Sie kamen recht zahlreich, doch sie hatten keine Fragen: Gäste der Podiumsdiskussion im Jugendzentrum. Foto: Jürgen rOssmann

Bürgermeisterwahl: "Generation Brilmayer" (fast) ohne Worte

Ebersberg - Nach der Pleite von Poing, wo die Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl grandios floppte, kann der Kreisjugendring mit Ebersberg halbwegs zufrieden sein. Rund 50 junge Menschen kamen ins JUZ, um den drei Bürgermeisterkandidaten zaghaft auf den Zahn zu fühlen.

Es ist die „Generation Brilmayer“, die sich an diesem Abend im ersten Stock des Jugendzentrums versammelt hat. Frauen und Männer, die in ihrem jungen Leben noch keinen anderen Bürgermeister erlebt haben als den seit 18 Jahren amtierenden Walter Brilmayer (CSU). Gänzlich unzufrieden scheinen sie mit ihm nicht zu sein. Jedenfalls muss sich der 59-Jährige keine einzige kritische Bemerkung des Publikums gefallen lassen.

Und Fragen? Die kommen äußerst spärlich, sodass es dem etwas müde wirkenden Moderator Daniel Grasser obliegt, Doris Rauscher (SPD), Philipp Goldner (Grüne) und eben Brilmayer zu löchern. Echte Meinungsverschiedenheiten blitzen nur ein einziges Mal auf, als es um die Beteiligung junger Menschen an politischen Entscheidungsprozessen geht. Hier verweist Brilmayer auf die Schwierigkeit, geeignete Formen der Beteiligung zu finden. Er erinnert beispielhaft an die Bürgerwerkstatt bei der Aufstellung des Flächennutzungsplans, wo versucht wurde, junge Menschen einzubinden. Rauscher kreidet insgesamt „fehlende Strukturen“ an und ruft einmal mehr die Gestaltung des Klostersee-Südufers ins Gedächtnis zurück. Damals sei der Stadtrat einfach über die Wünsche der jungen Menschen hinweggegangen. Das erzeuge Frustration. Die Gefahr einer solchen sieht Goldner generell bei „Jugendparlamenten“, weswegen er kein Freund dieser Modelle sei („obwohl ich im Jugendzentrum Basisdemokratie gelernt habe“). Immer die gleichen Jugendlichen würden sich engagieren, die frustriert würden, sähen sie ihre Vorschläge nicht schnell in die Tat umgesetzt.

Und sonst? Jugendrelevante Themen an diesem Abend? Ach ja, da war noch die Sache mit der „Ersten Etage“, die den Jugendlichen eigenem Bekunden nach als beliebter Treffpunkt jenseits des Jugendzentrums sehr fehlt. Die Politik müsse mehr steuern, um Treffpunkte dieser Art für junge Erwachsene zu schaffen, fordert Doris Rauscher, die glaubt, „dass uns die Jugendlichen sonst abwandern". Die Räumlichkeiten, in denen heute das Lokal „Aden“ betrieben wird, seien eigentlich als Jugendcafé gedacht gewesen. Zu einem solchen müssten diese auch wieder werden. Brilmayer sagt, dass er mit dem „Aden“ nicht glücklich sei, der Pachtvertrag aber „noch lange“ gelte. Er hofft auf die „Bewegung“, die das neue Einkaufszentrum in das Herz der Stadt bringen werde. Da würden Räume frei, die vielleicht im Sinne eines Jugendcafés genutzt werden könnten. Konkret nennt der Rathauschef den ehemaligen „Rewe“ am Bahnhof und den jetzigen „Lidl“, der später ins Einkaufszentrum umzieht. Goldner erinnert an die Umstände, wie es zur Verpachtung an „Aden“ gekommen war. „Da war die Not nicht da“, ein Jugendcafé zu installieren, „da hatten wir noch die Erste Etage“. Als Idee wirft er eine „Bowling-Bahn“ für das alte „Rewe-Gebäude“ in die Runde.

Und der Marienplatz, das eigentliche Herz der Stadt? Wie kann der im Sinne junger Menschen umgestaltet werden? Brilmayer verweist auf den geplanten städtebaulichen Wettbewerb, der zusammen mit den Vorschlägen „engagierter Bürger“ dafür sorgen soll, dass „man sich dort gerne aufhält und dort gerne einkauft“. Rauscher fordert ein Durchfahrverbot für Lkw sowie die Aufwertung des Areals einschließlich des völlig maroden Bahnhofsgebäudes. Das Lkw-Fahrverbot verweisen sowohl Brilmayer als auch Goldner ins Reich der Fantasie. Der Grüne glaubt aber an „kreative Ideen“, die das Verkehrs- und Parkproblem am Marienplatz lösen können. Z.B. an eine „shared space“-Variante, bei der alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt sind.

Von Michael Acker

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