Bürger starten Versuchsballon

Landkreis - Bei der Nutzung der Windenergie betritt der Landkreis Ebersberg weitgehend Neuland. Das Vorhaben erfordert unabhängig von der Überzeugungsarbeit in der Politik viel Sachverstand. Der soll jetzt auch aus den Reihen der Bürgerschaft kommen.

Zwei Diplom-Ingenieure, ein Hochschulprofessor der Systemtechnik, sowie ein Physiker und Diplomkaufmann sind bisher der harte Kern einer neu gegründeten Fachschaft Energie des Landkreises Ebersberg. Die Bürger wollen aktiv und unabhängig die vom Landkreis Ebersberg angestrebte Energiewende unterstützen und sind teilweise mit ihrem Engagement aus dem Arbeitskreis Energie und Ressourcen hervorgegangen.

Ihr Sprecher ist Andreas Schumann aus Ebersberg. Er formulierte erste Nahziele des Fachleutegremiums: Bezüglich der geplanten Windmessung an einem 140-m-Messmast im Ebersberger Forst durch den Investor „Green City GmbH“ werde gefordert, dass die ermittelten Rohdaten dieser Messung zur Verfügung gestellt werden, „um eigene, unabhängige Auswertungen und Ertragsprognosen stellen zu können“. Genau das aber, so wurde in den vorangehenden Debatten in den Kreisgremien vom Investor deutlich gemacht, sei nicht vorgesehen. Wie Schumann jedoch berichtet, sei man einer weiteren Forderung gegenüber aufgeschlossen. „Sollte das nicht möglich sein, wollen wir zwei eigene Windmesgeräte in 140 Metern Höhe am Messmast anbringen lassen, um an eigene unverfälschte Daten zu kommen.“ Schumann berichtet: „Da ist uns eine Zusage signalisiert worden, dass wir eine solche Anlage gegen eine Miete errichten dürfen.“

Eigenes Datenmaterial ist für die Fachschaft eine unabdingbare Basis der künftigen Ausrichtung. „Wir sind nicht damit zufrieden, dass die spätere Projektierung mit der Datenermittlung zu tun hat. Das finden wir nicht in Ordnung“, äußert der engagierte Bürger Kritik daran, dass die Interpretation der ermittelten Informationen in der Tiefe alleine Sache des künftigen Projektanten sein soll.

Schumann betreibt in Ebersberg eine Wetterstation und ist mit Windmessungen vertraut. Bei einem Versuch mit einem Drachen sei es gelungen, Daten aus 400 Metern Höhe zu ermitteln. Jetzt soll zur weiteres Professionalisierung die Anschaffung eines „eigenen, günstigen und mobilen Windmessungssystems“ erfolgen. „Basierend auf unseren Erfahrungen mit Windmessungen mithilfe von Drachen wollen wir einen speziellen Heliumballon anschaffen, der Wind bis zur Orkanstärke aushält“, wird angekündigt. Mit Hilfe dieses Systems könnten interessante Standorte im Landkreis vermessen und sowohl für Bürger wie für Kommunen Ertragsprognosen erstellt werden. Im Falle der Messstation im Ebersberger Forst würden die Daten per Kabel auf eine SD-Karte gespielt und könnten wöchentlich ausgelesen werden.

Die Fachschaft sieht sich mit ersten, eigenen Investitionskosten konfrontiert. Das Messgerät selbst koste etwa 3500 Dollar, hinzu kämen Fracht, Mehrwertsteuer und Zoll, dazu die Kosten für das Helium. „Wir wollen nicht wirtschaftlich oder politisch abhängig werden“, sagt Schumann in Hinblick auf die Finanzierung. Es sei geplant, Sponsoren zu finden und die Fachschaftsmitglieder würden sich auch an den Kosten beteiligen.

Refinanzieren könnte sich der finanzielle Erstaufwand dann, wenn private Betreiber gegen Entgelt auf diese Messmöglichkeit zurückgreifen würden. „Für unser nächstes Treffen werden wir Kontakte zu Vertretern der Betreibergesellschaft ,Windenergie Osterkling GmbH aufnehmen, um sie von unserem Beratungsangebot zu informieren.“

Eine zusätzliche Messung, so Schumann, biete auch Vergleichsmöglichkeiten, die zusätzliche Sicherheit schaffen.

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