauer lieben hartes Gestein wie in den Alpen, nicht aber den wie bei uns mit Nagelflurschichten durchzogenen Schotter.“

Drittens: Der oberirdische Ausbau der Bahnstrecke ist laut Leusmann schon baulich vorbereitet beziehungsweise leicht machbar. Das hat er, bezogen auf Kirchseeon, schon recherchiert. Knackpunkte sind da die Kreuzungsbauwerke der Bahntrasse mit Straßen. Deren vier gibt es in der Marktgemeinde. Und bei allen vieren sagt Leusmann: „Da ist noch viel Luft drin. Da passen sechs Gleise rein.“ Das Brückenbauwerk beim Kirchseeoner „Brückenwirt“ ist Leusmanns bestes Beispiel. Laut seinen Planunterlagen wurde in den Neunzigern die Brücke 34,45 Meter breit gebaut. Der Regelquerschnitt mit vier Gleisen beträgt 21,10 Meter. „Die Luft zwischen den beiden S Bahn- und den beiden Fernbahngleisen reicht locker“, lautet Leusmanns Fazit.

Bei der Birkmaier-Unterführung westlich des früheren Bahnschwellenwerksgeländes ist es nicht viel anders. Da gehen nämlich wegen des dortigen Überholgleises jetzt schon fünf Gleise drüber. Werde noch der Platz des heutigen Lärmschutzes in Anspruch genommen, bestehe auch hier „freie Fahrt - sechsspurig“.

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Die Eglhartinger Unterführung der B 304 ist laut Leusmann „ebenfalls so gebaut, dass sechs Gleise keine Schwierigkeit machen“. Der heutige Inselbahnsteig müsse nur aufgelöst, die Eglhartinger Haltestelle nördlich der Gleise entweder westlich oder östlich des Brückenbauwerks neu erstellt werden. Mit einer Betonbodenplatte könne dann die Brücke leicht verbreitert werden. Bleibt noch die Bahnunterführung bei Eglharting/Neukirch. Die sei locker zu verbreitern, Drum rum sei ja genügend Platz. Angeblich nicht viel mehr, als ein „schwarzer Filzstiftstrich auf einer Landkarte“. So wurden die Bürger der Anliegergemeinden im Landkreis beruhigt nach dem Motto: Alles noch offen bei den Zuleitungsstrecken zum Brenner Basistunnel. Für Bauingenieur Heinz Leusmann aus Kirchseeon ist aufgrund der im nebenstehenden Artikel genannten Fakten aber klar, dass mit der Option eines Tunnels zwischen Trudering und Grafing die wahren Absichten „nur vernebelt“ werden sollen. Eine alte Machbarkeitsstudie kam zu einem ganz anderen Ergebnis, nämlich oberirdische Gleisführung. „Die Bahn hat ja damals richtig geplant und nicht nur geträumt, schon deshalb, weil ja diese Machbarkeitsstudie bereits vorlag. Die jetzt drohende Planung ist bei den Kreuzungsbauwerken offensichtlich schon einbezogen.“

Leusmanns Schluss aus all dem: „Kirchseeon darf nicht ohne ein Konzept dastehen, wenn der oberirdische Gleisausbau doch kommen sollte.“ der bauingenieur hat schon damals eine Bündelung von Bahn und Bundesstraße vorgeschlagen. In freiem Gelände. Im Süden Kirchseeons. Das sei unterm Strich viel billiger und der Lärmschutz wäre dann auch nicht das große Problem. Leusmann hat deshalb einen Gemeinderat und auch Bürgermeister Udo Ockel angesprochen. Ihm sei aber beide Male die kalte Schulter gezeigt worden, bedauert der Bürger.

Von Eberhard Rienth

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